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Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec (ÖVP) hat sich im APA-Gespräch offen für eine Debatte über eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters gezeigt. Ausschlaggebend solle dabei nicht das Geburtsdatum sein, sondern die Zahl der Berufsjahre – etwa 40, 42 oder 45 Jahre. Zusätzlich kann sie sich eine Kopplung an die Lebenserwartung vorstellen, mit schrittweisen Anhebungen um ein bis zwei Monate alle zwei bis fünf Jahre. Beschlüsse erwartet sie in dieser Legislaturperiode nicht, spätestens 2030 müsse sich aber die dann amtierende Regierung mit dem Thema befassen, weil der gesetzliche Nachhaltigkeitsmechanismus ihrer Einschätzung nach nicht erreicht werde.

Der Vorstoß löste unterschiedliche Reaktionen aus. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch kritisierte die Debatte als „zutiefst verunsichernd für die arbeitende Bevölkerung“, die JUNOS forderten dagegen, die Entscheidung nicht bis 2030 hinauszuzögern. Zwei Tage später positionierte sich auch der SPÖ-nahe Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) gegen den Vorstoß: Präsidentin Birgit Gerstorfer nannte eine Kopplung des Antrittsalters an die Lebenserwartung „sozial ungerecht“, da längeres Leben nicht automatisch längere Arbeitsfähigkeit bedeute. Unter Verweis auf rund 120.000 arbeitslose oder in Schulung befindliche Menschen ab 50 Jahren im Juni 2026 – eine Zahl aus ihrer eigenen Aussendung – forderte sie, zuerst den Verbleib Älterer in Beschäftigung sicherzustellen, bevor über ein höheres Antrittsalter diskutiert werde.

Offen bleibt, ob die ÖVP den Vorschlag offiziell zu ihrer Linie macht, welche Berufsjahre-Schwelle am Ende gewählt würde und wie Regierung, Sozialministerium sowie die formellen Sozialpartner ÖGB und Wirtschaftskammer auf den Vorstoß reagieren.

Was Korosec vorschlägt

Die Vorsitzende des ÖVP-nahen Seniorenbunds, Ingrid Korosec, hat sich im APA-Gespräch offen für eine Debatte über eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters gezeigt – allerdings nicht in Form eines pauschal höheren Antrittsalters nach Geburtsjahrgang. Ausschlaggebend solle stattdessen die Zahl der geleisteten Berufsjahre sein: Ob 40, 42 oder 45 Jahre die Grenze bilden, müsse noch ausverhandelt werden, so Korosec. Sie begründet den Vorstoß mit der steigenden Lebenserwartung: „Wenn wir immer älter werden, dann muss sich klarerweise auch etwas verändern.“

Zusätzlich bringt Korosec eine Kopplung des Antrittsalters an die Lebenserwartung ins Spiel, etwa durch eine schrittweise Anhebung um ein bis zwei Monate alle zwei bis fünf Jahre. Nach eigenen Angaben wird dieser von ihr stammende Vorschlag bereits parteiintern in der ÖVP diskutiert. Für die laufende Legislaturperiode rechnet sie allerdings nicht mit Beschlüssen, auch weil das Thema nicht im Regierungsprogramm verankert ist. Konkret werden müsse es aus ihrer Sicht spätestens mit Beginn der nächsten Legislaturperiode – verbunden mit einem „Vertrauensschutz“ von 15 bis 20 Jahren für Menschen, die kurz vor der Pension stehen.

Zeitlicher Hintergrund: Der Nachhaltigkeitsmechanismus

Als Argument für die Dringlichkeit verweist Korosec auf den gesetzlich verankerten Nachhaltigkeitsmechanismus im Pensionssystem, der ihrer Einschätzung nach „sowieso nicht erreicht“ werde. Spätestens 2030 müsse sich die dann amtierende Regierung mit der Frage auseinandersetzen. Diese Einschätzung stammt allein von Korosec selbst; eine unabhängige Überprüfung des Mechanismus oder der zugrunde liegenden Berechnungen liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor.

Reaktionen: Kritik von FPÖ, Ungeduld bei JUNOS

Der Vorstoß stieß umgehend auf Widerspruch aus der FPÖ. Die freiheitliche Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch erklärte in einer Aussendung, das Anstoßen der Debatte sei „zutiefst verunsichernd für die arbeitende Bevölkerung“. Ob man das Antrittsalter nun an das Geburtsdatum oder an die Beitragsjahre koppelt, ändere an der Kernaussage nichts: Die Menschen sollen länger arbeiten, so Belakowitsch, die stattdessen forderte, jene zu belohnen, die freiwillig länger im Job bleiben.

Aus entgegengesetzter Richtung kam Kritik von den JUNOS. Parteichefin Sophie Wotschke begrüßte zwar, dass Korosec offen ausspreche, was Expertinnen und Experten seit Jahren forderten, kritisierte aber den Zeitplan: Die Entscheidung über eine Erhöhung des Antrittsalters dürfe nicht bis 2030 vertagt werden.

Pensionistenverband: Gerstorfer weist Korosecs Vorstoß zurück

Zwei Tage nach Korosecs Aussagen positionierte sich mit dem SPÖ-nahen Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) erstmals eine große Seniorenorganisation gegen die Debatte. PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer erklärte in einer Aussendung, eine Kopplung des Pensionsalters an die Lebenserwartung wäre „sozial ungerecht“ und würde die Realität vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer völlig ausblenden. Länger zu leben bedeute nicht automatisch, auch länger gesund und voll belastbar arbeiten zu können, so Gerstorfer.

Sie verlagert den Fokus der Debatte auf den Arbeitsmarkt: Laut ihrer Aussendung waren im Juni 2026 rund 120.000 Menschen ab 50 Jahren arbeitslos oder in Schulung. Bevor über ein höheres Pensionsantrittsalter diskutiert werde, müsse zuerst dafür gesorgt werden, dass ältere Menschen überhaupt bis zur Pension in Beschäftigung bleiben können, so Gerstorfer. Diese konkrete Zahl stammt aus der PVÖ-Aussendung selbst; eine unabhängige Aufschlüsselung der amtlichen AMS-Arbeitsmarktdaten nach dieser Alterskategorie ließ sich im Rahmen der Recherche nicht eigenständig nachvollziehen, wenngleich die AMS-Gesamtarbeitslosenzahlen für Juni 2026 (rund 295.000 Arbeitslose plus rund 73.000 Schulungsteilnehmende) unabhängig dokumentiert sind.

Was unklar bleibt

Offen ist weiterhin, ob und in welcher Form die ÖVP als Partei den Vorschlag tatsächlich übernimmt – Korosecs Angabe, das Thema werde intern diskutiert, ist bisher nicht durch eine offizielle Parteiaussage bestätigt. Ebenso unklar ist, welche der genannten Berufsjahre-Schwellen am Ende zur Anwendung kommen würde und wie der angekündigte Vertrauensschutz konkret ausgestaltet werden soll. Mit dem Pensionistenverband hat nun zwar eine einflussreiche, SPÖ-nahe Interessenvertretung reagiert, eine Stellungnahme von Sozialministerium, Regierungsspitze oder den formellen Sozialpartnern ÖGB und Wirtschaftskammer liegt in den vorliegenden Quellen aber weiterhin nicht vor.