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Die rund 10.300 Planstellen für Vertragsärztinnen und -ärzte der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) sind Stand 1. August 2026 zu mehr als 97 Prozent besetzt. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) sieht die Versorgung trotz teils langer Wartezeiten als sichergestellt an. Regional und fachlich zeigen sich dennoch deutliche Lücken: In Tirol fehlen 6,5 Prozent der Facharztstellen, im Burgenland 4 Prozent der Allgemeinmedizinplätze. Noch größer ist der Rückstand in der Zahnmedizin mit rund 91 Prozent Besetzungsgrad und 242 offenen Stellen, ähnlich in Kieferorthopädie, Frauenheilkunde und Haut- und Geschlechtskrankheiten.

Laut einer Anfragebeantwortung an die FPÖ verweist Schumann auf ein aus ihrer Sicht dichtes Versorgungsnetz, räumt aber Nachbesetzungs- und Verteilungsprobleme durch den Generationenwechsel ein. Als Maßnahmen nennt sie 100 zusätzliche, bundesfinanzierte Vertragsstellen, einen 2023/2024 gewährten Startbonus von bis zu 100.000 Euro sowie einen für 2026 bis 2030 eingerichteten Reformfonds mit jährlich über 300 Millionen Euro, davon 182 Millionen für Primärversorgungszentren.

Offen bleibt, wie wirksam diese Maßnahmen tatsächlich sind und wie Ärztekammer, Patientenvertretungen oder die FPÖ selbst die Lage einschätzen – dazu liefern die vorliegenden Medienberichte keine Angaben.

Was passiert ist

Trotz anhaltender Klagen über einen Mangel an Kassenärztinnen und -ärzten sind die rund 10.300 Planstellen für Vertragsärzte der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) Stand 1. August 2026 zu mehr als 97 Prozent besetzt. Das geht aus dem ÖGK-Stellenplanmonitoring hervor, auf das sich mehrere österreichische Medien übereinstimmend berufen. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) sieht die Versorgung trotz teils langer Wartezeiten auf einen Termin als sichergestellt an.

Regionale und fachliche Unterschiede

Der hohe Gesamtbesetzungsgrad verdeckt teils deutliche regionale und fachliche Lücken. Bei den Fachärztinnen und -ärzten fehlen österreichweit 92 Stellen, am stärksten betroffen ist Tirol mit 6,5 Prozent offenen Stellen. Bei der Allgemeinmedizin sind 94 Plätze nicht besetzt oder bereits gebunden, hier zeigt sich die größte Lücke im Burgenland mit 4 Prozent. Noch größer ist der Rückstand in der Zahnmedizin, wo der Besetzungsgrad bei rund 91 Prozent liegt und 242 Stellen offen wären. Ähnliche Werte zwischen 90 und 92 Prozent finden sich in der Kieferorthopädie, bei Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie in der Frauenheilkunde. Vergleichsweise gut besetzt ist mit 96 Prozent die viel diskutierte Kinder- und Jugendpsychiatrie – dort gibt es bundesweit allerdings auch nur 53,5 Planstellen, was die hohe Quote relativieren dürfte.

Maßnahmen der Regierung

Die Zahlen und die Einschätzung der Ministerin stammen laut übereinstimmenden Medienberichten aus einer jüngst an die FPÖ ergangenen Anfragebeantwortung. Darin verweist Schumann auf ein aus ihrer Sicht dichtes Versorgungsnetz im niedergelassenen Bereich, räumt zugleich Nachbesetzungs- und Verteilungsprobleme ein und führt diese unter anderem auf den Generationenwechsel sowie den bei jüngeren Ärztinnen und Ärzten gestiegenen Wunsch nach Work-Life-Balance zurück. Als bereits gesetzte Maßnahmen nennt sie 100 vom Bund zusätzlich finanzierte Vertragsstellen in acht Fachgebieten sowie einen 2023/2024 gewährten Startbonus von bis zu 100.000 Euro für schwer besetzbare Stellen. Für die Jahre 2026 bis 2030 verweist sie zudem auf einen neu geschaffenen Gesundheitsreformfonds, der jährlich mehr als 300 Millionen Euro bereitstellt – davon 182 Millionen Euro für Primärversorgungszentren und weitere geplante Formen der Zusammenarbeit von Ärztinnen und Ärzten.

Was unklar bleibt

Aus den vorliegenden Medienberichten geht nicht hervor, wie wirksam der Startbonus in der Praxis tatsächlich war oder wie sich die regionalen Lücken konkret auf Wartezeiten und Versorgungsqualität für Patientinnen und Patienten auswirken. Ebenso fehlt in der Berichterstattung eine Einordnung durch die Ärztekammer, durch Patientenvertretungen oder durch die FPÖ selbst, deren parlamentarische Anfrage den Anlass für die Stellungnahme der Ministerin bildete. Auch ob die für 2026 bis 2030 vorgesehenen Fondsmittel angesichts des Generationenwechsels ausreichen, lässt sich aus den Quellen nicht beurteilen.

Einordnung

Die Debatte um einen Ärztemangel im niedergelassenen Bereich wird in Österreich seit Jahren geführt, während amtliche Besetzungsstatistiken regelmäßig einen insgesamt hohen Auslastungsgrad ausweisen. Die aktuellen Zahlen fügen sich in dieses Muster: Ein bundesweit hoher Durchschnittswert relativiert die spürbaren lokalen und fachlichen Engpässe nicht, die vor allem strukturschwächere Regionen und einzelne Fachbereiche wie Zahnmedizin oder Frauenheilkunde betreffen. Wie tragfähig die von der Regierung angekündigten Instrumente – Reformfonds, Primärversorgungszentren, neue Vertragsstellen – langfristig sind, wird sich erst an künftigen Stellenplanmonitorings zeigen.