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Ein Forschungsteam um Viana Copeland vom Chaim Sheba Medical Center in Tel Aviv hat beim ESC-Kardiologiekongress 2026 in München ein KI-System vorgestellt, das aus Mammografie-Aufnahmen nicht nur Brustkrebs-Anzeichen, sondern auch Hinweise auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ableitet. Die Grundidee: Mammografie-Screenings sind bei Frauen ohnehin weit verbreitet und könnten so einen medizinischen Zusatznutzen liefern, ohne eine eigene Untersuchung nötig zu machen.

Für die Studie wertete das Team Daten von knapp 30.000 Frauen mit rund 100.000 Mammografien aus. Ein trainiertes Deep-Learning-Modell erreichte AUROC-Werte von 0,79 für Bluthochdruck, 0,78 für koronare Herzkrankheit und 0,86 für einen zurückliegenden Schlaganfall – Werte deutlich über dem Zufallsniveau. Laut Copeland könnte der Ansatz besonders in der Lebensmitte helfen, ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko frühzeitig zu erkennen.

Offen bleibt, wie das Modell in unabhängigen Validierungsstudien abschneidet, wie hoch die Fehlerraten in der Praxis tatsächlich sind und wann ein klinischer Einsatz realistisch wäre. Eine vollständige, begutachtete Fachpublikation liegt bislang nicht vor; das Team kündigte an, Genauigkeit und Fehlerraten weiter verbessern zu wollen.

Was passiert ist

Ein Forschungsteam um Viana Copeland vom Chaim Sheba Medical Center in Tel Aviv hat beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) 2026 in München ein KI-System vorgestellt, das Mammografie-Aufnahmen nicht nur auf Brustkrebs-Anzeichen, sondern auch auf Hinweise für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin auswertet. Die Idee dahinter: Mammografie-Screenings sind bei Frauen bereits breit etabliert und könnten so einen zusätzlichen medizinischen Nutzen liefern, ohne dass eine eigene bildgebende Untersuchung nötig wird. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten bei Frauen laut der Fachgesellschaft als unterdiagnostiziert, obwohl sie weltweit die häufigste Todesursache bei Frauen sind.

Was die Studie zeigt

Für die Untersuchung wertete das Team Daten von knapp 30.000 Frauen mit einem mittleren Alter von 54 Jahren aus, die zusammen rund 100.000 Mammografie-Untersuchungen hinter sich hatten. Aus elektronischen Patientinnenakten und weiteren Quellen wurde erhoben, wer bereits an Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit oder einem Schlaganfall litt beziehungsweise gelitten hatte: 16 Prozent der Frauen hatten erhöhten Blutdruck, je 2,5 Prozent eine diagnostizierte koronare Herzkrankheit oder einen früheren Schlaganfall. Ein darauf trainiertes Deep-Learning-Modell erzielte für die Erkennung dieser drei Erkrankungen aus den Mammografie-Bildern AUROC-Werte von 0,79 für Bluthochdruck, 0,78 für koronare Herzkrankheit und 0,86 für einen zurückliegenden Schlaganfall – Werte, die laut ESC deutlich über dem Zufallsniveau von 0,5 liegen und sich einer perfekten Vorhersage (1,0) annähern.

Einordnung

Copeland betonte laut ESC-Pressemitteilung, dass die gleichzeitige Auswertung ohnehin vorhandener Mammografie-Bilder auf kardiovaskuläre Informationen einen skalierbaren Ansatz bieten könnte, weil keine zusätzliche Untersuchung nötig wäre. Die Mammografie erreiche viele Frauen genau in der Lebensphase, in der sich ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko oft erstmals zeigt. Auch ein Mitglied des ESC-Kommunikationsausschusses ordnete die Arbeit als Hinweis darauf ein, dass eine Mammografie künftig mehr leisten könnte als reine Brustkrebs-Vorsorge. Eine von der Studie unabhängige fachliche Bewertung, etwa durch nicht beteiligte Radiologie- oder Kardiologie-Fachleute, liegt bislang nicht vor.

Was unklar bleibt

Es handelt sich um Ergebnisse, die auf einem Fachkongress präsentiert wurden; eine vollständige, unabhängig begutachtete Fachpublikation mit sämtlichen Methodendetails ist nach derzeitigem Kenntnisstand noch nicht öffentlich verfügbar. Offen ist damit unter anderem, wie das Modell in einer von den Autorinnen und Autoren unabhängigen Validierungskohorte abschneidet, wie stark falsch-positive und falsch-negative Befunde bislang ins Gewicht fallen und in welchem Zeitrahmen ein klinischer Einsatz überhaupt realistisch wäre. Das Forschungsteam selbst kündigte laut den vorliegenden Berichten an, die Genauigkeit weiter verbessern und künftig auch prüfen zu wollen, ob sich mit Mammografien weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkennen lassen. Die häufig zitierte Zahl von mehr als 800.000 jährlichen Mammografien in Österreich stammt bislang nur aus einer der Quellen und ist nicht gesondert amtlich bestätigt.