Nach einem Sommer mit Tropennächten und Temperaturen über 35 Grad ist die Hitzewelle 2026 laut einem Bericht von DER STANDARD vorbei – für viele Menschen eine Erleichterung. Besonders belastet waren jedoch Menschen mit psychischen Erkrankungen: Der österreichische Nationale Hitzeschutzplan sowie die deutsche Bundespsychotherapeutenkammer nennen sie ausdrücklich als vulnerable Gruppe, weil Hitze Schlafmangel, verändertes Durstempfinden und sozialen Rückzug begünstigt und dadurch bestehende Symptome verschärfen kann.
Ein zusätzliches Risiko sind laut einer Übersicht der deutschen Apothekerverbände bestimmte Psychopharmaka: Antidepressiva und Antipsychotika können die Wärmeregulation des Körpers stören, bei Lithium erhöht Dehydrierung das Überdosierungsrisiko. Wie stark sich das im Sommer 2026 in Österreich konkret ausgewirkt hat, ist aus den vorliegenden Quellen nicht zu beziffern.
Wie belastend der Sommer insgesamt war, zeigt eine AGES-Auswertung: Allein für Juni 2026 wurden rund 395 hitzebedingte Todesfälle geschätzt – der höchste Juni-Wert seit 2017. Eine Aufschlüsselung nach psychischen Vorerkrankungen gibt es dazu nicht; auch die im Standard-Bericht geschilderten Einzelfälle sind hinter einer Bezahlschranke nicht vollständig einsehbar.
Was der Sommer 2026 gezeigt hat
Nach Wochen mit Tropennächten und Temperaturen über 35 Grad ist die Hitzewelle des Sommers 2026 laut einem Bericht von DER STANDARD vorbei – für viele Menschen eine spürbare Erleichterung. Doch nicht alle profitieren davon gleichermaßen: Wer sich eine Klimaanlage oder ein Ausweichquartier mit Garten leisten kann und ansonsten gesund ist, kommt deutlich besser durch solche Perioden als Menschen, deren Gesundheit ohnehin angegriffen ist. Der Bericht schildert laut vorliegender Zusammenfassung zwei Betroffene mit psychischen Erkrankungen, die von ihrer Belastung während der Hitze erzählen. Die konkreten Schilderungen liegen allerdings hinter einer Bezahlschranke und konnten nicht im Volltext eingesehen werden.
Warum Hitze für psychisch erkrankte Menschen gefährlicher ist
Der von der Gesundheit Österreich GmbH im Auftrag des Sozial- und Gesundheitsministeriums erstellte Nationale Hitzeschutzplan nennt Menschen mit psychischen Erkrankungen ausdrücklich als vulnerable Gruppe, deren Risiko bei Hitze steigt. Neben körperlichen Vorerkrankungen spielt eine Rolle, dass Hitze den Schlaf verkürzt, das Durstempfinden verändert und soziale Kontakte reduziert – Faktoren, die bestehende psychische Symptome verschärfen können. Ergänzend weist die deutsche Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) darauf hin, dass Hitze bestehende Symptome verschlimmern und neue psychische Beschwerden auslösen kann, mit besonders erhöhtem Risiko bei Schizophrenie, Abhängigkeitserkrankungen, Demenz oder Depressionen.
Die Rolle von Medikamenten
Ein zusätzlicher Risikofaktor sind laut einer Übersicht der deutschen Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) bestimmte Psychopharmaka: Antidepressiva – etwa SSRI, SNRI oder trizyklische Wirkstoffe – sowie Antipsychotika können die körpereigene Wärmeregulation beeinträchtigen. Benzodiazepine können dazu führen, dass eine beginnende Hitzeerschöpfung später bemerkt wird. Bei Lithium kann Dehydrierung durch verminderte Ausscheidung das Risiko einer Überdosierung erhöhen. Ob solche Wechselwirkungen bei in Österreich behandelten Patientinnen und Patienten im Sommer 2026 tatsächlich zu vermehrten Komplikationen geführt haben, geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor.
Was die Sterbedaten zeigen
Wie belastend der Sommer 2026 insgesamt war, zeigt eine Auswertung der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES): Für Juni 2026 schätzte die Behörde rund 395 hitzebedingte Todesfälle – der höchste Wert für einen Juni seit Beginn vergleichbarer Berechnungen im Jahr 2017 und deutlich mehr als der bisherige Rekord von 335 im Jahr 2019. Die Berechnung berücksichtigt laut Berichten auch verzögerte Effekte, da Hitze bestehende Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder Nierenerkrankungen noch Wochen später verschärfen kann. Eine gesonderte Aufschlüsselung, wie viele dieser Todesfälle Menschen mit psychischen Erkrankungen betrafen, liegt öffentlich nicht vor.
Einordnung
Hitzewellen legen laut dem Standard-Bericht bestehende gesellschaftliche Gräben offen: zwischen Menschen mit Zugang zu Klimaanlage, Garten oder Pool und jenen ohne solche Rückzugsmöglichkeiten, zwischen Gesunden und Vorerkrankten. Der Nationale Hitzeschutzplan zielt darauf ab, solche Unterschiede in der Versorgung – etwa in Pflegeeinrichtungen oder bei mobilen Diensten – abzufedern. Wie wirksam diese Maßnahmen im konkreten Sommer 2026 tatsächlich waren und ob sie Menschen mit psychischen Erkrankungen ausreichend erreicht haben, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht abschließend beurteilen.
