Google hat eine Umstrukturierung an der Spitze seiner KI-Abteilung DeepMind bekanntgegeben: Mitgründer Demis Hassabis gibt die operative Leitung ab und wird Chair von DeepMind sowie Chief Scientist bei Alphabet, bleibt aber Chef von Isomorphic Labs. Die Tagesgeschäfte übernimmt Koray Kavukcuoglu als neuer Senior Vice President mit direkter Berichtslinie an Sundar Pichai. Google verkündete die Änderungen selbst über einen Blog-Beitrag. Ein Bericht von Semafor legt inzwischen nahe, dass Hassabis sich schon seit rund einem Jahr schrittweise zurückgezogen hatte, da er sich eher als Wissenschaftler denn als Manager sehe – eine Innensicht, die Google selbst nicht bestätigt hat.
Zeitgleich verlassen mehrere langjährige, intern hoch angesehene Forscher das Unternehmen: Jeff Dean scheidet nach 27 Jahren aus, gemeinsam mit Sanjay Ghemawat, Oriol Vinyals und Quoc Le. Die vier gründen das Start-up Discovery Loop, bei dem Dean als CEO fungieren soll. Discovery Loop ist als Public Benefit Corporation organisiert und will KI-Systeme entwickeln, die wissenschaftliche und technische Forschung automatisieren. Die Seed-Finanzierung führen laut der beteiligten Investmentfirma Radical Ventures und Khosla Ventures an, auch Alphabet investiert und bleibt Cloud-Partner.
Berichte von Semafor und CNBC liefern erste Erklärungsansätze für den Talentabfluss: DeepMind-Forschende klagen demnach über eingeschränkten Zugang zu Googles eigenen TPU-Chips, während Google Cloud dieselbe Hardware an externe Kunden wie Anthropic verkauft – und, wie fast im selben Atemzug bekannt wurde, in einem über 100 Millionen Dollar schweren Deal auch an das Start-up Mirendil. Auch Googles Bürokratie soll jüngere Firmen für KI-Talente attraktiver machen. Diese Hintergrundgründe stammen bislang ausschließlich aus Medienrecherchen mit nicht namentlich genannten Quellen und wurden von Google nicht bestätigt. Unbestätigt bleiben zudem ältere Berichte, wonach Probleme bei der Gemini-Modellentwicklung oder interne Kritik an Googles Nähe zur Trump-Regierung eine Rolle gespielt haben könnten. Offen ist außerdem, wie sich die neuen Zuständigkeiten bei Alphabet im Detail aufteilen und ob weitere Wechsel folgen.
Was passiert ist
Google hat eine Umstrukturierung an der Spitze seiner KI-Forschungsabteilung DeepMind bekanntgegeben. Demis Hassabis, Mitgründer und bisheriger CEO von DeepMind, gibt die operative Leitung ab. Er wird Chair von Google DeepMind und übernimmt zusätzlich den neu geschaffenen Titel Chief Scientist bei Alphabet. Parallel dazu bleibt er Chef von Isomorphic Labs, dem auf KI-gestützte Medikamentenentwicklung spezialisierten Alphabet-Unternehmen. Die Tagesgeschäfte von DeepMind übernimmt Koray Kavukcuoglu, bislang Chief Technology Officer des Labors, als neuer Senior Vice President mit direkter Berichtslinie an Google- und Alphabet-Chef Sundar Pichai. Die Ankündigung ging von Google selbst über einen Blog-Beitrag im Namen Pichais aus, in dem laut vorliegenden Quellen auch ein Zitat von Hassabis enthalten ist, wonach er nun die Zeit und den Freiraum haben wolle, sich auf das große Ganze zu konzentrieren.
Ein Bericht der Nachrichtenplattform Semafor zeichnet den Rückzug inzwischen als längeren Prozess: Hassabis habe sich bereits seit rund einem Jahr schrittweise aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und Aufgaben an Kavukcuoglu abgegeben. Laut diesem Bericht wurde er dazu nicht gedrängt, habe aber in der管理-Rolle wenig Erfüllung gefunden und verstehe sich selbst eher als visionären Wissenschaftler denn als Manager. Eine eigenständige Bestätigung dieser Innensicht durch Google oder Hassabis persönlich liegt bislang nicht vor.
Die Abgänge: Jeff Dean und Kollegen
Zeitgleich mit dem Rollenwechsel bei Hassabis wurde bekannt, dass mehrere langjährige und intern hoch angesehene Google-Forscher das Unternehmen verlassen. Jeff Dean, einer der ersten Google-Mitarbeiter überhaupt und maßgeblich an der technischen Infrastruktur des Konzerns sowie zuletzt an der Entwicklung der Gemini-Modelle beteiligt, scheidet nach 27 Jahren aus. Mit ihm gehen der langjährige Infrastruktur-Ingenieur Sanjay Ghemawat sowie die KI-Forscher Oriol Vinyals und Quoc Le, die ebenfalls zentrale Beiträge zu Googles KI-Systemen geleistet haben. Die vier gründen gemeinsam das neue Unternehmen Discovery Loop, bei dem Dean laut Berichten die Rolle des CEO übernehmen soll.
Was Discovery Loop vorhat
Discovery Loop ist als Public Benefit Corporation angelegt, also als gewinnorientiertes Unternehmen mit satzungsmäßig verankertem Gemeinwohl-Zweck – eine Struktur, die auch OpenAI und Anthropic in ähnlicher Form nutzen. Ziel des Start-ups ist es, KI-Systeme zu entwickeln, die wissenschaftliche und technische Forschung automatisieren: Statt einzelner, nacheinander durchgeführter Experimente sollen KI-Systeme selbst Experimente vorschlagen, durchführen und aus den Ergebnissen lernen, in großer Zahl parallel. Als erstes Anwendungsfeld nennt das Unternehmen die Automatisierung von Machine-Learning-Forschung, mit möglichen späteren Erweiterungen etwa in Hardware-Entwicklung oder Medikamentenforschung. Die Seed-Finanzierungsrunde wird laut der Investmentfirma Radical Ventures gemeinsam mit Khosla Ventures angeführt; auch Alphabet selbst beteiligt sich als Investor und bleibt zudem Cloud-Partner des Start-ups. Eine konkrete Bewertung wurde nicht genannt, die Runde ist nach vorliegenden Angaben noch nicht abgeschlossen.
Neue Hintergründe: Chip-Zugang, Interessenkonflikt und ein weiterer Deal
Zusätzliche Berichte von Semafor und CNBC, zusammengefasst unter anderem vom Fachmedium The Decoder, liefern erste konkretere Erklärungsansätze für den Talentabfluss bei DeepMind. Demnach klagen mehrere Forschende intern über einen aus ihrer Sicht eingeschränkten Zugang zu Googles eigenen TPU-Chips – jener spezialisierten Rechenhardware, die für das Training großer KI-Modelle zentral ist. Zugleich verkauft Google Cloud laut denselben Berichten dieselbe TPU-Hardware an externe Kunden, darunter den Konkurrenten Anthropic, also an Unternehmen, die Googles eigene Forschende eigentlich übertreffen sollen. Laut einer nicht näher benannten Quelle plant Google die Verteilung seiner Rechenkapazität zwischen interner Forschung, Produktbetrieb und Cloud-Kunden zwar Jahre im Voraus, kurzfristig könnten sich diese Prioritäten aber verschieben. Als weiterer Faktor wird Googles interne Bürokratie genannt, die jüngere, schlankere Firmen für KI-Talente attraktiver mache.
In einem von The Decoder als auffällig bezeichneten zeitlichen Zusammentreffen kündigte Google – laut einem eigenen Google-Cloud-Blogpost – nahezu gleichzeitig eine mehrjährige Partnerschaft mit dem KI-Start-up Mirendil an, das nach eigenen Angaben von früheren Anthropic-Mitarbeitern gegründet wurde. Der Deal hat laut Mirendil-Mitgründer einen Umfang von über 100 Millionen Dollar und gibt dem Start-up Zugang zu Googles TPUs sowie zu Nvidia-Grafikchips über Google Cloud – also zu genau jener Rechenkapazität, über deren eingeschränkte interne Verfügbarkeit sich DeepMind-Forschende laut den Berichten beschweren. Google selbst hat sich zu diesem Zusammenhang bislang nicht direkt geäußert; die genannten Zugangsprobleme und deren Ursachen stammen ausschließlich aus Medienrecherchen mit nicht namentlich genannten Quellen.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, wie genau sich die Zuständigkeiten zwischen Hassabis als neuem Alphabet-Chefwissenschaftler und Kavukcuoglu als operativem DeepMind-Chef künftig abgrenzen. Ebenso unklar ist, welche konkreten Beträge und Bedingungen die laufende Seed-Finanzierung von Discovery Loop umfasst und wann sie abgeschlossen wird. Nicht unabhängig bestätigt ist außerdem, in welchem Ausmaß interne Konflikte über die Gemini-Entwicklung, TPU-Zugangsprobleme, Googles Bürokratie oder politische Differenzen tatsächlich zu den Abgängen beigetragen haben – dazu liegt bislang keine direkte Stellungnahme von Google oder den Beteiligten selbst vor, sondern nur Medienrecherchen mit nicht namentlich genannten Quellen. Auch ob weitere Wechsel in der Google-DeepMind-Führung folgen, lässt sich derzeit nicht sagen.

