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Frauen wird laut mehreren österreichischen Medienberichten oft deutlich später zu einem HIV-Test geraten als etwa Männern, die Sex mit Männern haben, oder Menschen, die Drogen konsumieren. Das berichten die Medizinerin Katharina Grabmeier-Pfistershammer und Andrea Brunner, Geschäftsführerin der Aids-Hilfe Wien: Frauen seien häufig schon krank oder der Partner bereits positiv getestet, wenn ihnen ein Test angeboten wird.

Eine Ausnahme ist die Schwangerschaft, da der HIV-Test Teil des Mutter-Kind-Pass-Programms ist – dadurch wird laut Berichten rund ein Viertel der betroffenen Frauen bereits in der Schwangerschaftsvorsorge diagnostiziert. Außerhalb dieses Screenings sehen die Fachleute weiterhin eine Lücke, etwa bei schwer erreichbaren Risikogruppen, und fordern niederschwelligere, weniger stigmatisierende Testangebote, etwa über Gynäkologinnen und Gynäkologen.

Wie groß der Unterschied im Diagnosealter zwischen den Geschlechtern in Österreich konkret ausfällt und ob das behauptete steigende Durchschnittsalter der in Behandlung befindlichen Menschen durch Daten belegt ist, bleibt in den vorliegenden Quellen offen. Eine Stellungnahme des Gesundheitsministeriums liegt nicht vor.

Was passiert ist

Frauen wird einer Reihe von Ärztinnen, Ärzten und Fachleuten zufolge oft deutlich später zu einem HIV-Test geraten als etwa Männern, die Sex mit Männern haben, oder Menschen, die Drogen konsumieren. Das berichten mehrere österreichische Medien unter Berufung auf die Medizinerin Katharina Grabmeier-Pfistershammer und Andrea Brunner, Geschäftsführerin der Aids-Hilfe Wien. Die Berichterstattung erscheint wenige Tage vor dem Welttag der sexuellen Gesundheit am 4. September und rückt einen strukturellen Unterschied in der Diagnosepraxis in den Fokus: Bei etablierten Risikogruppen denken Ärztinnen und Ärzte den Angaben zufolge früher an eine mögliche HIV-Infektion, bei Frauen hingegen oft erst spät.

Was die Quellen zeigen

Laut den zitierten Fachleuten bekommen Frauen einen Test häufig erst dann angeboten, wenn sie bereits erkrankt sind oder zuvor der Partner positiv getestet wurde. Eine Ausnahme bildet die Schwangerschaft: Der HIV-Test ist Teil des Mutter-Kind-Pass-Programms, wodurch nach Medienberichten rund ein Viertel der Frauen, die mit HIV leben, ihre Diagnose im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge erhält – oft ohne zu diesem Zeitpunkt Symptome zu zeigen. Grabmeier-Pfistershammer weist zudem darauf hin, dass bestimmte Risikogruppen von Frauen, etwa solche mit Bezug zu Ländern südlich der Sahara, schwerer zu erreichen seien und dort die Stigmatisierung einer HIV-Infektion noch ausgeprägter sei. Sie empfiehlt, stärker jene medizinischen Anlaufstellen zu nutzen, die Frauen ohnehin regelmäßig aufsuchen, allen voran Gynäkologinnen und Gynäkologen. Brunner fordert niederschwellige und wenig stigmatisierende Testangebote. Zum Vergleich liefert eine im Mai 2026 veröffentlichte Auswertung des Zentrums für Virologie der MedUni Wien, über die das Portal GGG.at berichtete, Eckdaten zur österreichischen HIV-Situation insgesamt: Demnach wurden 2025 im Land 417 neue HIV-Diagnosen registriert, rund drei Viertel davon bei Männern, das Durchschnittsalter bei Erstdiagnose lag bei 39 Jahren. Diese Zahlen stammen aus einem separaten Bericht und lassen sich den aktuellen Aussagen zu spät diagnostizierten Frauen nicht direkt zuordnen.

Was unklar bleibt

Offen bleibt, wie stark sich das Diagnosealter oder der Anteil spät erkannter Fälle zwischen Frauen und Männern in Österreich konkret unterscheidet – die vorliegenden Medienberichte nennen dazu keine eigenen Zahlen. Auch die Aussage, dass das Durchschnittsalter der insgesamt in Behandlung befindlichen Menschen steigt, bleibt ohne begleitende Daten oder Quellenangabe. Unklar ist zudem, ob das Gesundheitsministerium, die Sozialversicherung oder andere Stellen auf die Forderung nach niederschwelligeren Testangeboten bereits reagiert haben oder konkrete Schritte planen. Eine Original-Presseaussendung oder Studie, auf die sich die zitierten Aussagen stützen, liegt nicht vor.

Einordnung

Die Beobachtung, dass bei Frauen seltener und später an eine mögliche HIV-Infektion gedacht wird als bei etablierten Risikogruppen, ist international dokumentiert und deckt sich mit früheren Einschätzungen etwa zur Situation in Europa. In Österreich verweisen die Fachleute auf das Mutter-Kind-Pass-Screening als bislang wirksamsten Kanal, um HIV-Infektionen bei Frauen frühzeitig zu erkennen, sehen außerhalb der Schwangerschaft aber eine Lücke. Die Aussagen stammen von einer Medizinerin und der Leiterin einer auf HIV spezialisierten Organisation, die selbst niederschwellige Tests anbietet – das ist bei der Einordnung der Forderungen mitzudenken, macht die zugrunde liegende Beobachtung aber nicht per se unplausibel.