Die Europäische Staatsanwaltschaft hat eine europaweite Razzia unter dem Namen „Operation Troja“ koordiniert: Rund 160 Durchsuchungen in 19 Ländern richteten sich gegen ein mutmaßliches Betrugsnetzwerk, das seit 2018 mehr als eine Million gebrauchte Handys als Neuware über Online-Marktplätze verkauft haben soll. Der geschätzte Schaden für Konsumentinnen und Konsumenten liegt laut Behörde bei mindestens 300 Millionen Euro, hinzu kommt ein Mehrwertsteuerausfall von rund 30 Millionen Euro durch Briefkastenfirmen unter anderem in Österreich, Deutschland, den Niederlanden, Bulgarien und der Schweiz.
Am 26. September 2026 wurden sieben Verdächtige festgenommen – vier in Deutschland, zwei in Österreich und einer in Spanien –, darunter mutmaßlich beide Anführer der Organisation. Rund 1.700 Steuer-, Zoll- und Polizeifahnderinnen und -fahnder waren laut Ermittlungsbehörden im Einsatz. Den Ermittlungen zufolge wurden die Geräte in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten aus gebrauchten Teilen zusammengebaut und über die Niederlande sowie Lager in Deutschland vertrieben; ausgelöst wurde das Verfahren durch einen Hinweis des Europäischen Amts für Betrugsbekämpfung (OLAF).
Offen bleibt, welche konkrete österreichische Behörde beteiligt war, um welchen von der EUStA erwähnten „Top-Anbieter“ es sich handelt, wie betroffene Käuferinnen und Käufer vorgehen können und wie es im Verfahren gegen die Festgenommenen weitergeht. Eine Stellungnahme der Beschuldigten oder der genannten Firmen liegt bislang nicht vor.
Was passiert ist
Die Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA/EPPO) hat eine europaweite Razzia unter dem Namen „Operation Troja“ koordiniert: Rund 160 Durchsuchungen in 19 Ländern richteten sich gegen ein mutmaßliches Betrugsnetzwerk, das gebrauchte Handys als Neuware verkauft haben soll. Auch in Österreich fanden im Zuge der Aktion Durchsuchungen und Festnahmen statt. Im Zentrum der Ermittlungen steht der Vorwurf, dass seit 2018 mehr als eine Million Geräte über Online-Marktplätze an Konsumentinnen und Konsumenten in der gesamten EU verkauft wurden, obwohl sie aus gebrauchten Bauteilen zusammengesetzt waren. Den Ermittlungen ging laut EUStA ein Hinweis des Europäischen Amts für Betrugsbekämpfung (OLAF) voraus; geführt wird das Verfahren von der Außenstelle der Europäischen Staatsanwaltschaft in Köln.
Zahlen der Ermittler
Laut EUStA entstand Verbraucherinnen und Verbrauchern in der EU dadurch ein Schaden von mindestens 300 Millionen Euro – die Differenz zwischen dem gezahlten Preis für vermeintliche Neuware und dem tatsächlichen Wert gebrauchter Geräte. Zusätzlich wirft die Behörde der Gruppe vor, über Briefkastenfirmen unter anderem in Österreich, Bulgarien, Deutschland und den Niederlanden sowie in der Schweiz eine Steuerregelung für den Weiterverkauf bereits versteuerter Ware missbraucht zu haben. Dadurch soll in mehreren EU-Staaten ein Mehrwertsteuerausfall von rund 30 Millionen Euro entstanden sein, davon laut einer Medienquelle mindestens 25 Millionen Euro in Deutschland. Am 26. September 2026 wurden sieben Verdächtige festgenommen – vier in Deutschland, zwei in Österreich und einer in Spanien –, darunter mutmaßlich beide Anführer der Organisation. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden waren an der Aktion rund 1.700 Steuer-, Zoll- und Polizeifahnderinnen und -fahnder beteiligt, wobei die genaue Zahl in den Berichten leicht schwankt.
Wie das mutmaßliche Geschäftsmodell funktioniert haben soll
Den Ermittlungen zufolge wurden die Handys zunächst in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten aus gebrauchten Teilen zusammengebaut, gereinigt und neu verpackt. Von dort seien die Geräte in die Niederlande und weiter zu Lagern in Deutschland verschickt worden, von wo sie über Online-Marktplätze in der gesamten EU verkauft werden konnten. Betroffen sein sollen demnach Geräte „führender Hersteller“, vertrieben über einen laut EUStA großen Internet-Anbieter für Handys. Es handelt sich dabei um Darstellungen der Ermittlungsbehörden zum mutmaßlichen Tatablauf, die bislang nicht gerichtlich geprüft sind; eine Stellungnahme der Beschuldigten oder der genannten Firmen liegt in den vorliegenden Quellen weiterhin nicht vor.
Die Festnahmen im Detail
Von den sieben am 26. September 2026 festgenommenen Verdächtigen wurden nach übereinstimmenden Berichten vier in Deutschland, zwei in Österreich und einer in Spanien verhaftet. Unter den Festgenommenen sollen sich die beiden mutmaßlichen Anführer der Organisation befinden. Welche konkrete österreichische Behörde vor Ort ermittelte und an welchem Ort in Österreich die beiden Festnahmen erfolgten, geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor. Auch die Identität der Festgenommenen und der beteiligten Firmen ist bislang nicht bekannt – es handelt sich hierbei weiterhin um Vorwürfe der Ermittlungsbehörden, die einer gerichtlichen Klärung bedürfen.
Was unklar bleibt
Offen ist weiterhin, welche konkrete österreichische Behörde an den Durchsuchungen und Festnahmen beteiligt war. Auch die Identität des von der EUStA erwähnten „Top-Anbieters“ für Handys im Internet ist aus den vorliegenden Quellen nicht zu entnehmen, ebenso wenig eine Reaktion dieses Unternehmens oder der betroffenen Online-Marktplätze. Unklar bleibt zudem, wie betroffene Käuferinnen und Käufer ihr Geld zurückfordern können und wie es im Verfahren gegen die sieben Festgenommenen weitergeht – etwa ob und wann Anklagen erhoben werden.
Einordnung
Die Razzia zeigt, wie stark grenzüberschreitender Handel mit technischen Geräten über Online-Marktplätze mittlerweile auch europaweit koordinierte Ermittlungsverfahren nach sich zieht: Rund 160 Durchsuchungen in 19 Ländern und rund 1.700 eingesetzte Fahnderinnen und Fahnder binnen kurzer Zeit sind ein erheblicher behördlicher Aufwand. Dass die EUStA das Verfahren mit einem eigenen Namen („Operation Troja“) versieht und die Festnahmen konkret nach Ländern aufschlüsselt, unterstreicht den offiziellen Charakter der Mitteilung – die genannten Schadenssummen bleiben aber Schätzungen der Ermittlungsbehörden und sind noch nicht durch ein Gerichtsverfahren bestätigt. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt der Fall vorerst vor allem ein Hinweis darauf, beim Kauf vermeintlicher Handy-Neuware über Drittanbieter-Marktplätze Vorsicht walten zu lassen.
