Das Landeskriminalamt Wien hat nach eigenen Angaben ein hierarchisch organisiertes Betrugsnetzwerk zerschlagen. Mehrere Medien berichten von zwölf Festnahmen, insgesamt sollen rund 30 Personen im Alter von 24 bis 50 Jahren identifiziert worden sein. Ausgangspunkt war eine Anzeigenflut von Banken im November 2024 wegen Kontoeröffnungen mit gefälschten Personalausweisen im Scheckkartenformat, auf denen stets dasselbe Foto mit unterschiedlichen Namen auftauchte. Mehr als 200 gestohlene Identitäten sollen so genutzt worden sein, unter anderem um hochpreisige Mobiltelefone auf Kredit zu bestellen und weiterzuverkaufen.
Der bestätigte Gesamtschaden liegt bei rund 750.000 Euro, laut einem Ermittler ist eine deutlich höhere Endsumme nicht ausgeschlossen. In einer Wohnung in Floridsdorf wurde eine Fälscherwerkstatt mit Drucker, Hydraulikpresse, Laser und Epoxidharz sichergestellt. Den drei mutmaßlichen Hauptverdächtigen wird ab 22. September vor dem Straflandesgericht Wien der Prozess gemacht; bis zu einem Urteil gilt für sie die Unschuldsvermutung.
Offen bleiben unter anderem die genaue Rollenverteilung unter den rund 30 identifizierten Personen, der endgültige Schaden sowie der Ausgang des bevorstehenden Prozesses.
Was passiert ist
Ermittler des Landeskriminalamts Wien haben nach eigenen Angaben ein mehrstufig organisiertes Betrugsnetzwerk zerschlagen, das über einen längeren Zeitraum Identitäten gestohlen und damit betrügerisch Bankkonten sowie hochpreisige Mobiltelefone erschlichen haben soll. Bei einem Medientermin am Freitag stellte Bezirksinspektor Robert Meusburger von der LKA-Außenstelle Süd die Ermittlungsergebnisse vor. Mehrere Medien berichten von zwölf Festnahmen, während insgesamt rund 30 Personen im Alter zwischen 24 und 50 Jahren im Zuge der Ermittlungen identifiziert worden sein sollen, großteils aus Wien und Umgebung. Den drei mutmaßlichen Hauptverdächtigen wird laut übereinstimmenden Berichten bereits ab 22. September vor dem Straflandesgericht Wien der Prozess gemacht – für sie gilt bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung.
Wie das Netzwerk vorgegangen sein soll
Ausgangspunkt der Ermittlungen war laut Polizei eine Anzeigenflut von Banken im November 2024: Diese hatten Kontoeröffnungen mit gefälschten Personalausweisen im Scheckkartenformat gemeldet, auf denen auffällig oft dasselbe Foto mit jeweils unterschiedlichen Namen auftauchte. Bis Sommer 2025 sollen so mehr als 200 Konten eröffnet worden sein. Erst Vernehmungen ahnungsloser Opfer – die etwa von Inkassoverfahren für nie abgeschlossene Handyverträge erfuhren – brachten die Ermittler auf die Spur der drei großen heimischen Mobilfunkanbieter. Dort sollen mit den Opfer-Identitäten und gefälschten Ausweisen jeweils die teuersten iPhone- oder Android-Modelle bestellt worden sein, pro Bestellung mit einem Warenwert von rund 3.000 bis 4.000 Euro. Die Lieferungen gingen an unbewohnte Adressen oder an Paketshops ohne Videoüberwachung, wo die Geräte dann mit den falschen Ausweisen abgeholt und später weiterverkauft wurden. Die eröffneten Konten sollen den Händlern dabei Zahlungsfähigkeit vorgetäuscht haben.
Aufbau des Netzwerks
Die Gruppierung soll klar hierarchisch organisiert gewesen sein. An der Spitze stand laut Polizei ein unter dem Darknet-Pseudonym „Inko1“ auftretender Kopf, der gefälschte Ausweise auch online für rund 600 Euro verkauft haben soll. Ein mutmaßlicher Komplize betrieb den Berichten zufolge auf der Loggia seiner Wohnung in Floridsdorf eine Fälscherwerkstatt; dort stellte die Polizei Drucker, eine Hydraulikpresse, Computer, Laser und Epoxidharz sicher. Ein dritter Hauptverdächtiger soll die Ausweise vorbereitet und versendet haben. Darunter sollen mehrere Recruiter sogenannte „Läufer“ angeworben und zu Kontoeröffnungen und Handyabholungen begleitet haben – dabei soll es sich überwiegend um Menschen in finanziellen Notlagen gehandelt haben, die pro Einsatz 200 bis 400 Euro erhalten haben sollen.
Was die Quellen zeigen
Die zentralen Eckdaten – mehr als 200 gestohlene Identitäten, ein bestätigter Schaden von rund 750.000 Euro, die ausgehobene Fälscherwerkstatt in Floridsdorf und der Prozessbeginn am 22. September – decken sich in den Berichten mehrerer voneinander unabhängiger Redaktionen, die erkennbar von demselben Polizei-Medientermin berichten. Uneinheitlich bleibt hingegen die genaue Personenzahl: Während ein Teil der Berichte von zwölf Festnahmen spricht, ist an anderer Stelle von rund 30 insgesamt identifizierten Beteiligten die Rede. Beides dürfte zutreffen, wenn Festnahme und bloße Identifizierung nicht deckungsgleich sind – die Quellen differenzieren das aber nicht immer eindeutig. Die Einschätzung, der tatsächliche Schaden könne auch eine Million Euro übersteigen, stammt von einem einzelnen Ermittler und ist als Einschätzung, nicht als belegte Zahl zu lesen.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, wie viele der ursprünglich rund 30 identifizierten Personen letztlich angeklagt werden und was mit jenen geschieht, die nicht zu den drei Hauptverdächtigen zählen. Auch der genaue Ausgang des für 22. September angesetzten Prozesses steht noch aus. Keine der Quellen enthält eine Stellungnahme der betroffenen Mobilfunkanbieter zu Sicherheitslücken bei der Vertragsvergabe, noch liegen Angaben darüber vor, wie die mehr als 200 Opfer des Identitätsdiebstahls entschädigt oder unterstützt werden.
Einordnung
Der Fall zeigt exemplarisch, wie mit gefälschten Ausweisdokumenten im großen Stil Warenkreditbetrug betrieben werden kann, ohne dass die eigentlichen Opfer – deren Identität missbraucht wird – die Tat zunächst überhaupt bemerken. Für Betroffene solcher Fälle empfiehlt sich laut gängiger Verbraucherberatung eine rasche Prüfung eigener Bonitätsauskünfte, sollte es zu unerklärlichen Mahnungen oder Vertragsabschlüssen kommen. Da das Verfahren gegen die Hauptverdächtigen erst am 22. September beginnt, sind sämtliche Tatvorwürfe bislang unbewiesene Anschuldigungen der Ermittlungsbehörden.

