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Vor der Küste Nordzyperns ist am Sonntag die Expressfähre „Filo Jet“ auf dem Weg von Kyrenia zur türkischen Südküste gekentert und gesunken. Von rund 267 Menschen an Bord starben mindestens acht, der Großteil der übrigen wurde gerettet – die genaue Zahl der Geretteten und der zunächst rund 20 Vermissten wird in Berichten leicht unterschiedlich angegeben.

Ein türkisches Spezialschiff hat inzwischen mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug die Suche nach dem in rund 500 Metern Tiefe liegenden Wrack aufgenommen, um dieses zu orten und nach Vermissten zu suchen. Gegen den Kapitän und acht weitere Verdächtige wurde wegen des Vorwurfs fahrlässiger Tötung eine dreitägige Untersuchungshaft verhängt; gerettete Passagiere erheben schwere Vorwürfe gegen die Besatzung, die der Kapitän Berichten zufolge zurückweist.

Offen bleiben die genaue Unglücksursache, die endgültigen Opfer- und Vermisstenzahlen sowie der Ausgang von Tauchgang, Bergung und Ermittlungsverfahren. Belastbare Primärquellen wie amtliche Mitteilungen oder Gerichtsunterlagen liegen bislang nicht vor, die Darstellung stützt sich auf mehrere, teils unabhängige Medienberichte.

Was passiert ist

Vor der Küste Nordzyperns ist am Sonntag die Expressfähre „Filo Jet“ gekentert und gesunken. Das Schiff hatte kurz zuvor den Hafen von Kyrenia (türkisch: Girne) in Richtung der türkischen Südküste in der Region Mersin verlassen. Aus bislang ungeklärten Gründen drang Wasser ein, der Katamaran lief voll, kippte zur Seite und ging schließlich wenige Kilometer vor der Küste unter. Nach übereinstimmenden Berichten waren rund 267 Menschen an Bord. Mindestens acht von ihnen kamen ums Leben, der Großteil der übrigen Passagiere und Besatzungsmitglieder konnte gerettet werden – die genaue Zahl der Geretteten wird in den vorliegenden Quellen leicht unterschiedlich beziffert.

Suche nach dem Wrack

Einen Tag nach dem Unglück begann der Einsatz eines türkischen Spezialschiffs, das mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug ausgestattet ist. Ziel ist es, das Wrack in rund 500 Metern Tiefe zu lokalisieren und rund um sowie auf der Wrackoberfläche nach den zu diesem Zeitpunkt noch vermissten Personen zu suchen. Der Kommandant des Einsatzschiffes erklärte gegenüber Journalisten an Bord, dass nach der Ortung des Wracks mit detaillierten Untersuchungs- und in weiterer Folge mit Bergungsarbeiten begonnen werden solle. Wie viele Menschen zum Start des Tauchgangs noch als vermisst galten, wird unterschiedlich angegeben – Berichte nennen Zahlen zwischen rund 18 und 20.

Ermittlungen gegen die Besatzung

Gegen den Kapitän und acht weitere Verdächtige wurde eine dreitägige Untersuchungshaft angeordnet. Ihnen wird vorgeworfen, den Untergang durch Fahrlässigkeit und Unachtsamkeit mitverursacht zu haben. Ein Bericht spricht zudem davon, dass insgesamt 14 Personen einem Gericht in Kyrenia vorgeführt wurden, von denen neun – darunter zwei Behördenvertreter – in Haft genommen und fünf vorerst wieder freigelassen wurden; diese Zusatzangabe lässt sich derzeit nicht durch weitere Quellen bestätigen. Mehrere gerettete Passagiere sollen der Besatzung schwere Vorwürfe gemacht haben, etwa im Zusammenhang mit Fluchtwegen an Bord. Berichten zufolge weist der Kapitän die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Beide Darstellungen liegen bislang nur über Medienberichte vor, nicht über eigens eingesehene Ermittlungs- oder Gerichtsunterlagen.

Was unklar bleibt

Offen ist vor allem, warum auf der „Filo Jet“ Wasser eindrang und das Schiff so rasch sank. Auch die endgültige Zahl der Todesopfer, Vermissten und Geretteten steht nicht abschließend fest, da sich die Angaben je nach Berichtszeitpunkt unterscheiden und die Suche zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch andauerte. Unklar ist zudem, was der begonnene Tauchgang zum Wrack konkret ergibt – ob weitere Vermisste gefunden werden und wann eine mögliche Bergung des Wracks selbst beginnen könnte. Der weitere Verlauf des Ermittlungsverfahrens gegen Kapitän und Besatzung sowie eine detaillierte, geprüfte Fassung der gegenseitigen Vorwürfe stehen ebenfalls noch aus.

Einordnung

Die Berichterstattung stützt sich bislang durchgehend auf Medienquellen, die sich ihrerseits teils auf die türkische Staatsagentur Anadolu und auf Angaben türkischer beziehungsweise nordzyprischer Behörden und Gerichte berufen. Eine eigenständig eingesehene Primärquelle – etwa eine amtliche Mitteilung oder ein Gerichtsdokument – liegt nicht vor. Die zentralen Fakten zum Unglück selbst gelten angesichts übereinstimmender Berichte mehrerer voneinander unabhängiger Medien als gesichert, Detailzahlen und die wechselseitigen Vorwürfe rund um die Besatzung sind dagegen weiterhin mit Vorsicht zu behandeln.