Ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE hat im Stadtteil North Austin in Texas einen Mann angeschossen und schwer verletzt. Der Schuss fiel nach einer kurzen Verfolgungsjagd zu Fuß; der Mann wurde im Oberkörper getroffen, sein Zustand gilt als ernst, aber stabil. Das US-Heimatschutzministerium bestätigte den Einsatz und bezeichnete den Mann als venezolanischen Staatsangehörigen mit rechtskräftiger Ausreiseanordnung; Homeland Security Investigations führt die Ermittlungen mit Unterstützung des FBI, auch gegen den schießenden Beamten selbst laufen laut Ministerium Ermittlungen. Der Mann, US-Medien zufolge der 28-jährige Wilber Rafael Garcés Perez, schilderte Journalisten telefonisch, er sei als Fahrer für den Lieferdienst DoorDash unterwegs gewesen, als sein Fahrzeug gerammt und er angeschossen wurde; laut seiner Anwältin steckt die Kugel weiterhin nahe seinem Rückenmord im Körper.
Nach dem Vorfall protestierten Dutzende Menschen in Texas gegen das Vorgehen der ICE, eine 16-jährige Teilnehmerin kritisierte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP „viel zu viel Gewalt“. Die Anwältin des Mannes reichte Klage vor einem Bundesgericht ein; eine Anhörung ist für den 30. September angesetzt, bis dahin wird er laut Anwältin nicht abgeschoben. Das Heimatschutzministerium wies eine Rolle bei seiner medizinischen Behandlung zurück. Austins Bürgermeister Kirk Watson fordert weiterhin eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls.
Der Vorfall reiht sich laut Berichten in eine Serie von ICE-Schusswaffeneinsätzen im Jahr 2026 ein; wie berichtet gab es zuvor bereits vergleichbare, umstrittene Fälle in Houston und Maine. Offen bleiben die Begründung des Beamten für den Schuss, das Ergebnis der laufenden Ermittlungen und die Entscheidung des Bundesgerichts am 30. September.
Was passiert ist
Ein Beamter der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE hat am Sonntagnachmittag (Ortszeit) im Stadtteil North Austin in Texas einen Mann angeschossen. Der Schuss fiel laut Angaben der Stadt Austin kurz vor 13 Uhr nach einer kurzen Verfolgungsjagd zu Fuß. Der Mann wurde im Oberkörper getroffen und schwer verletzt; sein Zustand wird von Behördenseite als ernst, aber stabil beschrieben. Er wurde zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht – laut seiner Anwältin insgesamt zweimal – und befand sich auch mehrere Tage nach dem Vorfall weiter in Abschiebehaft.
Reaktionen von Stadt und Behörden
Der Bürgermeister von Austin, der Demokrat Kirk Watson, forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls unter Beteiligung der Stadtpolizei und der Texas Rangers. Er kritisierte, eine Untersuchung, die ICE allein und unter Ausschluss anderer Stellen durchführe, sei nicht glaubwürdig. Austins Polizeichefin Lisa Davis erklärte, ihre Behörde sei von den Bundesstellen zunächst nicht informiert worden und verfüge nur über wenige Details; die auf Einsätze mit Schusswaffengebrauch spezialisierte Einheit der Stadtpolizei sei aber am Tatort und solle an der Untersuchung mitwirken.
Das US-Heimatschutzministerium (DHS) bestätigte den Einsatz in einer eigenen Stellungnahme: Homeland Security Investigations übernehme mit Unterstützung des FBI die Ermittlungen zu dem Schusswaffeneinsatz gegen einen venezolanischen Staatsangehörigen, der demnach unter der Regierung Biden illegal eingereist sei und eine rechtskräftige Ausreiseanordnung gehabt habe. Der Mann befinde sich laut DHS in stabilem Zustand in Bundesgewahrsam. Nach dem Vorfall erklärte das Ministerium zudem, dass gegen den ICE-Beamten selbst Ermittlungen liefen.
Wer der angeschossene Mann ist
Nach Berichten US-amerikanischer Medien handelt es sich um den 28-jährigen Wilber Rafael Garcés Perez. Er selbst schilderte Journalisten inzwischen telefonisch seine Version des Vorfalls: Er sei am Sonntag als Fahrer für den US-Lieferdienst DoorDash unterwegs gewesen und habe eine Bestellung ausgeliefert, als sein Fahrzeug von einem ICE-Mitarbeiter gerammt worden sei; anschließend sei auf ihn geschossen worden. Der Schuss habe sein Schlüsselbein zertrümmert. Diese Angaben beruhen ausschließlich auf seiner eigenen Schilderung und sind bislang nicht durch Arbeitgeber, Behörden oder eine deutschsprachige Quelle im vorliegenden Cluster unabhängig bestätigt.
Laut seiner Anwältin steckt die Kugel weiterhin nahe seinem Rückenmark im Körper; im Krankenhaus, in das er zunächst gebracht worden war, habe sie wegen dieser Nähe nicht entfernt werden können. Er leide demnach weiterhin unter großen Schmerzen.
Proteste und juristische Schritte
Nach dem Vorfall protestierten in Texas Dutzende Menschen gegen das Vorgehen der ICE. Laut einem von mehreren österreichischen Medien verbreiteten Agenturbericht sagte eine 16-jährige Teilnehmerin der Nachrichtenagentur AFP, die Behörde wende „viel zu viel Gewalt“ an und habe sogar auf einen Mann geschossen, der lediglich eine Lieferung habe ausliefern wollen.
Die Anwältin des Mannes, Kate Lincoln-Goldfinch, reichte Klage vor einem Bundesgericht ein. Eine erste Anhörung ist für den 30. September angesetzt; der zuständige Richter ordnete an, dass ihr Mandant dabei persönlich anwesend sein muss. Nach Angaben der Anwältin bedeutet dies, dass er bis zu diesem Termin nicht abgeschoben wird. Sie erklärte zudem, der ICE-Mitarbeiter, der die Schüsse abgab, habe keine Körperkamera getragen – eine Angabe, die bislang nur von ihr selbst stammt.
Das Heimatschutzministerium wies unterdessen über den Onlinedienst X eine Rolle bei der medizinischen Behandlung des Mannes zurück: ICE berate weder zu medizinischen Eingriffen in Krankenhäusern, noch würde sie dies tun, hieß es von Ministeriumsseite.
Einordnung
Der Vorfall reiht sich laut Berichten in eine Serie von Schusswaffeneinsätzen von US-Einwanderungsbehörden im Jahr 2026 ein. Demnach waren ICE-Beamte bereits an mehreren solchen Vorfällen beteiligt, darunter an der Tötung zweier US-Bürger in Minnesota; seit Amtsantritt von Präsident Donald Trump sollen zudem mehr als 50 Menschen in ICE-Gewahrsam gestorben sein. Diese Gesamtzahlen stammen aus einer Agenturzusammenfassung und wurden von der Redaktion nicht gesondert nachgeprüft. Ebenfalls nicht gesondert geprüft, aber als grober Kontext zu nennen: Laut Heimatschutzministerium wurden allein im August rund 51.000 Migranten ohne gültige Papiere in den USA aufgegriffen.
Wie „Neue Nachrichten“ bereits berichtete, kam es 2026 auch in Houston und im US-Bundesstaat Maine zu ICE-Einsätzen mit Schusswaffengebrauch und schwer verletztem beziehungsweise tödlichem Ausgang, bei denen Angehörige und Lokalpolitiker jeweils Zweifel an der offiziellen ICE-Darstellung anmeldeten. Der US-Abgeordnete Greg Casar erklärte, er habe angesichts verstärkter ICE-Aktivität in Austin bereits vor einem solchen Vorfall gewarnt, und verwies darauf, dass sich ICE nach Schießereien in anderen Städten nicht durchgehend an die ursprüngliche Darstellung gehalten habe.
Was unklar bleibt
Offen ist weiterhin, warum der ICE-Beamte den Schuss abgab und ob aus behördlicher Sicht eine unmittelbare Gefährdung vorlag – eine konkrete Begründung des Beamten liegt bisher nicht vor. Die Identität des Mannes und seine eigene Schilderung, er sei als DoorDash-Fahrer unterwegs gewesen, sind weiterhin nicht unabhängig bestätigt. Unklar ist zudem, zu welchem Ergebnis die parallel von Homeland Security Investigations, FBI, Austins Stadtpolizei und den Texas Rangers geführten Untersuchungen sowie das Ermittlungsverfahren gegen den ICE-Beamten kommen werden, ob abseits der fehlenden Körperkamera andere Video-Aufnahmen des Einsatzes existieren, und wie das Bundesgericht bei der Anhörung am 30. September über die Klage der Anwältin entscheidet. Auch wie es dem Mann danach gesundheitlich und aufenthaltsrechtlich weitergeht, ist offen.

