Foodwatch Österreich berichtet von einem Testkauf bei McDonald’s-Filialen in Wien: Drei Testkäufer im Alter von 8, 11 und 14 Jahren sollen den seit April erhältlichen ‘Tropical Energy Refresher’ ohne Alterskontrolle erhalten haben. Das Getränk enthält laut foodwatch-Angaben, die McDonald’s bestätigt haben soll, 31 mg Koffein pro 100 ml – rund 93 mg pro Becher und damit mehr als eine 250-ml-Dose Red Bull. Für einen durchschnittlichen Zwölfjährigen decke das fast 80 Prozent der empfohlenen täglichen Koffein-Höchstmenge ab.
In Österreich gibt es bislang keine gesetzliche Altersgrenze für den Verkauf von Energydrinks, sondern nur Empfehlungen und einen Warnhinweis auf der Verpackung. Mehrere EU-Länder wie Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Bulgarien und Ungarn verlangen ein Mindestalter von 18 Jahren, Norwegen von 16 Jahren. Auch England will laut Parlamentsunterlagen ab April 2027 den Verkauf hochkoffeinhaltiger Energydrinks an unter 16-Jährige verbieten.
foodwatch Österreich fordert von der Politik eine vergleichbare gesetzliche Regelung und wirbt für eine Petition. Eine eigene Stellungnahme von McDonald’s Österreich im Wortlaut liegt nicht vor; unklar bleibt zudem, wie umfangreich die Testkauf-Aktion war und wie die Politik in Österreich reagieren wird.
Was passiert ist
Die Verbraucherorganisation foodwatch Österreich hat nach eigenen Angaben einen Testkauf bei McDonald’s-Filialen in Wien durchgeführt. Dabei sollen drei Testkäufer im Alter von 8, 11 und 14 Jahren jeweils den seit April erhältlichen ‘Tropical Energy Refresher’ bestellt haben – ein Getränk, das laut den vorliegenden Berichten mit jugendlichen Slogans wie ‘Main Character Energy’ beworben wird. Nach Darstellung von foodwatch erhielten alle drei Testkäufer das Getränk anstandslos, ohne dass nach dem Alter gefragt oder ein Ausweis verlangt wurde. Über die Aktion berichteten neben der foodwatch-eigenen Aussendung auch Die Presse und die Kleine Zeitung.
Was die Quellen zeigen
Laut foodwatch-Angaben enthält der Energydrink 31 mg Koffein pro 100 ml, was auf einen handelsüblichen Becher umgerechnet rund 93 mg entspricht – nach dieser Rechnung mehr als eine 250-ml-Dose Red Bull. Für einen durchschnittlichen Zwölfjährigen decke ein einziges Getränk demnach fast 80 Prozent der empfohlenen täglichen Koffein-Höchstmenge ab. foodwatch zufolge war der Koffeingehalt bis zur eigenen Anfrage weder am Bestellkiosk noch auf der Produktwebsite von McDonald’s ausgewiesen; erst danach habe das Unternehmen Verbesserungsbedarf eingeräumt. Eine eigene, direkt eingesehene Stellungnahme von McDonald’s Österreich liegt für diesen Artikel nicht vor – die Angaben zur Unternehmensreaktion stammen aus der Darstellung von foodwatch und den berichtenden Medien.
Rechtliche Lage in Österreich und im Vergleich
In Österreich existiert derzeit keine gesetzliche Altersgrenze für den Verkauf von Energydrinks an Kinder und Jugendliche, sondern lediglich Empfehlungen und ein verpflichtender Warnhinweis samt Koffeinangabe auf der Verpackung. Mehrere EU-Länder gehen laut den vorliegenden Quellen weiter: Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Bulgarien und Ungarn schreiben ein Mindestalter von 18 Jahren vor, Norwegen eines von 16 Jahren. Auch in Großbritannien bewegt sich die Rechtslage: Für England ist laut einem Eintrag im britischen Parlament sowie mehreren britischen Medienberichten ab April 2027 ein Verkaufsverbot von Energydrinks mit mehr als 150 mg Koffein pro Liter an unter 16-Jährige vorgesehen, das über eine Verordnung nach dem Lebensmittelsicherheitsgesetz umgesetzt werden soll und noch der parlamentarischen Zustimmung bedarf.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, wie viele Filialen und Testkäufe die Aktion von foodwatch insgesamt umfasste und ob das Ergebnis über die drei berichteten Fälle hinaus repräsentativ für den österreichischen McDonald’s-Betrieb ist. Ebenso wenig liegt eine eigene, im Wortlaut einsehbare Stellungnahme von McDonald’s Österreich vor – bekannt ist nur, was foodwatch und Medien über die Unternehmensreaktion wiedergeben. Unklar ist zudem, ob und wann Österreich dem britischen Beispiel folgen und eine gesetzliche Altersgrenze einführen könnte, sowie welche Resonanz die von foodwatch beworbene Petition bislang gefunden hat.
Einordnung
Der Fall reiht sich in eine seit Jahren geführte Debatte über Koffeinkonsum bei Kindern ein, die foodwatch in Österreich und Deutschland wiederholt mit Testkäufen und Kampagnen befeuert hat. Dass ausgerechnet ein Fast-Food-Konzern mit starker Kinder- und Jugendausrichtung ein koffeinhaltiges Getränk ohne sichtbare Alterskontrolle verkauft haben soll, verleiht der Forderung nach einer gesetzlichen Regelung zusätzliches Gewicht – zumal Nachbarländer und nun auch Großbritannien in diese Richtung vorangehen. Da die zentralen Fakten bislang vor allem über die kritisierende Organisation selbst und daran anschließende Medienberichte vorliegen, bleibt abzuwarten, wie McDonald’s Österreich die Vorwürfe im Detail einordnet und ob die Politik reagiert.

