FIFA-Präsident Gianni Infantino ist laut einer Recherche der Nachrichtenagentur AP während der Fußball-WM in Nordamerika rund 95.403 Kilometer geflogen – umgerechnet etwa 2,4 Erdumrundungen und mehr als 100 Flugstunden. Die Berichte, die unter anderem ORF, Kurier und Der Standard aufgegriffen haben, stützen sich auf Flugdaten des Trackingdienstes FlightAware sowie auf Fotos.
Genutzt haben soll Infantino einen Gulfstream G650-Jet aus der Flotte der katarischen Regierung, betrieben von der Privatcharter-Sparte des WM-Sponsors Qatar Airways. Er besuchte den Berichten zufolge alle 16 WM-Stadien mindestens einmal, fünfmal allein das Hard Rock Stadium in Miami.
Der CO2-Ausstoß der Flüge wird von Der Spiegel auf rund 813 Tonnen geschätzt, die genaue Berechnung ist nicht transparent nachvollziehbar. FIFA äußerte sich auf Anfrage nicht. Der Verband hat sich verpflichtet, die WM-bezogenen Emissionen bis 2030 zu halbieren und bis 2040 klimaneutral zu werden – ein Ziel, zu dem Infantinos Reiseverhalten laut Kritik in den Berichten in Widerspruch steht.
Was passiert ist
Laut einer Recherche der Nachrichtenagentur AP, die von zahlreichen Medien aufgegriffen wurde – darunter ORF, Kurier und Der Standard –, hat FIFA-Präsident Gianni Infantino während der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika ein außergewöhnliches Flugpensum absolviert. Im Beobachtungszeitraum vom 9. Juni bis zum Endspiel soll er rund 95.403 Kilometer beziehungsweise knapp 60.000 Meilen im Flugzeug zurückgelegt haben – umgerechnet etwa 2,4 Erdumrundungen und mehr als 100 Flugstunden.
Was die Quellen zeigen
Die AP stützt ihre Analyse den Berichten zufolge auf Flugdaten des Trackingdienstes FlightAware sowie auf Fotos von AP-Fotografinnen und -Fotografen und auf Instagram-Bilder, die von FIFA und Infantino selbst veröffentlicht wurden. Genutzt worden sein soll ein Gulfstream G650-Jet aus der Flotte der katarischen Regierung, betrieben von der Privatcharter-Sparte von Qatar Airways – einem Sponsor der WM. Das Flugzeug landete zeitweise auf kleineren Business-Flughäfen, etwa dem Opa-Locka Executive Airport nahe Miami. Laut Kurier war Infantino in allen 16 WM-Stadien mindestens einmal, fünfmal davon im Hard Rock Stadium in Miami. An mehreren Tagen soll der Jet laut FlightAware-Daten mehr als drei Flüge absolviert haben.
Was unklar bleibt
FIFA reagierte den Berichten zufolge nicht auf eine per E-Mail gestellte Anfrage zu Infantinos Reiseprogramm. Die genaue Berechnungsmethode hinter der von Der Spiegel kolportierten CO2-Bilanz von rund 813 Tonnen ist in den vorliegenden Quellen nicht im Detail nachvollziehbar. Offen bleibt zudem, wie sich dieses Reisepensum zu früheren Turnieren oder zum Flugverhalten anderer FIFA-Funktionäre verhält, und ob es geschäftliche oder protokollarische Gründe für die Dichte des Programms gibt, die der Verband bislang nicht kommuniziert hat.
Einordnung
Die Berichterstattung steht im Spannungsfeld zu FIFAs eigenen Nachhaltigkeitszusagen: Der Verband hat sich verpflichtet, die mit der WM verbundenen CO2-Emissionen bis 2030 zu halbieren und bis 2040 klimaneutral zu werden. Dass ausgerechnet der Verbandschef laut den vorliegenden Berichten in großem Umfang mit einem Privatjet unterwegs war, wird von mehreren Medien als Widerspruch zu diesen Zielen gewertet. Da FIFA sich nicht äußerte, beruht die Darstellung derzeit ausschließlich auf der AP-Recherche und den daraus abgeleiteten Berichten; eine Einordnung oder Gegendarstellung durch den Verband fehlt bislang.

