Die 16. Gwangju Biennale in Südkorea, eine der bedeutendsten Kunstausstellungen Asiens, ist eröffnet worden – überschattet von einem Streit um den taiwanesischen Länderpavillon. Laut mehreren internationalen Kunstmedien hatte die Gwangju Biennale Foundation den Beitrag zunächst nach dem mitwirkenden National Taiwan Museum of Fine Arts benannt, nach Protesten Taiwans dann aber in „Taiwan Pavilion“ umbenannt. China reagierte darauf laut Berichten mit dem Rückzug eigener Künstlerinnen, Kuratoren und des Aufbauteams aus dem chinesischen Pavillon. Offizielle Stellungnahmen der beteiligten Regierungen liegen nicht direkt vor.
Davon losgelöst zeigt Österreich zum zweiten Mal nach 2024 einen eigenen Länderbeitrag: Die Wahlwienerin Birke Gorm verwandelte für ihre Installation „the evening and the morning and the night“ das Obergeschoss des Eunam Museum of Art in einen Dachboden. Sie setzte sich zuvor in einem zweistufigen, von Phileas organisierten Verfahren gegen 35 Einreichungen durch. Die Rauminstallation besteht aus in Wien und Gwangju gesammelten, wiederverwerteten Materialien und wird von einer Klanglandschaft des Musikers Christian Ingemann begleitet.
Nach Gwangju reist Gorm weiter zur Lyon Biennale, wo sie ab 19. September 2026 eine Installation zur Geschichte der lokalen Textilproduktion zeigt. Wie dauerhaft Chinas Rückzug aus dem eigenen Pavillon ausfällt und wie die Gwangju Biennale Foundation die ursprüngliche Namensgebung begründete, ist über die vorliegenden Medienberichte hinaus nicht geklärt.
Was passiert ist
Die 16. Ausgabe der Gwangju Biennale in Südkorea – eine der ältesten und bedeutendsten Kunstausstellungen Asiens – ist eröffnet worden, begleitet von einem diplomatischen Streit um den taiwanesischen Länderpavillon. Parallel dazu zeigt Österreich zum zweiten Mal nach 2024 einen eigenen Beitrag: Die in Wien lebende Künstlerin Birke Gorm hat für ihre Installation „the evening and the morning and the night“ das Obergeschoss des Eunam Museum of Art in einen Dachboden verwandelt. Die von Kuratorin Attilia Fattori Franchini begleitete Arbeit ist Teil des seit 2018 dezentral organisierten Pavillon-Programms der Biennale, deren Hauptausstellung heuer der Kurator und Filmemacher Ho Tzu Nyen unter dem Titel „You Must Change Your Life“ gestaltet.
Der Streit um den taiwanesischen Pavillon
Laut übereinstimmenden Berichten mehrerer internationaler Kunstmedien hatte die Gwangju Biennale Foundation den taiwanesischen Beitrag zunächst nicht als „Taiwan Pavilion“ bezeichnet, sondern nach dem mitwirkenden National Taiwan Museum of Fine Arts benannt. Taiwans Kulturministerium protestierte dagegen, Ende August benannte die Foundation den Pavillon schließlich in „Taiwan Pavilion“ um. Als Reaktion darauf soll Chinas Botschafter in Seoul, Dai Bing, Gwangjus Bürgermeister mitgeteilt haben, der chinesische Pavillon werde ausgesetzt; chinesische Künstlerinnen und Künstler, Kuratorinnen und das Aufbauteam sollten sich zurückziehen. Eine eigene Stellungnahme der chinesischen Botschaft oder der Gwangju Biennale Foundation dazu liegt nicht vor – die Darstellung stützt sich auf mehrere voneinander unabhängige internationale Medien, nicht auf eine direkt eingesehene amtliche Quelle.
Österreichs Beitrag: ein Dachboden aus Erinnerungen
Gorm setzte sich mit ihrem Konzept in einem von Phileas – The Austrian Office for Contemporary Art durchgeführten zweistufigen Verfahren gegen insgesamt 35 Einreichungen durch. Im Zentrum der Rauminstallation stehen figurative Skulpturen aus mehreren ihrer Werkserien, die vorrangig aus weggeworfenen und wiederverwerteten Materialien bestehen, die in Wien und Gwangju gesammelt wurden. Eine sich wandelnde Lichtchoreografie sowie eine Klanglandschaft aus synthetischen und alltäglichen Klängen des Musikers Christian Ingemann sollen Raum und Zeit in einen traumhaften Schwebezustand versetzen. Nach den Eröffnungstagen in Gwangju reist Gorm weiter nach Frankreich: Bei der am 19. September startenden Lyon Biennale beschäftigt sie sich in einer neuen Installation mit der Geschichte der dortigen Textilproduktion.
Einordnung
Der Konflikt um nationale Beiträge ist bei internationalen Kunstbiennalen kein Einzelfall: Bereits bei der diesjährigen Biennale in Venedig hatte die Teilnahme Russlands laut Berichterstattung für wochenlangen Wirbel und Konsequenzen seitens der EU gesorgt. Der Streit um Taiwans Pavillon-Namen zeigt erneut, wie stark geopolitische Spannungen auch in vermeintlich unpolitische Kunstformate hineinwirken können. Österreichs Beitrag steht davon losgelöst und wird in der vorliegenden Berichterstattung nicht mit dem Taiwan-China-Streit in Verbindung gebracht.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, wie die Gwangju Biennale Foundation die ursprüngliche Benennung des taiwanesischen Pavillons intern begründete und ob China die Aussetzung der eigenen Teilnahme bis zum Ende der Ausstellung aufrechterhält. Eine direkte, eigenständig eingesehene Stellungnahme der chinesischen Botschaft in Seoul, des taiwanesischen Kulturministeriums oder der südkoreanischen Behörden liegt nicht vor; die Darstellung des Konflikts stützt sich ausschließlich auf internationale Medienberichte.

