Im Jemen dauern die Anfang September einsetzenden Gefechte zwischen Regierungstruppen und Huthi-Miliz auch Mitte des Monats unvermindert an. Nach der ersten Eskalationswelle (mehr als 140 Tote binnen weniger Tage, laut einer AFP-Zählung über 300 seit Beginn) konzentrierten sich die Kämpfe laut einer dpa-Meldung vom 17. September seit der Nacht auf den Westen der Provinz Taiz, nahe der Meerenge Bab al-Mandab. Aus dem Umfeld der Regierungstruppen hieß es, es sei unter anderem mit Luftschlägen gelungen, ein Vorrücken der Huthis an zwei Fronten zu verhindern; dabei seien Dutzende Huthi-Kämpfer getötet oder verwundet und eine Huthi-Drohne abgeschossen worden. Huthi-nahe Medien berichteten ihrerseits von saudischen Luftangriffen auf Sendemasten in Taiz und Hadscha – beide Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen und stammen jeweils nur von einer Konfliktseite.
Deutlich belastbarer ist die Quellenlage bei den Vertriebenenzahlen: Laut dem UN-Nothilfebüro OCHA wurden seit Anfang September landesweit mehr als 125.000 Menschen neu vertrieben, ein Großteil davon aus Taiz, wo die Regierung von rund 67.000 Vertriebenen ausgeht – eine Größenordnung, die auch durch unabhängige internationale Berichterstattung gestützt wird. Wie „Neue Nachrichten“ bereits berichtet hat, hatte die Huthi-Miliz im Zuge der Eskalation zwischenzeitlich zudem den Hafen Mokka, den Küstenort Dhubab und die Insel Mayyun eingenommen und damit Kontrolle über die gesamte Meerenge Bab al-Mandab erlangt, was auch den Ölpreis deutlich anstiegen ließ. Als Reaktion darauf hat Italien angekündigt, die Durchfahrt seiner Schiffe notfalls mit der eigenen Marine im Alleingang zu schützen, statt eine gemeinsame EU-Entscheidung abzuwarten; Verteidigungsminister Guido Crosetto warnte vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen einer Blockade und begründete den Schritt mit der Sorge vor zu langsamer europäischer Entscheidungsfindung.
Die Grundzahlen zur ersten Eskalationswoche (84 getötete Soldaten, 57 getötete Huthi-Kämpfer, sechs getötete Zivilisten bei einem Busangriff in Taiz) stammen weiterhin aus anonymen Militär- und Huthi-Kreisen, gestützt durch eine im August veröffentlichte OHCHR-Erklärung, die allgemeine internationale Besorgnis über den Konflikt dokumentiert, aber keine der konkreten Zahlen bestätigt. Offen bleibt, wie der Kampf um Taiz weitergeht, ob sich die einseitig gemeldeten Gefechtsdetails noch unabhängig bestätigen lassen, wie sich die auf über 125.000 gewachsene Zahl an Vertriebenen humanitär auswirkt und ob Italien den angekündigten Marineeinsatz tatsächlich umsetzt.
Was passiert ist
Im Jemen ist die Zahl der Toten bei den Anfang September einsetzenden Gefechten zwischen Regierungstruppen und der Huthi-Miliz binnen weniger Tage deutlich gestiegen: Wurde am Wochenende des 5./6. September zunächst von mehr als 60 Getöteten berichtet, war rasch von mehr als 140 Toten die Rede, einer AFP-Zählung zufolge insgesamt mehr als 300 seit Beginn der Eskalation. Nach Angaben aus Militärkreisen wurden mindestens 84 Soldaten der Regierungsarmee getötet, meist bei Raketenangriffen; Huthi-Quellen sprachen ihrerseits von 57 getöteten Kämpfern auf ihrer Seite. In der Stadt Taiz wurden sechs Zivilisten bei einem Raketenangriff auf einen Bus getötet, sieben weitere verletzt. Auslöser war ein Vorstoß der Huthi-Miliz Richtung Meerenge Bab al-Mandab, mit dem sie den Hafen Mokka abzuschneiden versuchte.
Die Kämpfe dauern auch gut zwei Wochen später an. Nach einer dpa-Meldung aus dem Umfeld der Regierungstruppen vom 17. September konzentrierten sich die Gefechte seit der Nacht auf den Westen der Provinz Taiz, weiterhin nahe der Meerenge – jener Küstenregion, die die Huthi-Miliz laut Berichten inzwischen weitgehend erobert hat. Der Regierung sei es unter anderem mit Luftschlägen gelungen, ein Vorrücken der Huthis an zwei Fronten zu verhindern; dabei seien Dutzende Huthi-Kämpfer getötet oder verwundet und eine Huthi-Drohne nahe der Meerenge abgeschossen worden. Huthi-nahe Medien wiederum berichteten von saudischen Luftangriffen auf Sendemasten in den Provinzen Taiz und Hadscha. Beide Angaben ließen sich laut der Quelle nicht unabhängig überprüfen.
Parallel dazu ist die Zahl der Vertriebenen deutlich gewachsen: Nach Regierungsschätzungen mussten allein in der Region Taiz rund 67.000 Menschen wegen der Kämpfe fliehen, landesweit wird von mehr als 125.000 Vertriebenen seit Anfang September ausgegangen.
Als neue Entwicklung hat Italien am 17. September angekündigt, die Durchfahrt italienischer Schiffe durch die Meerenge notfalls mit der eigenen Marine zu schützen, statt auf eine gemeinsame Entscheidung der EU zu warten. Verteidigungsminister Guido Crosetto begründete den Schritt damit, man wolle nicht durch europäische Bürokratie ausgebremst werden, und warnte, eine blockierte Durchfahrt hätte erhebliche wirtschaftliche Folgen.
Was die Quellen zeigen
Sowohl die ursprünglichen Opferzahlen von über 60 und über 140 Toten als auch die Gefechtsdetails vom 17. September gehen letztlich auf dieselbe Kette zurück: eine Agenturmeldung (zunächst AFP, aktuell dpa), die sich auf anonyme militärische bzw. regierungsnahe Kreise sowie auf Huthi-Quellen stützt und von ORF, Der Standard, Kleine Zeitung und Die Presse nahezu wortgleich wiedergegeben wurde. Das ist keine unabhängige Mehrfachbestätigung, sondern ein einzelner Quellenstrang, der lediglich mehrfach verbreitet wird. Die Angaben zu abgewehrten Huthi-Vorstößen, getöteten oder verwundeten Huthi-Kämpfern und der abgeschossenen Drohne stammen ausschließlich aus dem Umfeld der Regierungstruppen; eine Huthi-Gegendarstellung dazu liegt nicht vor. Umgekehrt ist auch der Bericht Huthi-naher Medien über saudische Luftangriffe auf Sendemasten einseitig und unbestätigt.
Deutlich belastbarer ist die Quellenlage zu den Vertriebenenzahlen: Eine offizielle UN-Meldung (UN News, unter Berufung auf das Nothilfebüro OCHA) bestätigt unabhängig von der Agenturkette, dass seit Anfang September landesweit mehr als 125.000 Menschen neu vertrieben wurden, der Großteil davon aus Taiz. Auch ein Bericht von Al Jazeera über überfüllte Vertriebenenlager in Taiz stützt dieses Bild. Die von der Regierung genannte Zahl von rund 67.000 Vertriebenen allein aus der Region Taiz liegt damit in einer Größenordnung, die auch durch unabhängige Berichterstattung über einen ähnlichen Zeitraum (rund 65.800 Vertriebene in Taiz zwischen 10. August und 15. September) grob gestützt wird, auch wenn Zeiträume und genaue Zahlen leicht voneinander abweichen. Ergänzend liegt weiterhin eine Pressemitteilung des UN-Menschenrechtsbüros (OHCHR) vom 17. August 2026 vor, die sich auf Vorfälle vor der aktuellen Eskalation bezieht, aber die grundsätzliche internationale Besorgnis über den Konflikt dokumentiert.
Zur Ankündigung Italiens liegt keine direkt eingesehene Regierungsmitteilung vor, sondern eine breit gestreute, dpa-basierte Medienmeldung mit einem wörtlichen Zitat von Verteidigungsminister Crosetto. Als Wiedergabe einer öffentlichen politischen Ankündigung ist das gut belegt; die vom Minister selbst formulierte wirtschaftliche Warnung ist dagegen seine Einschätzung, keine unabhängig geprüfte Tatsache. Ergänzend deutet ein englischsprachiger Medienbericht darauf hin, dass Italien bereits Teil der seit 2024 bestehenden EU-Marinemission Aspides zum Schutz der Handelsschifffahrt ist und Crosetto zuvor auf mehr Schiffe innerhalb dieser Mission gedrängt hatte – dieser Kontext beruht auf nur einer Quelle und wurde nicht offiziell bestätigt.
Einordnung
Die Huthi-Miliz kontrolliert nach Angaben der Quellen weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa, und hatte Ende Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt. Ein zuvor weitgehend gehaltener, UN-vermittelter Waffenstillstand aus dem Jahr 2022 war im Juli 2026 zusammengebrochen. Wie „Neue Nachrichten“ bereits berichtet hat, hatte die Huthi-Miliz im Verlauf der Eskalation nach Medienangaben zwischenzeitlich auch den Hafen Mokka, den Küstenort Dhubab und die Insel Mayyun eingenommen und damit die Kontrolle über die gesamte Meerenge Bab al-Mandab erlangt – begleitet von einem deutlichen Anstieg des Ölpreises. Die jetzigen Gefechte in der Provinz Taiz deuten darauf hin, dass die Auseinandersetzung sich nicht auf die Küste beschränkt, sondern ins jemenitische Hinterland verlagert hat, wo die Regierung nach eigenen Angaben versucht, weitere Gebietsverluste zu verhindern.
Genau diese vollständige Kontrolle der Huthi-Miliz über die Meerenge ist der unmittelbare Anlass für Italiens Ankündigung: Rom will die Durchfahrt seiner Handelsschiffe notfalls mit eigenen Marineeinheiten absichern, statt auf eine gemeinsame europäische Entscheidung zu warten. Damit reagiert Italien auf dieselbe Entwicklung, über die „Neue Nachrichten“ bereits im Zusammenhang mit dem sprunghaft gestiegenen Ölpreis berichtet hat. Ob es sich dabei tatsächlich um einen nationalen Alleingang außerhalb bestehender europäischer Strukturen handelt oder eher um Druck auf die laufende EU-Mission Aspides, mehr Schiffe zu entsenden, lässt sich anhand der bisherigen Berichterstattung nicht abschließend trennen.
Die internationale Dimension bleibt insgesamt bestehen: Ein Teil der aus Taiz Vertriebenen soll den Berichten zufolge über die Meerenge Bab al-Mandab nach Djibouti geflohen sein. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte hatte bereits Mitte August alle Seiten zur Zurückhaltung aufgerufen und auf die ohnehin prekäre humanitäre Lage im Jemen verwiesen; die nun bestätigte Vertreibung von mehr als 125.000 Menschen seit Anfang September zeigt, dass sich diese Lage seither eher verschärft als entspannt hat. Ein direkter, belegter Zusammenhang zur breiteren regionalen Konfliktlage rund um die Auseinandersetzung zwischen dem Iran und seinen Gegnern, etwa in der Straße von Hormus, worüber „Neue Nachrichten“ ebenfalls berichtet hat, liegt nicht vor, auch wenn beide Konflikte zur angespannten Lage am Roten Meer bzw. Golf beitragen und sich in steigenden Öl- und Spritpreisen niederschlagen, worüber ebenfalls berichtet wurde.
Was unklar bleibt
Offen ist weiterhin, ob sich die Opferzahlen aus der ersten Septemberwoche (140+ bzw. 300+ Tote) unabhängig bestätigen lassen. Zu den Gefechtsdetails vom 17. September – abgewehrte Huthi-Vorstöße, Dutzende getötete oder verwundete Huthi-Kämpfer, die abgeschossene Drohne sowie die angeblichen saudischen Luftangriffe auf Sendemasten – liegt weiterhin keinerlei unabhängige Bestätigung vor; beide Konfliktseiten präsentieren ausschließlich ihre eigene Version. Unklar bleibt zudem, ob die jemenitische Regierung tatsächlich, wie mehrfach berichtet, eigene Luftangriffe fliegt, und ob eine internationale Stelle sich zur jüngsten Eskalation in Taiz oder zur neuen Vertreibungswelle äußert.
Neu hinzugekommen ist die Frage, ob Italien den angekündigten Marineeinsatz tatsächlich umsetzt, wie er konkret aussehen würde und wie die EU-Partner sowie die bestehende Mission Aspides darauf reagieren – ein gemeinsamer europäischer Kurs oder ein tatsächlicher nationaler Alleingang lässt sich anhand der bisherigen Berichte noch nicht unterscheiden. Offen bleibt schließlich, wie der Kampf um Taiz weitergeht, ob die Regierung ihre Position halten kann und welche Folgen die anhaltende Kontrolle der Huthi-Miliz über die Küste und die Meerenge für die internationale Schifffahrt sowie für die humanitäre Versorgung der weiter wachsenden Zahl an Vertriebenen hat.

