Die Polizei hat einen 35-Jährigen festgenommen, der Ende Juli als falscher Polizist eine 75-jährige Frau um 70.000 Euro gebracht haben soll. Ein bis heute unbekannter Anrufer gab sich laut Landespolizeidirektion Wien als Leiter des Landeskriminalamts aus und warnte die Frau vor angeblich unsicherem Bankgeld. Sie holte daraufhin ihre Ersparnisse aus einem Schließfach in der Donaustadt und übergab sie dem vermeintlichen Beamten.
Die Ermittler nahmen den mutmaßlichen Abholer am Donnerstag in seiner Wohnung in Wien-Meidling fest. Dabei wurden zwei Schlagringe, ein Elektroschocker und eine geladene Faustfeuerwaffe sichergestellt, obwohl gegen den Mann bereits ein Waffenverbot bestand. Er wird wegen schweren Betrugs im Rahmen einer kriminellen Organisation sowie nach dem Waffengesetz angezeigt und sitzt in Untersuchungshaft.
Wer den Anruf tatsächlich tätigte und ob es weitere Mittäter gibt, ist offen, die Polizei ermittelt weiter. Auch in Kärnten, etwa im Bezirk Feldkirchen, wird derzeit verstärkt vor der gleichen Betrugsmasche gewarnt.
Was passiert ist
Die Polizei hat einen 35-Jährigen festgenommen, der sich Ende Juli als Polizist ausgegeben und dabei eine ältere Frau um ihre Ersparnisse gebracht haben soll. Laut Darstellung der Landespolizeidirektion Wien kontaktierte ein bislang unbekannter Anrufer die 75-Jährige telefonisch, gab sich als Leiter des Landeskriminalamts Wien aus und warnte sie, ihr in der Bank verwahrtes Geld sei nicht sicher. Die Frau holte daraufhin ihre Ersparnisse aus einem Bankschließfach in der Donaustadt und übergab dem angeblichen Beamten 70.000 Euro. Die Ermittler konnten den mutmaßlichen Abholer ausforschen und nahmen ihn am Donnerstag an seiner Wohnadresse in Wien-Meidling fest.
Was die Quellen zeigen
Bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung stellte die Polizei zwei Schlagringe, einen Elektroschocker und eine geladene Faustfeuerwaffe sicher. Gegen den Mann bestand den Angaben zufolge bereits ein aufrechtes behördliches Waffenverbot. Der 35-Jährige wurde wegen des Verdachts des schweren Betrugs im Rahmen einer kriminellen Organisation sowie nach den Bestimmungen des Waffengesetzes angezeigt und über Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien in eine Justizanstalt eingeliefert. Die Darstellung stammt von der ermittelnden Behörde selbst und wurde von ORF Wien mit Volltext wiedergegeben; das grundlegende Bild – Anruf, Übergabe des Geldes, Festnahme, sichergestellte Waffen – deckt sich mit den Kurzmeldungen weiterer Portale zum selben Fall.
Was unklar bleibt
Offen ist vor allem, wer den ursprünglichen Anruf tatsächlich tätigte – die Polizei bezeichnet diese Person weiterhin als unbekannt und ermittelt auch zu möglichen weiteren Mittätern. Auch zur Struktur einer dahinterstehenden Organisation, zu allfälligen weiteren Opfern des Festgenommenen oder zu einer möglichen Verbindung zu anderen bereits bekannten Banden, die den sogenannten Polizistentrick anwenden, liegen keine Angaben vor. Eine Stellungnahme des Beschuldigten oder seiner Verteidigung ist ebenfalls nicht bekannt, was im frühen Stadium eines Ermittlungsverfahrens aber nicht ungewöhnlich ist.
Einordnung
Der Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Betrugsfälle mit falschen Polizisten in Österreich ein, wie sie zuletzt auch in anderen Verfahren – etwa nach einer Festnahme in Wien-Favoriten oder einem Urteil gegen einen als Chauffeur tätigen Bandenmitglied – öffentlich wurden. Parallel zum aktuellen Wiener Fall registrieren Behörden auch in anderen Bundesländern vermehrte Betrugsversuche mit derselben Masche: Sowohl in Kärnten allgemein als auch konkret im Bezirk Feldkirchen wurde zuletzt vor gehäuften Anrufen falscher Polizisten gewarnt. Die Polizei rät weiterhin, verdächtige Anrufe sofort zu beenden, die Notrufnummer 133 zu wählen und keine Angaben zu finanziellen oder familiären Verhältnissen zu machen, da echte Polizistinnen und Polizisten niemals Geld oder Wertgegenstände verlangen.
