In Deutschland lassen immer mehr Restaurants und Hotels negative Bewertungen von ihrem Google-Maps-Profil entfernen. Meist beruft man sich dabei auf eine Beschwerde wegen Diffamierung oder Persönlichkeitsrechtsverletzung, woraufhin Google die Rezension löscht – auf einem Teil der Profile erscheint inzwischen ein entsprechender Hinweis.
Eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur bei mehr als 3.700 Gastronomiebetrieben zeigt, dass je nach Stadt zwischen elf und dreißig Prozent der Betriebe Bewertungen löschen ließen, besonders häufig in Großstädten wie Frankfurt, Berlin und Köln. Die Transparenzdatenbank der EU zum Digital Services Act weist für das erste Halbjahr 2026 europaweit mehr als 756.500 wegen „illegalem Inhalts“ gelöschte Google-Maps-Beiträge aus – je nach Auswertung entfielen 99,9 bis 99,97 Prozent davon auf Deutschland.
Der Dehoga-Bundesverband verteidigt Löschungen bei Beleidigungen oder Fake-Bewertungen, fordert aber, dass sachliche Kritik stehen bleiben solle. Offen bleibt, wie viele Löschungen tatsächlich unzulässige Inhalte betrafen, wie sich die Praxis in Österreich darstellt und wie Google selbst dazu Stellung nimmt.
Was passiert ist
In deutschen Städten lassen immer mehr Restaurants und Hotels negative Bewertungen von ihrem Google-Maps-Profil entfernen. Auslöser ist Berichten zufolge meist eine Beschwerde wegen einer angeblichen Diffamierung oder Persönlichkeitsrechtsverletzung, woraufhin Google die betroffene Rezension aus dem Profil nimmt. Auf einem Teil der Profile erscheint mittlerweile ein Hinweis, dass Bewertungen aufgrund solcher Beschwerden entfernt wurden – für Nutzerinnen und Nutzer wird die Löschpraxis damit zumindest teilweise sichtbar.
Was die Zahlen zeigen
Eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur bei mehr als 3.700 Gastronomiebetrieben in mehreren deutschen Städten ergab, dass je nach Ort zwischen elf und dreißig Prozent der Betriebe Online-Bewertungen löschen ließen. Besonders hoch lag der Anteil in Großstädten wie Frankfurt, Berlin und Köln. Einen europäischen Rahmen liefert die Transparenzdatenbank der EU zum Digital Services Act: Ihr zufolge wurden im ersten Halbjahr 2026 europaweit mehr als 756.500 Beiträge auf Google Maps wegen „illegalem Inhalts“ entfernt. Nach Angaben von heise online entfielen davon rund 99,9 Prozent auf Deutschland, eine unabhängige Auswertung derselben Datenbank durch die Plattform Settle in Berlin kam auf einen mit 99,97 Prozent nahezu deckungsgleichen Wert. In der Größenordnung stimmen die Auswertungen also überein: Kaum ein anderes EU-Land löscht auch nur annähernd so viele Google-Maps-Beiträge wie Deutschland.
Reaktion des Gastgewerbes
Der Dehoga-Bundesverband verteidigt die Praxis in Teilen. Geschäftsführer Jürgen Benad sagte laut Bericht, Online-Bewertungen seien für viele Betriebe ein wichtiger, oft entscheidender Bestandteil ihrer Außendarstellung. Sachliche Kritik solle stehen bleiben, auch wenn sie für einen Betrieb unangenehm sei. Nachvollziehbar sei eine Löschung dagegen bei Beleidigungen, Fake-Bewertungen oder unwahren Tatsachenbehauptungen. Mehrere Betriebe erklärten zudem, sie meldeten ausschließlich Bewertungen, die sie für gefälscht, beleidigend oder erfunden hielten; vereinzelt sei sogar versucht worden, mit angedrohten Schlechtbewertungen Druck auf sie auszuüben.
Was unklar bleibt
Wie viele der gelöschten Bewertungen tatsächlich unzulässige Inhalte waren und wie viele legitime, aber unbequeme Kritik betrafen, lässt sich aus den vorliegenden Zahlen nicht ablesen – weder die dpa-Stichprobe noch die EU-Datenbank differenzieren danach. Eine offizielle Stellungnahme von Google zu Ausmaß und Prüfpraxis der Löschungen in Deutschland liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor. Für Österreich fehlen vergleichbare Daten oder Verbandsaussagen bislang vollständig; ob sich das deutsche Muster hierzulande in ähnlichem Ausmaß zeigt, ist offen.
Einordnung
Die Zahlen fallen in eine Zeit, in der die EU mit dem Digital Services Act gezielt mehr Transparenz über Löschentscheidungen von Plattformen wie Google Maps herstellen will – genau diese Datenbank hat das Ausmaß der Löschungen in Deutschland überhaupt erst sichtbar gemacht. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet die Praxis, dass eine auffällig makellose Sternebewertung nicht zwangsläufig das vollständige Bild eines Lokals oder Hotels wiedergibt. Ob die Löschungen überwiegend berechtigte Fälle von Diffamierung oder Fake-Bewertungen betreffen oder auch legitime, aber unbequeme Kritik treffen, bleibt anhand der vorliegenden Quellen offen.


