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Die spanische Seenotrettung hat am Mittwochabend rund 120 bis 140 Kilometer südwestlich von Gran Canaria ein manövrierunfähiges Boot mit 44 Überlebenden und fünf Leichen entdeckt. Die Überlebenden wurden in der Nacht auf Donnerstag im Hafen von Arguineguín an Land gebracht, drei von ihnen mussten wegen ihres kritischen Zustands per Hubschrauber in Krankenhäuser gebracht werden. Die fünf Toten konnten wegen schlechten Wetters zunächst nicht geborgen werden.

Laut der NGO Caminando Fronteras war das Boot bereits am 7. August mit rund 127 Menschen von Gambia aus gestartet; spanische Sicherheitskräfte sollen dies anhand von Rumpfmarkierungen bestätigt haben, Überlebende hätten die Zahl gegenüber der Polizei bekräftigt. Rechnerisch wären damit deutlich mehr als 80 Menschen ums Leben gekommen. Offiziell bestätigt haben spanische Behörden bislang jedoch nur die fünf im Boot gefundenen Toten – die höhere Zahl bleibt eine NGO-Schätzung.

Die Route von Westafrika zu den Kanaren gilt als eine der gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Laut UNHCR erreichten 2026 bereits mehr als 4.800 Menschen die Inseln, im Atlantik und westlichen Mittelmeer wurden seit Jahresbeginn 586 Tote oder Vermisste gezählt, Caminando Fronteras zählte bis Mai bereits über 1.300.

Was passiert ist

Die spanische Seenotrettung hat am Mittwochabend ein manövrierunfähiges Boot mit Migranten entdeckt. Nach übereinstimmenden Angaben lag das Boot zu diesem Zeitpunkt zwischen rund 120 und 140 Kilometer südwestlich von Gran Canaria im offenen Atlantik. Ein Flugzeug der Seenotrettung machte das Boot kurz vor 19 Uhr Ortszeit ausfindig, das Rettungsschiff „Guardamar Urania“ übernahm anschließend den Einsatz. In der Nacht auf Donnerstag wurden 44 Überlebende im Hafen von Arguineguín an Land gebracht. An Bord befanden sich außerdem fünf Leichen; wegen starken Windes und hohen Wellengangs konnten sie nicht geborgen werden, das Boot wurde zunächst treibend zurückgelassen. Drei der Geretteten waren in einem derart kritischen Zustand, dass sie per Hubschrauber in Krankenhäuser auf der Insel gebracht werden mussten.

Was die Quellen zeigen

Zur Herkunft des Bootes liegen vor allem Angaben der spanischen NGO Caminando Fronteras vor, die über ein Netzwerk von Informanten und Kontakten zu Angehörigen von Migranten in West- und Nordafrika verfügt. Demnach war das nun gefundene Boot bereits am 7. August mit rund 127 Menschen, darunter mehrere Frauen und ein Baby, von Gambia aus in Richtung Kanaren aufgebrochen – nach eigenen Angaben hätten spanische Sicherheitskräfte diese Herkunft anhand von Markierungen am Bootsrumpf bestätigt. Überlebende sollen der Polizei gegenüber die ursprüngliche Passagierzahl ebenfalls bestätigt haben. Rechnerisch ergäbe sich daraus eine Zahl von deutlich mehr als 80 Menschen, die während der rund 26-tägigen Überfahrt ums Leben gekommen wären. Wichtig für die Einordnung: Offizielle spanische Stellen – Seenotrettung und der Notruf-Koordinationsdienst 112 Canarias – haben bislang ausschließlich die fünf im Boot gefundenen Toten bestätigt. Die höhere Opferzahl ist damit eine Einschätzung der NGO, keine amtlich verifizierte Bilanz.

Eine der gefährlichsten Fluchtrouten

Die Überfahrt von Westafrika zu den Kanaren in kleinen, offenen Holzbooten gilt Hilfsorganisationen zufolge als eine der gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR erreichten seit Jahresbeginn 2026 bereits mehr als 4.800 Menschen von Afrika aus die spanischen Inseln. Wie viele auf dem Weg dorthin durch Stürme, Hunger oder Durst ums Leben kamen, ist laut UNHCR nicht genau bekannt: Die Organisation zählte im Atlantik und im westlichen Mittelmeer seit Jahresbeginn insgesamt 586 Tote oder Vermisste, während Caminando Fronteras bereits bis Mai von mehr als 1.300 Toten und Vermissten ausging. Wie berichtet gab es 2026 bereits mehrere ähnliche Vorfälle auf dieser Route, darunter ein im August vor Mallorca entdecktes Boot mit nach Überlebenden-Angaben 17 Toten – auch dort blieb eine unabhängige Bestätigung der genannten Opferzahl bislang aus.

Was unklar bleibt

Offen ist vor allem, ob spanische Behörden die von Caminando Fronteras genannte Gesamtzahl von mehr als 80 Toten im Lauf der Ermittlungen offiziell bestätigen werden – bislang stehen sich eine amtliche Zählung von fünf Toten und eine NGO-Schätzung von über 80 gegenüber. Auch die genaue ursprüngliche Passagierzahl schwankt in den vorliegenden Quellen zwischen 127 und 128. Unklar sind zudem die Herkunftsländer der Insassen, die genauen Umstände der rund 26-tägigen Irrfahrt sowie mögliche Hinweise auf ein organisiertes Schleusernetzwerk. Auch ob aus dem zunächst treibend zurückgelassenen Boot noch weitere Leichen geborgen werden können, ist offen.