Der deutsche „Spiegel“ hat laut übereinstimmender Berichterstattung mehrerer österreichischer Medien die NSDAP-Mitgliederkartei ausgewertet und dabei eine deutlich höhere Dichte ehemaliger Nationalsozialisten in der frühen FPÖ-Führung festgestellt, als bisher bekannt war. Demnach sollen alle vier Mitglieder des ursprünglichen Proponentenkomitees sowie das nach dem Parteitag 1956 die Führung übernehmende Quartett NSDAP-Mitglieder gewesen sein. Genannt werden unter anderem Franz Rainer, Vorsitzender des Gründungskomitees, der laut Kartei kurz nach dem „Anschluss“ 1938 der NSDAP beitrat, Alexander Götz senior, später FPÖ-Landesobmann in der Steiermark und bereits 1933 NSDAP-Mitglied, sowie Wilma Jobst, spätere FPÖ-Frauenchefin, die im FPÖ-Historikerbericht von 2019 nicht erwähnt werde.
Die Berichte bestätigen laut den Medien Kritik an diesem Historikerbericht, wonach manche Personen darin als „unparteiisch“ eingestuft oder ganz ausgelassen worden seien. Offen bleiben die genaue Methodik der Kartei-Auswertung, der Wortlaut des Originalberichts sowie eine Reaktion der FPÖ, die bislang nicht gefunden wurde. Da weder der „Spiegel“-Artikel noch die Kartei selbst für diesen Text eingesehen wurden, stützt sich die Darstellung auf die übereinstimmende Sekundärberichterstattung mehrerer unabhängiger österreichischer Redaktionen.
Was passiert ist
Der deutsche „Spiegel“ hat laut übereinstimmender Berichterstattung mehrerer österreichischer Medien die NSDAP-Mitgliederkartei ausgewertet und ist dabei auf eine deutlich höhere Dichte ehemaliger Nationalsozialisten in der frühen Führung der FPÖ gestoßen, als bisher öffentlich bekannt war. ORF, Der Standard, Kleine Zeitung, die Salzburger Nachrichten und VOL.AT berichteten am 17. und 18. Juli 2026 mit denselben Kernaussagen darüber. Demnach sollen alle vier Mitglieder des sogenannten Proponentenkomitees, das die FPÖ nach ihrer Gründung 1955/56 zunächst provisorisch führte, in der Kartei aufscheinen. Auch das Führungsquartett, das nach dem ersten Parteitag im April 1956 die Kontrolle übernahm, sei demnach vollständig NSDAP-vorbelastet gewesen. Eine Führungsänderung 1958 habe laut den Berichten lediglich ein weiteres früheres NSDAP-Mitglied in die Parteispitze gebracht.
Was die Quellen zeigen
Namentlich genannt werden in den Berichten unter anderem Franz Rainer, Vorsitzender des FPÖ-Gründungskomitees, der laut Kartei kurz nach dem „Anschluss“ 1938 der NSDAP beigetreten sein soll. Alexander Götz senior, der später als FPÖ-Landesobmann in der Steiermark fungierte, soll bereits 1933 – also vor dem „Anschluss“ und noch während des Parteiverbots in Österreich – NSDAP-Mitglied geworden sein. Wilma Jobst, spätere Bundesfrauenreferentin der FPÖ, soll laut Kartei seit 1938 NSDAP-Mitglied gewesen sein, wird im FPÖ-Historikerbericht von 2019 laut den vorliegenden Berichten aber nicht erwähnt. Die Übereinstimmung der Kernfakten über mehrere unabhängige Redaktionen hinweg spricht dafür, dass die Rechercheergebnisse des „Spiegel“ korrekt wiedergegeben wurden – geprüft werden konnte das im Rahmen dieses Artikels aber nur anhand der Sekundärberichterstattung, nicht anhand des Originalartikels oder der Kartei selbst.
Was unklar bleibt
Nicht abschließend verifizierbar ist auf Basis der vorliegenden Quellen, nach welcher Methodik der „Spiegel“ die NSDAP-Kartei ausgewertet hat und wie vollständig beziehungsweise gesichert die zugrunde liegenden historischen Dokumente sind. Ebenso liegt keine Stellungnahme der FPÖ zu den neuen Rechercheergebnissen vor – weder eine Bestätigung noch ein Widerspruch der Partei wurde in den gesichteten Quellen gefunden. Auch der genaue Wortlaut des FPÖ-Historikerberichts von 2019, gegen den die neuen Erkenntnisse gehalten werden, wurde für diesen Artikel nicht im Original eingesehen. Unklar bleibt zudem, ob und wie unabhängige Zeithistoriker die Belastbarkeit und Reichweite der Kartei-Auswertung einordnen.
Einordnung
Die Recherche reiht sich in eine seit Jahren geführte Debatte um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der FPÖ ein, die mit dem 2019 präsentierten Historikerbericht der Partei einen ersten offiziellen, aber laut den vorliegenden Berichten von Fachleuten wiederholt kritisierten Bezugspunkt hat. Sollten sich die nun berichteten Details bestätigen, würde das die Kritik verstärken, wonach der Bericht die personelle Kontinuität zwischen NSDAP und früher FPÖ-Führung unvollständig abgebildet habe. Für eine abschließende Bewertung fehlen jedoch sowohl die Primärquelle der Recherche als auch eine Reaktion der FPÖ selbst, weshalb dieser Text die Ergebnisse als von mehreren Medien übereinstimmend berichtet, nicht aber als unabhängig geprüft darstellt.

