Google bringt am 1. Oktober 2026 einen ersten Testsatelliten für „Project Suncatcher“ ins All, um zu prüfen, ob sich Rechenzentren für Künstliche Intelligenz künftig in die Erdumlaufbahn verlagern lassen. An Bord sind vier TPU-Chips, gebaut wurde der Satellit mit dem Unternehmen Planet, der Start erfolgt mit einer SpaceX-Rakete. Laborversuche mit einem Protonenstrahl legen nahe, dass die Chips einer für eine fünfjährige Mission zu erwartenden Strahlenbelastung standhalten.
Die größte technische Hürde bleibt die Kühlung: Im Vakuum fehlt Luft, um die Abwärme der Chips abzuführen, weshalb sie laut Google nur in rund 15-minütigen Intervallen arbeiten können, bevor sie zur Abkühlung abgeschaltet werden müssen. Als Vorteil nennt Google die nahezu durchgehende Verfügbarkeit von Solarstrom im Orbit. Für 2027 sind zwei weitere Satelliten geplant, die Laserverbindungen zwischen Satelliten testen sollen – ein Baustein für künftige Cluster mit jeweils dutzenden TPUs.
Details wie der interne Satellitenname oder die genaue Leistung von rund einem Kilowatt stammen nur aus einem einzelnen Zeitungsbericht und sind von Google nicht offiziell bestätigt. Offen bleibt auch, ob und wann daraus tatsächlich nutzbare Weltraum-Rechenzentren entstehen könnten – bislang liegt die Testleistung um Größenordnungen unter dem Bedarf realer KI-Anlagen.
Was passiert ist
Google bringt am 1. Oktober 2026 einen ersten Testsatelliten für „Project Suncatcher“ ins All – ein Forschungsvorhaben, das klären soll, ob sich energiehungrige Rechenzentren für Künstliche Intelligenz künftig in die Erdumlaufbahn verlagern lassen. An Bord befinden sich vier Tensor Processing Units (TPUs), also die von Google selbst entwickelten KI-Beschleuniger-Chips. Gebaut wurde der Satellit gemeinsam mit dem Satellitenunternehmen Planet, gestartet werden soll er mit einer SpaceX-Rakete im Rahmen einer Sammelmission mit mehreren Nutzlasten. Die Chips sollen im Orbit testweise KI-Workloads ausführen, während auf der Erde ausgewertet wird, wie sich Weltraumbedingungen auf ihre Funktion auswirken.
Was die Tests zeigen sollen
Im Zentrum stehen zwei technische Kernfragen: Strahlung und Kühlung. Um die Wirkung intensiver Weltraumstrahlung zu simulieren, wurden die Chips im Labor mit einem Protonenstrahl beschossen. Nach diesen Versuchen geht Google davon aus, dass die Technik die geplante fünfjährige Einsatzzeit im All übersteht – die Chips hielten dabei einer Dosis stand, die über der für eine solche Mission erwarteten Strahlenbelastung liegt. Ungelöst ist dagegen die Kühlungsfrage vollständig erst im echten Betrieb zu klären: KI-Beschleuniger erzeugen viel Abwärme, im Vakuum des Alls fehlt aber die Luft, um sie abzuführen. Google setzt deshalb auf eine Kombination aus Wärmerohren und Kühlkörpern, getestet in einer Vakuumkammer auf der Erde – im Realbetrieb sollen die Chips deshalb nur in Intervallen von rund 15 Minuten arbeiten, bevor sie zur Abkühlung abgeschaltet werden müssen. Als Vorteil einer Verlagerung ins All nennt Google die nahezu durchgehende Verfügbarkeit von Sonnenlicht, die im Orbit ein Vielfaches der auf der Erde nutzbaren Solarenergie liefern könnte.
Größere Pläne dahinter
Der aktuelle Test ist als erster Schritt eines deutlich größeren Vorhabens gedacht. Für 2027 kündigt Google zwei weitere Testsatelliten an, mit denen Hochbandbreiten-Laserverbindungen zwischen einzelnen Satelliten erprobt werden sollen – eine Voraussetzung dafür, dass künftige Satelliten-Cluster mit jeweils dutzenden TPUs an Bord überhaupt als verteiltes Rechenzentrum zusammenarbeiten könnten. Google ist dabei nicht allein: Auch Amazon verfolgt Pläne für Weltraum-Rechenzentren, am weitesten geht öffentlich Elon Musk mit seiner Firma SpaceX voran, der wiederholt eigene orbitale Rechenzentren ankündigt und dabei vor allem auf die Solarstrom-Versorgung verweist. Der Zeitpunkt der Ankündigung fällt zudem in eine Phase, in der der Ausbau von KI-Rechenzentren auf der Erde – vor allem in den USA – auf wachsenden Widerstand stößt; die Möglichkeit, Rechenzentren ins All auszulagern, wird von Befürwortern auch als mögliche Antwort darauf dargestellt. Wie „Neue Nachrichten“ bereits berichtete, sorgt etwa der Bau eines Google-Rechenzentrums im oberösterreichischen Kronstorf für Protest gegen eine geplante Erweiterung ohne Umweltverträglichkeitsprüfung – ein Beispiel für die Spannungen, die terrestrische KI-Infrastruktur auslösen kann. Gleichzeitig hängt der TPU-Nachschub für Projekte wie Suncatcher an einer Ressource, um die auch innerhalb von Google konkurriert wird: Wie berichtet, hatten Google-DeepMind-Forschende zuletzt über eingeschränkten Zugang zu genau jenen TPU-Chips geklagt, die der Konzern zugleich an zahlende Cloud-Kunden verkauft.
Was unklar bleibt
Mehrere Detailangaben stammen bislang nur aus einzelnen Quellen und sind von Google selbst nicht offiziell bestätigt worden – etwa der interne Name des Satelliten und die Angabe, dass er rund ein Kilowatt Leistung liefert; diese Zahlen gehen auf einen Bericht der New York Times zurück. Offen ist auch, wie belastbar das neu entwickelte Kühlsystem sich im tatsächlichen Dauerbetrieb über mehrere Jahre erweist – bisherige Tests fanden nur im Labor beziehungsweise in einer simulierten Vakuumkammer statt. Unklar bleibt zudem der wirtschaftliche Rahmen: Mit rund einem Kilowatt Testleistung für vier Chips liegt das Projekt noch um Größenordnungen von den Energiemengen entfernt, die reale KI-Rechenzentren heute verbrauchen, und ein Zeitplan für einen möglichen kommerziellen Einsatz wurde nicht genannt. Auch zu Fragen wie Weltraummüll, Regulierung des Orbits oder den Kosten eines solchen Ausbaus liegen aus den vorliegenden Quellen keine Angaben vor.


