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Die Wiener FPÖ hat bei einer Pressekonferenz am 19. August 2026 eine „Drei-Säulen-Lösung“ für die Polizei präsentiert: eine „Großstadtzulage“ von bis zu 1.500 Euro monatlich, Kritik an einem laut Partei um rund 390 Personen geschrumpften Personalstand samt 200 weniger aufgenommenen Polizeischülern, sowie Warnungen vor dem ab Herbst geltenden neuen Dienstzeitmodell mit freiwilligen Überstunden, das laut FPÖ Einkommenseinbußen bis zu 30 Prozent bringen könnte. Die SPÖ reagierte umgehend mit spürbarem Sarkasmus: Sicherheitssprecher Marcus Schober erklärte, man fordere dieselben Maßnahmen – darunter 1.500 zusätzliche Polizistinnen und Polizisten für Wien – bereits seit Jahren, verwies aber auf die Zuständigkeit des Bundes für Personal und Dienstrecht der Polizei.

In der Sache liegen FPÖ und SPÖ damit näher beieinander, als der Ton vermuten lässt: Beide wollen mehr Personal für die Wiener Polizei, streiten aber darüber, wer die Forderung zuerst erhoben hat und wer politisch verantwortlich ist. Mehrere der von der FPÖ genannten Zahlen – Personalabbau, Anteil an bundesweiten Strafanzeigen, mögliche Einkommensverluste durchs Dienstzeitmodell – sind bislang unbelegte Parteiangaben ohne amtliche Bestätigung; auch ein in einem Medienbericht genannter Anstieg bei kindlichen und jugendlichen Tatverdächtigen stammt aus einer Einzelquelle. Eine Stellungnahme des Innenministeriums dazu liegt nicht vor.

Die Debatte reiht sich in eine länger laufende Auseinandersetzung um Polizeipersonal in Wien ein: Wie im bisherigen Bericht dargestellt, blieben trotz rund 900 Bewerbungen nicht alle 200 Ausbildungsplätze für den September-Aufnahmetermin besetzt, und ab September entsenden ohnehin sechs Bundesländer 48 Polizistinnen und Polizisten für drei Monate nach Wien. Offen bleibt, ob sich die FPÖ-Zahlen bestätigen, wie das Innenministerium sowie ÖVP und Grüne reagieren, und ob aus dem Schlagabtausch mehr wird als gegenseitige Zuständigkeitsverweise.

Pressekonferenz mit Kampfansage

Neu ist an diesem Mittwoch nicht die Forderung nach mehr Polizei für Wien – neu ist der Auftritt, mit dem die Wiener FPÖ sie diesmal vorträgt. Parteichef Dominik Nepp und der nicht amtsführende Stadtrat Stefan Berger präsentierten bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz eine „Drei-Säulen-Lösung“ und richteten sich damit erkennbar auch gegen die SPÖ als für die Stadt mitverantwortliche Kraft. Kernstück ist eine „Großstadtzulage“ von bis zu 1.500 Euro monatlich für Polizistinnen und Polizisten, die in Wien Dienst tun – begründet mit Botschaftsschutz, Nachtleben, Großveranstaltungen und einer laut FPÖ besonders hohen Einsatzdichte.

Die zweite Säule betrifft den Personalstand: Die FPÖ beziffert den Netto-Rückgang bei der Wiener Polizei 2025 mit rund 390 Beamtinnen und Beamten, etwa durch Pensionierungen, und beklagt, dass zugleich rund 200 Polizeischüler weniger als vorgesehen aufgenommen worden seien. Als dritten Punkt warnt die Partei vor dem neuen, ab Herbst geltenden Dienstzeitmodell, in dem Überstunden künftig auf freiwilliger Basis geleistet werden sollen. Laut Nepp könnten dadurch bei Betroffenen finanzielle Einbußen von bis zu 30 Prozent entstehen – und, sollten freiwillige Überstunden ausbleiben, weniger Polizeipräsenz, wie man sie laut FPÖ bereits jetzt bei zeitweise geschlossenen Polizeiinspektionen sehe.

SPÖ: „Willkommen bei einer Forderung, die wir seit Jahren erheben“

Die SPÖ ließ die FPÖ-Vorstöße nicht lange unwidersprochen. Sicherheitssprecher Marcus Schober reagierte per eigener Presseaussendung mit spürbarem Sarkasmus: Wenn die FPÖ nun mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen bei der Polizei verlange, könne man nur sagen, „willkommen bei einer Forderung, die wir seit Jahren erheben“. Schober bekräftigte die seit Längerem von der SPÖ vertretene Position, Wien brauche 1.500 zusätzliche Polizistinnen und Polizisten – verwies aber zugleich darauf, dass Personal, Ausbildung und Dienstrecht der Polizei in die Zuständigkeit des Bundes fallen, nicht der Stadt.

In der Sache sind sich beide Parteien damit ähnlicher, als der Schlagabtausch vermuten lässt: FPÖ und SPÖ fordern mehr Personal für die Wiener Polizei. Der Streit dreht sich weniger um das Ziel als um die Frage, wer die Forderung zuerst erhoben hat und wer politisch dafür geradestehen soll – ein Muster, das in der Wiener Sicherheitsdebatte nicht neu ist.

Zahlen mit Fragezeichen

Mehrere der von der FPÖ präsentierten Zahlen sind bislang ausschließlich Parteiangaben. Weder der Personalabbau um rund 390 Stellen noch die Behauptung, mehr als 36 Prozent aller österreichweiten Strafanzeigen entfielen auf Wien, noch die prognostizierten Einkommenseinbußen von bis zu 30 Prozent durch das neue Dienstzeitmodell sind in den vorliegenden Berichten durch eine amtliche Statistik oder eine Stellungnahme des Innenministeriums belegt. Auch die in einem Medienbericht genannten Anstiege bei kindlichen und jugendlichen Tatverdächtigen in Wien – plus 12,5 Prozent bei unter Zehnjährigen, plus 6,74 Prozent bei 14- bis 17-Jährigen von 2024 auf 2025 – stammen aus einer Einzelquelle ohne dort ausgewiesene amtliche Grundlage. Das Innenministerium selbst äußerte sich zu den konkreten FPÖ-Vorwürfen bislang nicht.

Vorgeschichte

Die Debatte um Polizeipersonal in Wien ist nicht neu: Wie im bisherigen Bericht dargestellt, blieben bei der Wiener Polizei trotz rund 900 Bewerbungen nicht alle 200 Ausbildungsplätze für den Aufnahmetermin im September 2026 besetzt, und ab September sollen zur Unterstützung gegen Jugendkriminalität ohnehin 48 Polizistinnen und Polizisten aus sechs Bundesländern für drei Monate nach Wien entsandt werden. Diese Entsendung hatten SPÖ und FPÖ bereits zuvor kritisiert – die aktuelle Pressekonferenz und der SPÖ-Konter sind also die jüngste Runde in einer länger laufenden Auseinandersetzung um Polizeipersonal in der Bundeshauptstadt, nicht deren Ausgangspunkt.

Was offen bleibt

Offen ist vor allem, ob das Innenministerium auf die FPÖ-Zahlen reagiert und ob sich Personalabbau, Anzeigen-Anteil und die befürchteten Einkommenseinbußen durchs Dienstzeitmodell mit offiziellen Statistiken decken. Ebenso unklar ist, wie ÖVP und Grüne die neu aufgeflammte Debatte bewerten und ob aus dem gegenseitigen Verweis auf Zuständigkeiten – Stadt gegen Bund – eine konkrete politische Initiative wird oder ob es beim symbolischen Schlagabtausch bleibt.