Die Wiener Wirtschaftskammer weitet die sogenannten Grätzl-Ladezonen von der Josefstadt, wo es inzwischen 15 davon gibt, auf die Bezirke Neubau und Mariahilf aus. Anders als klassische Ladezonen, die nur Lieferunternehmen auf Antrag zustehen, dürfen Grätzl-Ladezonen auch von Privatpersonen genutzt werden und werden gezielt dort errichtet, wo laut einem von Wirtschaftskammer und TU Wien entwickelten Ladezonen-Rechner der Bedarf am größten ist. Laut Wirtschaftskammer sind weitere Standorte in Leopoldstadt, Wieden und Meidling bereits in Planung, langfristig soll das Angebot auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden.
Privatpersonen dürfen dort für maximal zehn Minuten beziehungsweise für die Dauer des Ladevorgangs mit kostenlosem Kurzparkschein halten, werktags von 7 bis 19 Uhr und samstags von 7 bis 13 Uhr. Auch die Zustellbranche profitiert, da Lieferanten nun seltener ohne legale Haltemöglichkeit dastehen.
Offen bleiben ein Gesamtzeitplan und die Finanzierung der stadtweiten Ausweitung sowie belastbare Nutzungszahlen aus der Josefstadt. Zu Wort kommen in den vorliegenden Quellen bislang ausschließlich Befürworter des Konzepts.
Was passiert ist
Die Wiener Wirtschaftskammer baut das Netz der sogenannten Grätzl-Ladezonen weiter aus. Nach der Josefstadt, wo vor gut einem Jahr die ersten dieser Zonen entstanden und es laut übereinstimmenden Berichten inzwischen 15 davon gibt, erhalten nun auch die Bezirke Neubau und Mariahilf erste Standorte. Der Neubauer Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne) bezeichnete die neuen Zonen als sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Haltemöglichkeiten und als Beitrag zu einer zeitgemäßen Nutzung des öffentlichen Raums. Laut Wirtschaftskammer sind weitere Standorte in der Leopoldstadt, in Wieden und in Meidling bereits in Planung, langfristig soll sich das Angebot über das gesamte Stadtgebiet erstrecken.
Wie das Konzept funktioniert
Klassische Ladezonen stehen nur Lieferunternehmen zur Verfügung und werden von einzelnen Betrieben beantragt. Grätzl-Ladezonen unterscheiden sich davon in zwei Punkten: Sie dürfen auch von Privatpersonen genutzt werden, und sie werden nicht auf Antrag, sondern gezielt dort errichtet, wo aus Sicht der Stadtplanung der Bedarf am größten ist. Zur Standortbestimmung dient ein Ladezonen-Rechner, den die Wirtschaftskammer Wien gemeinsam mit der TU Wien entwickelt hat. Die Software berechnet anhand der jeweiligen Umgebung, wo und in welcher Länge eine Ladezone sinnvoll ist. Der Obmann der Wiener Kleintransporteure, Gurdial Singh Bajwa, sieht darin auch einen Vorteil für Zustellbetriebe: Bisher hätten Lieferanten in Gegenden mit wenigen Betrieben oft keine legale Haltemöglichkeit gefunden und weite Wege zu Fuß zurücklegen müssen.
Nutzungsregeln
Für Privatpersonen gelten klare Grenzen: Halten ist zu Lieferzwecken oder für kurze Besorgungen für maximal zehn Minuten beziehungsweise für die Dauer des Ladevorgangs erlaubt, ein kostenloser Kurzparkschein ist dafür ausreichend. Die Sonderregelung gilt zeitlich beschränkt, von Montag bis Freitag zwischen 7 und 19 Uhr sowie am Samstag von 7 bis 13 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten greift die normale Kurzparkzonenregelung des jeweiligen Bezirks.
Was unklar bleibt
Zu den genauen Adressen der neuen Zonen in Neubau und Mariahilf liegt bislang nur eine einzelne Quellenangabe vor, eine zweite unabhängige Bestätigung fehlt. Offen bleibt außerdem, nach welchem Zeitplan und mit welchem Budget die angekündigte stadtweite Ausweitung erfolgen soll. Auch zur bisherigen Auslastung der Zonen in der Josefstadt – etwa wie oft sie tatsächlich von Privatpersonen statt von Zustellern genutzt werden – wurden keine Zahlen veröffentlicht.
Einordnung
Die vorliegenden Wortmeldungen stammen ausschließlich von Befürwortern des Konzepts – Bezirkspolitik, Wirtschaftskammer und Zustellerbranche. Eine kritische Position etwa zu möglichem Parkraumverlust für Anrainerinnen und Anrainer oder zur Flächenverteilung im öffentlichen Raum ist in den bisherigen Berichten nicht dokumentiert.


