Vor der Küste Nordzyperns ist am Sonntag die Expressfähre „Filo Jet“ mit rund 260 Passagieren an Bord gesunken. Der Katamaran hatte Kyrenia in Richtung der südtürkischen Stadt Mersin verlassen, als aus ungeklärten Gründen Wasser eindrang, das Schiff voll lief und kenterte. Mindestens acht Menschen starben, in der Nacht auf Montag wurde noch nach 18 Vermissten gesucht.
Die Behörden nahmen den Kapitän und sieben Crewmitglieder fest. Hintergrund sind Vorwürfe geretteter Passagiere, wonach der Kapitän das Schiff bei Anbahnung des Unglücks verlassen habe und Fluchtwege beziehungsweise Türen versperrt gewesen seien. Der zypern-türkische Verkehrsminister Erhan Arikli kündigte gegenüber der Agentur Anadolu eine intensive Prüfung aller Vorwürfe sowie eine separate, später zu veröffentlichende Untersuchung zu Betriebserlaubnis und Sicherheitsvorkehrungen an.
Offen bleiben die technische Ursache des Wassereinbruchs, die endgültige Opferzahl und ob sich die Vorwürfe gegen die Besatzung bestätigen. Ermittler hoffen auf die Bergung des in rund 500 Metern Tiefe liegenden Schiffsdatenschreibers.
Was passiert ist
Vor der Küste Nordzyperns ist am Sonntag die Expressfähre „Filo Jet“ gesunken. Der Katamaran hatte den Hafen von Kyrenia (türkisch: Girne) verlassen und war auf dem Weg in die südtürkische Stadt Mersin, als aus bislang ungeklärten Gründen Wasser eindrang. Das Schiff lief voll, kippte zur Seite und sank wenige Kilometer vor der Küste. An Bord waren nach bisherigen Angaben rund 260 Passagiere.
Mindestens acht Menschen kamen ums Leben. In der Nacht auf Montag wurde laut Behördenangaben noch nach 18 Vermissten gesucht, die Rettungsarbeiten dauerten zum Zeitpunkt der Berichterstattung an.
Festnahmen und Vorwürfe gegen die Besatzung
Am Sonntagabend nahmen die Behörden den Kapitän des gesunkenen Schiffs sowie sieben weitere Crewmitglieder fest. Hintergrund sind Vorwürfe geretteter Passagiere gegen die Besatzung: Der Kapitän soll das Schiff verlassen haben, als sich das Unglück bereits anbahnte, zudem sollen nach Aussagen Betroffener Türen und Fluchtwege an Bord teilweise versperrt gewesen sein.
Der zypern-türkische Verkehrsminister Erhan Arikli erklärte gegenüber der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, alle Vorwürfe würden intensiv geprüft. Neben den laufenden Polizeiermittlungen kündigte er eine separate Untersuchung an, deren Ergebnisse zu Betriebserlaubnis, Seetauglichkeit und Sicherheitsvorkehrungen der Fähre später veröffentlicht werden sollen.
Was unklar bleibt
Warum genau Wasser in den Katamaran eindrang, ist nach vorliegenden Quellen weiterhin offen. Ermittler setzen Hoffnungen auf die Bergung des Schiffsdatenschreibers, der auf dem Meeresgrund in rund 500 Metern Tiefe liegt und Aufschluss über den Hergang geben könnte – eine technisch anspruchsvolle Aufgabe angesichts der Tiefe.
Ebenfalls offen ist, ob sich die Vorwürfe der Passagiere gegen den Kapitän und die Crew im Zuge der Ermittlungen bestätigen. Die endgültige Zahl der Todesopfer und Vermissten steht noch nicht fest, ebenso wenig Angaben zu Nationalitäten der Betroffenen oder einer möglichen Beteiligung österreichischer bzw. anderer EU-Staatsangehöriger, zu der aus den vorliegenden Quellen nichts hervorgeht.
Einordnung
Das Unglück reiht sich in eine Serie tödlicher Fährunfälle im östlichen Mittelmeer ein, bei denen Fragen zu Sicherheitsstandards, Wartungszustand und Kontrolle von Passagierschiffen regelmäßig im Mittelpunkt stehen. Dass die Behörden neben der strafrechtlichen Ermittlung eine gesonderte technische Untersuchung mit späterer Veröffentlichung angekündigt haben, deutet auf öffentlichen Druck hin, Ursache und Verantwortlichkeiten rasch und nachvollziehbar zu klären. Bis belastbare Ergebnisse vorliegen, bleiben zentrale Fragen zu Ursache und Verantwortung offen.
