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Ein Gericht in Iran hat den 27-jährigen Regierungsgegner Ali Sarei, von der Menschenrechtsorganisation IGFM auch als Ali Zarei bezeichnet, wegen „Korruption auf Erden“ zum Tode durch den Strang verurteilt. Die Meldung wurde von mehreren österreichischen Medien mit erkennbar identischem, agenturbasiertem Wortlaut verbreitet. Laut IGFM war Sarei 2022 bei den Protesten nach dem Tod von Mahsa Amini von Sicherheitskräften angeschossen worden und hatte sein rechtes Auge verloren; er wurde danach zeitweise in Deutschland behandelt und trat dort öffentlich gegen die Führung in Teheran auf, ehe er in den Iran zurückkehrte und dort festgenommen wurde.

Unabhängig davon wurden laut der norwegischen Organisation Iran Human Rights auch zwei Frauen wegen ihrer Beteiligung an den Jänner-Protesten in Isfahan zum Tode verurteilt; ihre Anwälte hätten laut der NGO nur eingeschränkten Zugang zu den Verfahrensakten gehabt. Menschenrechtsorganisationen sprechen zudem von insgesamt 29 protestbezogenen Hinrichtungen der vergangenen Monate sowie zwei weiteren Todesurteilen im Zusammenhang mit den Protesten von 2022.

Unabhängig bestätigt sind diese Zahlen ebenso wenig wie die näheren Umstände der Verfahren; eine Stellungnahme der iranischen Justiz liegt bislang nicht vor, und ob die Urteile vollstreckt werden, ist offen.

Was passiert ist

Ein Gericht in Iran hat den 27-jährigen Regierungsgegner Ali Sarei – von der Menschenrechtsorganisation IGFM auch als Ali Zarei geführt – wegen „Korruption auf Erden“ zum Tode durch den Strang verurteilt. Das berichteten mehrere österreichische Medien mit erkennbar identischem, von der Nachrichtenagentur APA stammendem Wortlaut, unter anderem Die Presse und die Kleine Zeitung. Sarei stammt aus der nordiranischen Provinz Ardabil.

Vorgeschichte: Proteste, Verletzung, Exil in Deutschland

Laut der in Frankfurt am Main ansässigen Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) wurde Sarei während der landesweiten Proteste unter dem Motto „Frau. Leben. Freiheit“ im Jahr 2022 von Sicherheitskräften angeschossen und verlor sein rechtes Auge. Die Proteste waren durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in Polizeigewahrsam ausgelöst worden. Der IGFM zufolge wurde Sarei danach zeitweise in Deutschland medizinisch behandelt und trat dort öffentlich gegen die Führung in Teheran auf. Im Februar dieses Jahres soll er nach Angaben aus Kreisen der iranischen Opposition auf einer von Reza Pahlavi, dem Sohn des 1979 gestürzten Schahs, organisierten Kundgebung in München aufgetreten sein. Nach eigenen, „aus persönlichen Gründen“ erfolgten Angaben kehrte Sarei anschließend in den Iran zurück und wurde der IGFM zufolge unmittelbar nach der Einreise festgenommen. Das Büro Pahlavis erklärte auf der Plattform X, Sarei werde im Gefängnis Ghezel Hezar in Karaj westlich von Teheran festgehalten und sei aufgrund „haltloser Anschuldigungen“ verurteilt worden.

Zweiter Fall: Todesurteile gegen zwei Frauen in Isfahan

Unabhängig von Sareis Fall wurden laut der norwegischen Organisation Iran Human Rights (IHR) auch zwei Frauen zum Tode verurteilt – in zwei getrennten Verfahren wegen ihrer Beteiligung an den regierungskritischen Protesten vom Jänner in der Stadt Isfahan. IHR erklärte, die Anwälte der Angeklagten hätten zu einem Großteil der Akten keinen Zugang gehabt und nicht ausreichend Zeit erhalten, um Dokumente und Beweismittel zu prüfen. Namen und weitere Details zu den beiden Frauen liegen nicht vor. Wie „Neue Nachrichten“ bereits berichtet hat, waren zuvor im Zusammenhang mit den Jänner-Protesten auch zwei Männer in Isfahan öffentlich hingerichtet worden.

Repression nach den Protesten: unklare Gesamtzahlen

Menschenrechtsorganisationen sprechen von 29 Hinrichtungen im Iran in den vergangenen Monaten im Zusammenhang mit den Protesten vom Jänner sowie von zwei weiteren Todesurteilen gegen Personen, die im Zusammenhang mit den Protesten nach Aminis Tod 2022 verurteilt wurden. Eine unabhängige, etwa gerichtliche oder amtliche Bestätigung dieser Zahlen liegt nicht vor; sie stammen ausschließlich aus Angaben von Menschenrechtsorganisationen, die die Lage im Iran von außen beobachten.

Was unklar bleibt

Offen ist, wann und ob das Todesurteil gegen Sarei vollstreckt wird und ob Rechtsmittel möglich sind. Welche konkreten Vorwürfe und Beweise dem Gericht als Grundlage für die Einstufung als „Korruption auf Erden“ dienten, ist aus den vorliegenden Quellen nicht ersichtlich. Eine Stellungnahme der iranischen Justiz oder Regierung zu Sareis Fall oder zu den beiden Todesurteilen gegen die Frauen in Isfahan liegt nicht vor. Auch Identität und Verfahrensverlauf im Fall der beiden Frauen sind nicht näher bekannt.

Einordnung

Der Fall reiht sich in eine seit Monaten anhaltende Welle von Todesurteilen und Hinrichtungen im Zusammenhang mit den Protesten gegen die iranische Führung ein – sowohl gegen Teilnehmer der Proteste vom Jänner 2026 als auch, Jahre später, gegen Personen im Zusammenhang mit den Protesten von 2022. Die vorliegende Berichterstattung stützt sich nahezu ausschließlich auf Menschenrechtsorganisationen und die iranische Exilopposition; eine Perspektive der iranischen Behörden fehlt bislang vollständig.