Das ÖVP-geführte Innenministerium hat eine Geburtstagsfeier für den früheren Innenminister Ernst Strasser mit Steuergeld finanziert. Laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung, aus der der ORF zitiert, kostete die Feier am 29. April 2026 im Festsaal Palais Modena exakt 8.724,77 Euro; von 77 eingeladenen Gästen kamen 61. Das Ministerium begründet die Veranstaltung als offizielle Repräsentationsveranstaltung im Sinne eines „Austauschtreffens“ und verweist darauf, dass die Geburtstagsfeier von Strassers Vorgänger Karl Schlögl im Vorjahr auf dieselbe Art ausgerichtet worden sei. Unter den Gästen waren unter anderem Innenminister Gerhard Karner, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll.
Ernst Strasser war von 2000 bis 2004 Innenminister und danach als EU-Parlamentarier und Lobbyist tätig; 2014 wurde er wegen Bestechlichkeit als EU-Abgeordneter rechtskräftig zu drei Jahren Haft verurteilt und hat die Strafe verbüßt. FPÖ-Anfragesteller Reinhold Maier ortet angesichts der Feier einen Skandal, und inzwischen kritisiert auch die NEOS-Abgeordnete Henrike Brandstötter die Ausgabe öffentlich als „ziemlich teure Resozialisierungsmaßnahme“.
Offen bleibt der vollständige Wortlaut der Anfragebeantwortung, den die vorliegenden Quellen nur in Auszügen wiedergeben, ebenso wie eine Stellungnahme der ÖVP-Spitze über die Ministeriumsbegründung hinaus. Unklar und nicht abschließend verifiziert ist zudem ein Hinweis des Standard, wonach ein vergleichbares 70er-Fest eines früheren SPÖ-Bundeskanzlers deutlich teurer gewesen sein soll – dazu fehlen bislang Person und Betrag.
Was passiert ist
Das ÖVP-geführte Innenministerium hat eine Geburtstagsfeier für den früheren Innenminister Ernst Strasser mit öffentlichen Geldern finanziert. Wie zuerst aus einer parlamentarischen Anfrage des freiheitlichen Sicherheitssprechers Reinhold Maier hervorging und inzwischen von mehreren voneinander unabhängigen Medien bestätigt wird, fand die Feier zu Strassers 70. Geburtstag am 29. April 2026 im Festsaal Palais Modena statt, dem Sitz des Innenministeriums. Neue Berichte von ORF und Der Standard liefern nun zusätzliche Details zu Ablauf, Kosten und Rechtfertigung der Veranstaltung.
Die Kosten im Detail
Laut der parlamentarischen Anfragebeantwortung, aus der der ORF zitiert, kostete die Feier exakt 8.724,77 Euro. Damit lassen sich die zuvor leicht abweichenden Angaben – die FPÖ hatte von knapp 9.000 Euro gesprochen, ein weiterer Medienbericht von rund 8.700 Euro – als Rundungen derselben Summe einordnen; die ursprüngliche Diskrepanz zwischen den Quellen ist damit aufgelöst. Zu den eingeladenen Gästen zählten laut ORF 77 Personen, von denen 61 tatsächlich erschienen. Der Standard beschreibt zudem feines Catering, Torten, Blumensträuße und einen Bilderrahmen als Teil der Ausstattung.
Die Rechtfertigung des Innenministeriums
Das Innenministerium begründet die Feier laut Anfragebeantwortung als offizielle, repräsentative Veranstaltung „im Sinne eines Austauschtreffens“, finanziert als Repräsentationsausgabe aus dem Detailbudget der Zentralstelle und freigegeben von der zuständigen Fachabteilung. Die Auswahl der Gäste sei „dem Anlass entsprechend und gemäß protokollarischer Repräsentanz“ erfolgt, heißt es in der Anfragebeantwortung laut ORF. Das Ministerium verweist zudem darauf, dass die Geburtstagsfeier von Strassers SPÖ-Vorgänger Karl Schlögl im Vorjahr auf dieselbe Art ausgerichtet worden sei, und erklärte gegenüber der APA, es sei üblich, langjährigen Ressortchefs bei runden Geburtstagen wie dem 70. auf diese Weise den Respekt des Hauses zu erweisen.
Gästeliste und Vorgeschichte von Ernst Strasser
Unter den Gästen waren laut ORF neben dem amtierenden Innenminister Gerhard Karner auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll (beide ÖVP) sowie frühere Ressortchefs wie Johanna Mikl-Leitner und Wolfgang Sobotka. Ernst Strasser war von 2000 bis 2004 österreichischer Innenminister und danach als EU-Parlamentarier und Lobbyist tätig. 2010/2011 ging er als ÖVP-Delegationsleiter im Europäischen Parlament zwei als Lobbyisten getarnten britischen Journalisten auf den Leim und sicherte in heimlich gefilmten Gesprächen gegen ein Honorar von 100.000 Euro jährlich ein bestimmtes Abstimmungsverhalten zu konkreten EU-Richtlinien zu. 2014 wurde er dafür wegen Bestechlichkeit rechtskräftig zu drei Jahren Haft verurteilt; die Strafe hat er verbüßt, zuletzt bis September 2016 mit einer Fußfessel.
Reaktionen von FPÖ und NEOS
FPÖ-Anfragesteller Reinhold Maier ortet einen Skandal und wirft dem Innenministerium vor, während bei Bevölkerung und Polizei gespart werde, gleichzeitig eine Geburtstagsfeier auf Steuerzahlerkosten für einen ÖVP-Vorgänger im Amt auszurichten. Kritik kommt inzwischen auch vom Koalitionspartner: NEOS-Abgeordnete Henrike Brandstötter bezeichnete die Ausgabe auf dem Onlinenetzwerk Bluesky als „ziemlich teure Resozialisierungsmaßnahme“. Eine Stellungnahme der ÖVP-Spitze, die über die Ministeriumsbegründung hinausgeht, liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor.
Was weiterhin unklar bleibt
Der vollständige Wortlaut der parlamentarischen Anfragebeantwortung wurde nicht direkt eingesehen, sondern nur in den von ORF zitierten Auszügen; eine eigenständige Prüfung des Dokuments im Volltext steht aus. Unklar bleibt auch, auf welchen früheren SPÖ-Bundeskanzler und welchen Betrag sich ein Hinweis des Standard bezieht, wonach ein vergleichbares 70er-Fest „um ein Vielfaches teurer“ gewesen sei – dazu liegt bislang nur ein Ankündigungssatz ohne Details vor. Offen ist zudem, ob die Kritik von FPÖ und NEOS Konsequenzen für die künftige Praxis solcher ministeriumsfinanzierten Jubiläumsfeiern hat.
Einordnung
Der Vorwurf ging ursprünglich von der oppositionellen FPÖ aus, wird inzwischen aber auch vom Koalitionspartner NEOS getragen, während die dokumentierte Ministeriumsbegründung – offizielle Repräsentationsveranstaltung, Präzedenzfall Schlögl – die Gegenperspektive liefert. Dass die Feier stattfand, aus Steuergeld finanziert wurde und rund 8.700 Euro kostete, ist durch mehrere voneinander unabhängige Medien und die Anfragebeantwortung selbst gut abgesichert. Weniger belastbar sind Nebenaspekte wie der Standard-Vergleich zu einem angeblich teureren SPÖ-Kanzlerfest, der bislang nicht mit Details unterlegt ist.


