Vor der nordzyprischen Hafenstadt Kyrenia ist am Sonntag eine Fähre mit 267 Menschen an Bord gekentert, nachdem rund 15 Minuten nach dem Ablegen bei stürmischer See Wasser in das Schiff eingedrungen war. Das Schiff, ein Katamaran der Reederei Filo Denizcilik, war auf dem Weg ins südtürkische Tasucu in der Provinz Mersin. Küstenwache, Rettungsboote und ein Hubschrauber waren im Einsatz. Die Zahl der bestätigten Toten stieg im Lauf der Rettungsarbeiten auf mindestens acht, wie der nordzyprische Premierminister Ünal Üstel mitteilte; 237 Menschen wurden nach Angaben des Bürgermeisters von Kyrenia gerettet, während nach rund 20 weiteren Personen gesucht wurde. Der Kapitän und mehrere Besatzungsmitglieder wurden im Zuge erster Ermittlungen festgenommen, mehrere überlebende Passagiere berichteten zudem von einer Explosion im vorderen Schiffsteil kurz vor dem Kentern – unabhängig bestätigt ist das bislang nicht.
Warum genau Wasser in das Schiff eindrang, ist weiterhin unklar, ebenso die endgültige, konsolidierte Bilanz der Suchaktion: Einzelne spätere Berichte nennen bereits leicht abweichende Zahlen von bis zu 242 Geretteten und 17 Vermissten. Offen ist auch, zu welchem Ergebnis die Ermittlungen gegen den Kapitän und die weiteren Besatzungsmitglieder kommen und ob sich die Explosionsberichte der Überlebenden bestätigen.
Das Gebiet vor Nordzypern, das nur von der Türkei als eigener Staat anerkannt wird, reiht das Unglück in eine Serie schwerer Fährkatastrophen der vergangenen Wochen ein, über die auch „Neue Nachrichten“ bereits berichtet hat – etwa aus Simbabwe und Guyana, wo sich Opferzahlen ebenfalls erst im Lauf der Rettungsarbeiten stabilisierten und ebenfalls Vorwürfe gegen die Besatzung im Raum stehen.
Was passiert ist
Vor der nordzyprischen Hafenstadt Kyrenia (türkisch: Girne) ist am Sonntag eine Fähre mit 267 Menschen an Bord gekentert. Nach übereinstimmenden Berichten befanden sich 259 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder auf dem Schiff, das von Kyrenia aus ins südtürkische Tasucu in der Provinz Mersin unterwegs war. Rund 15 Minuten nach dem Ablegen drang bei stürmischer See Wasser in das Schiff ein, ein Notruf wurde abgesetzt. Küstenwache, Rettungsboote und ein Hubschrauber waren im Einsatz, um Menschen aus dem Wasser zu bergen. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg im Lauf der Rettungsarbeiten von zunächst sechs bzw. sieben auf mindestens acht, wie der nordzyprische Premierminister Ünal Üstel mitteilte. 237 Menschen wurden nach Angaben des Bürgermeisters von Kyrenia, Murat Şenkul, gerettet.
Was die Quellen zeigen
Die ersten Meldungen vom Sonntagmittag unterschieden sich noch in Details: Der nordzyprische Verkehrsminister Erhan Arıklı sprach zunächst von 267 Personen an Bord und mindestens sechs Toten, während der Bürgermeister von Kyrenia zu einem früheren Zeitpunkt 258 Passagiere und 159 Gerettete nannte. Im Lauf des Tages meldeten internationale Nachrichtenagenturen und Medien übereinstimmend eine aktualisierte Bilanz von mindestens acht Toten und 237 Geretteten, während nach rund 20 bis 22 weiteren Personen gesucht wurde; einzelne spätere Berichte nennen bereits leicht abweichende Zahlen von 242 Geretteten und 17 Vermissten, ohne dass diese neueren Angaben bereits breit bestätigt wären. Als Schiffstyp wird ein Katamaran der Reederei Filo Denizcilik genannt. Nach Angaben mehrerer Medien wurden der Kapitän und mehrere weitere Besatzungsmitglieder im Zuge erster Ermittlungen festgenommen. Mehrere überlebende Passagiere berichteten zudem von einer Explosion im vorderen Schiffsteil kurz bevor die Fähre zu kentern begann – eine unabhängige Bestätigung dieser Zeugenaussagen steht bislang aus.
Was unklar bleibt
Offen ist weiterhin, warum genau Wasser in die Fähre eindrang: Ob eine mögliche Explosion, technische Mängel, das stürmische Wetter oder eine Kombination dieser Faktoren ausschlaggebend waren, ist nicht geklärt. Auch die endgültige, konsolidierte Zahl der Toten und Vermissten steht noch nicht fest, solange die Suchaktion andauert und Meldungen unterschiedlicher Quellen leicht voneinander abweichen. Zu welchem Ergebnis die Ermittlungen gegen den festgenommenen Kapitän und die weiteren Besatzungsmitglieder kommen, ist ebenso offen wie eine mögliche Stellungnahme der Reederei zum Wartungszustand des Schiffs.
Einordnung
Das Unglück ereignete sich vor der Küste der Türkischen Republik Nordzypern, die seit der türkischen Militärintervention von 1974 nach einem Putsch nationalistischer griechischer Zyprioten de facto von der Republik Zypern getrennt ist und international nur von der Türkei anerkannt wird. Die EU nahm 2004 die Insel Zypern als Ganzes auf. Das Unglück reiht sich in eine Serie schwerer Fährunfälle der vergangenen Wochen ein, wie „Neue Nachrichten“ etwa zu einem Fährunglück auf dem Karibasee in Simbabwe und einem Fährunglück vor Guyana berichtet hat – auch dort waren zunächst gemeldete Opfer- und Passagierzahlen im Verlauf der Rettungsarbeiten nach oben korrigiert worden, und auch in Guyana führten Ermittlungen bereits zu Vorwürfen gegen die Schiffsbesatzung.
