Elfriede Jelineks neues Stück „Unter Tieren“ ist am 16. August 2026 auf der Perner-Insel in Hallein als letzte große Premiere der Salzburger Festspiele uraufgeführt worden. Regie führte Nicolas Stemann, die rund dreieinhalb bis vier Stunden lange Aufführung ohne Pause endete mit Standing Ovations. Jelinek versteht das Werk als Fortsetzung ihrer Wirtschaftskomödie „Die Kontrakte des Kaufmanns“ von 2009 und erzählt die Abrechnung mit dem Finanzkapitalismus diesmal aus der Perspektive von Tieren, mit Bezügen zu realen Fällen wie René Benko oder der Bank Burgenland.
Für Aufsehen sorgte im Vorfeld die Ankündigung einer möglichen Zuschaltung des Tech-Milliardärs Peter Thiel. Festspielintendantin Karin Bergmann stellte klar, dass es keine echte Anfrage an Thiel gebe – sein Konterfei tauche höchstens im KI-generierten Teil der Inszenierung auf. Genau das ist laut übereinstimmenden Berichten eingetreten: Eine computeranimierte Thiel-Figur erscheint zweimal, unter anderem als Pappfigur neben Sebastian Kurz. Wie die im Stück satirisch bedachten Personen darauf reagieren und wie die Kritiken bei den weiteren Vorstellungen bis 26. August ausfallen, ist offen.
Was passiert ist
Elfriede Jelineks neues Theaterstück „Unter Tieren“ ist am Sonntag, den 16. August 2026, auf der Perner-Insel in Hallein uraufgeführt worden – als letzte große Premiere der Salzburger Festspiele in dieser Saison. Regie führte Nicolas Stemann, der bereits Jelineks Wirtschaftskomödie „Die Kontrakte des Kaufmanns“ 2009 inszeniert hatte. Die Aufführung dauerte nach übereinstimmenden Berichten rund dreieinhalb bis vier Stunden, ohne geplante Pause; das Publikum konnte den Saal jederzeit verlassen und die Vorstellung parallel auf Monitoren in den Pausenräumen verfolgen. Am Ende gab es Standing Ovations. Zur Besetzung zählten unter anderem Mavie Hörbiger, Caroline Peters, Sebastian Rudolph, Branko Samarovski, Thiemo Strutzenberger, Azaria Dowuona-Hammond und Inge Maux, für die Musik zeichneten Thomas Kürstner und Sebastian Vogel verantwortlich. Weitere Vorstellungen sind für 18., 19., 21., 22., 24. und 26. August angesetzt.
Worum es geht
Jelinek versteht „Unter Tieren“ als eine Art Fortsetzung ihrer 2009 uraufgeführten Wirtschaftskomödie und verlegt die Abrechnung mit dem Finanzkapitalismus diesmal in die Perspektive von Tieren – unter anderem Taube, Hase, Ratte und Ente sowie Figuren wie „Lamm Gottes“ und „Pro und Contra“ treten als Erzählinstanzen auf. Als Stoff dienen der Autorin reale Fälle aus dem österreichischen Wirtschaftsleben, etwa die Immobilienpleite rund um René Benko oder die Affäre um die Bank Burgenland; auch Namen wie Siegfried Wolf und Sebastian Kurz fallen im Zusammenhang mit der Kapitalismuskritik des Stücks. Kritiken beschreiben den Abend als lautes, comichaft überzeichnetes Text-Happening mit hohem Unterhaltungswert.
Der KI-Thiel-Auftritt
Im Vorfeld hatte Stemann erklärt, er habe den Tech-Milliardär Peter Thiel zu einer möglichen Zuschaltung eingeladen, ohne dass zum Zeitpunkt der Ankündigung klar war, ob und wie das umgesetzt werden könne. Festspielintendantin Karin Bergmann widersprach dem laut Kurier-Bericht wenige Tage vor der Premiere: Es gebe keine Anfrage an Thiel, selbst mitzuwirken oder aufzutreten; wenn, dann komme sein Konterfei ausschließlich im KI-generierten Teil der Inszenierung vor, an dem das Team noch arbeite. Nach der Premiere berichten mehrere Medien übereinstimmend, dass genau das eingetreten ist: Ein längerer, von einer KI mitgestalteter Abschnitt zeigt eine computeranimierte Version Thiels – laut Berichten unter anderem als Pappfigur neben einer Sebastian-Kurz-Darstellung sowie als Gesprächspartner mit metallischer Stimme auf einer Leinwand. Eine tatsächliche Zuschaltung des echten Peter Thiel fand demnach nicht statt; der Standard beschreibt das Ergebnis in seiner Kritik als „netten KI-Thiel“.
Was unklar bleibt
Offen ist, ob und wie die im Stück satirisch adressierten realen Personen – Thiel, Kurz oder Benko – auf ihre Darstellung reagieren; öffentliche Stellungnahmen von ihnen liegen bislang nicht vor. Auch zu technischen Details der KI-Sequenz, etwa welches Verfahren oder welche Software für die Animation verwendet wurde, geben die vorliegenden Quellen keine Auskunft. Wie sich Kritik und Publikumsreaktion bei den weiteren Vorstellungen bis 26. August entwickeln, ist derzeit ebenfalls nicht abzusehen.
Einordnung
Die Kapitalismus- und Tech-Milliardärs-Satire reiht sich in ein Muster dieser Festspielsaison: Auch bei der neuen „Ariadne auf Naxos“-Inszenierung von Ersan Mondtag wurde die Handlung, wie berichtet, auf eine Mars-Raumstation im Stil eines Tech-Milliardärs verlegt und sorgte dort für eine kontroverse, von Buhrufen begleitete Publikumsreaktion. „Unter Tieren“ knüpft damit thematisch an eine wiederkehrende Auseinandersetzung der Salzburger Festspiele 2026 mit Finanzkapitalismus und Tech-Eliten an, erntete mit den Standing Ovations für Jelinek und Stemann aber eine deutlich positivere Resonanz.

