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Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec (ÖVP) hatte Ende Juli eine Debatte über ein an Berufsjahre statt an das Geburtsdatum gekoppeltes Pensionsantrittsalter angestoßen. Nun hat Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) diese Debatte konkretisiert: Im Ö1-„Mittagsjournal“ forderte er am 3. August, dass ein Pensionsantritt frühestens mit 65 Jahren und erst nach mindestens 45 Arbeitsjahren möglich sein soll – wer diese Zahl nicht erreicht, müsste länger arbeiten. Für Eltern sollen Betreuungsjahre als Arbeitszeit angerechnet werden.

Der Vorstoß erhielt Rückendeckung von ÖVP-Landesrätin Astrid Mair, die laut Aussendung von „Leistungsgerechtigkeit“ spricht. Widerstand kam dagegen vom Tiroler FPÖ-Abgeordneten Haslwanter, der die Realität körperlich und psychisch fordernder Berufe ausgeblendet sieht, sowie auf Bundesebene von SPÖ-Bundesgeschäftsführer Seltenheim („Hackln bis 70 wird es mit der SPÖ nicht geben“) und FPÖ-Generalsekretär Schnedlitz, der von einem „Anschlag auf die Lebensleistung der Österreicher“ spricht. Die NEOS begrüßen dagegen über Sozialsprecher Gasser die neue Bewegung in der Debatte und verweisen auf den wachsenden Budgetanteil der Pensionen. Auch der Pensionistenverband Österreichs, der bereits Korosecs Vorschlag ablehnte, positioniert sich laut eigener Aussendung gegen Mattles Vorstoß und warnt vor steigender Arbeitslosigkeit älterer Menschen.

Laut einem einzelnen Medienbericht fordert Mattle inzwischen zusätzlich eine öffentliche, live gestreamte Anhörung aller Parteien zu ihren Pensionsreform-Vorschlägen – diese Angabe ist bislang nicht durch weitere Quellen bestätigt. Offen bleibt, ob die ÖVP-Bundespartei einen gemeinsamen Vorschlag formt, ob die geforderte Anhörung stattfindet und wie Regierung, Sozialministerium sowie ÖGB und Wirtschaftskammer reagieren.

Was Korosec vorschlägt

Die Vorsitzende des ÖVP-nahen Seniorenbunds, Ingrid Korosec, hatte sich bereits Ende Juli im APA-Gespräch offen für eine Debatte über eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters gezeigt – allerdings nicht in Form eines pauschal höheren Antrittsalters nach Geburtsjahrgang. Ausschlaggebend solle stattdessen die Zahl der geleisteten Berufsjahre sein: Ob 40, 42 oder 45 Jahre die Grenze bilden, müsse noch ausverhandelt werden, so Korosec. Sie begründet den Vorstoß mit der steigenden Lebenserwartung: „Wenn wir immer älter werden, dann muss sich klarerweise auch etwas verändern.“

Zusätzlich brachte Korosec eine Kopplung des Antrittsalters an die Lebenserwartung ins Spiel, etwa durch eine schrittweise Anhebung um ein bis zwei Monate alle zwei bis fünf Jahre. Nach eigenen Angaben wurde dieser von ihr stammende Vorschlag bereits parteiintern in der ÖVP diskutiert. Für die laufende Legislaturperiode rechnete sie damals nicht mit Beschlüssen, verbunden mit einem „Vertrauensschutz“ von 15 bis 20 Jahren für Menschen, die kurz vor der Pension stehen.

Zeitlicher Hintergrund: Der Nachhaltigkeitsmechanismus

Als Argument für die Dringlichkeit verwies Korosec auf den gesetzlich verankerten Nachhaltigkeitsmechanismus im Pensionssystem, der ihrer Einschätzung nach „sowieso nicht erreicht“ werde. Spätestens 2030 müsse sich die dann amtierende Regierung mit der Frage auseinandersetzen. Diese Einschätzung stammt allein von Korosec selbst; eine unabhängige Überprüfung des Mechanismus oder der zugrunde liegenden Berechnungen liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor.

Reaktionen auf Korosec: Kritik von FPÖ, Ungeduld bei JUNOS

Der Vorstoß stieß umgehend auf Widerspruch aus der FPÖ. Die freiheitliche Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch erklärte in einer Aussendung, das Anstoßen der Debatte sei „zutiefst verunsichernd für die arbeitende Bevölkerung“. Aus entgegengesetzter Richtung kam Kritik von den JUNOS: Parteichefin Sophie Wotschke begrüßte zwar, dass Korosec offen ausspreche, was Expertinnen und Experten seit Jahren forderten, kritisierte aber, dass die Entscheidung über eine Erhöhung des Antrittsalters nicht bis 2030 vertagt werden dürfe.

Pensionistenverband: Gerstorfer weist Korosecs Vorstoß zurück

Wenige Tage nach Korosecs Aussagen positionierte sich mit dem SPÖ-nahen Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) eine große Seniorenorganisation gegen die Debatte. PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer erklärte, eine Kopplung des Pensionsalters an die Lebenserwartung wäre „sozial ungerecht“ und blende die Realität vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus. Laut ihrer Aussendung waren im Juni 2026 rund 120.000 Menschen ab 50 Jahren arbeitslos oder in Schulung; bevor über ein höheres Pensionsantrittsalter diskutiert werde, müsse zuerst der Verbleib Älterer in Beschäftigung sichergestellt werden. Diese konkrete Zahl stammt aus der PVÖ-Aussendung selbst; eine unabhängige Aufschlüsselung der amtlichen AMS-Arbeitsmarktdaten nach dieser Alterskategorie ließ sich im Rahmen der Recherche nicht eigenständig nachvollziehen.

Update: Mattle konkretisiert die Debatte – 65 Jahre und 45 Arbeitsjahre

Rund eine Woche nach Korosecs Vorstoß hat mit Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) nun ein amtierender Landeschef einen konkreten Vorschlag zur Pensionsreform vorgelegt. Im Ö1-„Mittagsjournal“ sprach sich Mattle am Montag, den 3. August 2026, dafür aus, dass ein Pensionsantritt frühestens mit 65 Jahren möglich sein soll – und zusätzlich mindestens 45 Jahre an nachgewiesener Arbeitszeit vorausgesetzt werden. Wer diese Zahl an Arbeitsjahren nicht erreicht, müsste dementsprechend länger als bis 65 arbeiten. Für Eltern will Mattle Betreuungsjahre auf diese 45 Jahre als Arbeitszeit anrechnen.

Damit geht Mattle über Korosecs noch offen gehaltene Bandbreite von „40, 42 oder 45 Jahren“ hinaus und legt sich auf die obere Grenze fest – kombiniert mit einem fixen Mindestantrittsalter von 65 Jahren, das bei Korosecs Modell in dieser Form nicht vorgesehen war.

Rückendeckung und Widerstand auf Landesebene

Rückendeckung erhielt Mattle umgehend aus dem eigenen ÖVP-Team in der Tiroler Landesregierung. Landesrätin Astrid Mair, in ihrem Ressort unter anderem für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zuständig, sprach laut ORF Tirol in einer Aussendung von einem richtigen Ansatz: Man müsse die Beitragsjahre werten, nicht nur das Antrittsalter am Papier, das häufig nicht erreicht werde. Es sei eine Frage der „Leistungsgerechtigkeit“, dass auch jene 45 Jahre lang beitragen, die später ins Berufsleben starten, bevor man jene stärker belaste, die schon mit 15 oder 16 im Zuge einer Lehre zu arbeiten begonnen hätten – zumal sich geistige und körperliche Arbeit unterschiedlich lange ausüben ließen.

Widerspruch kam dagegen vom Tiroler FPÖ-Landtagsabgeordneten Patrick Haslwanter. Jegliche Eingriffe ins Pensionssystem müssten durchdacht sein, die nun erhobene Forderung Mattles beweise aber, dass dem nicht so sei. Sie laufe letztlich darauf hinaus, dass die Menschen länger arbeiten sollten – das gehe an der Realität vieler Menschen in körperlich und psychisch fordernden Berufen vorbei, die nach 40 oder mehr Jahren einfach nicht mehr könnten.

Reaktionen auf Bundesebene: SPÖ, FPÖ und NEOS

Auch auf Bundesebene sorgte Mattles Vorstoß für Reaktionen. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim bekräftigte in einer eigenen Aussendung die ablehnende Haltung seiner Partei: „Hackln bis 70 wird es mit der SPÖ nicht geben.“ Eine Kopplung des Pensionsantritts an die Arbeitsjahre würde aus seiner Sicht Akademikerinnen und Akademiker deutlich benachteiligen und die Arbeitslosigkeit unter älteren Menschen stark ansteigen lassen.

Noch schärfer positionierte sich FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz: Er bezeichnete Mattles Vorschlag in einer Aussendung als „Anschlag auf die Lebensleistung der Österreicher“ – eine Formulierung, die deutlich über die bereits zuvor auf Tiroler Landesebene geäußerte Kritik seines Parteikollegen Haslwanter hinausgeht.

Völlig anders bewerten das die NEOS, die sich über neue Bewegung in der Debatte freuen. Angesichts der demografischen Entwicklung dürfe diese Frage kein politisches Tabu sein, erklärte Sozialsprecher Johannes Gasser in einer eigenen Aussendung. Bereits jetzt fließe mehr als jeder vierte Euro aus dem Budget in die Pensionen, bis zum Ende der Legislaturperiode werde es fast jeder dritte sein, so Gasser.

Pensionistenverband auch gegen Mattles Vorstoß

Der bereits gegen Korosecs Vorschlag positionierte Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) lehnt laut eigener Aussendung auch Mattles konkreteren Vorstoß ab. Die geforderten 45 Arbeitsjahre würden aus Sicht des Verbands nicht dazu führen, dass Menschen tatsächlich länger in Beschäftigung bleiben – vielmehr drohe, ältere Menschen eher in die Arbeitslosigkeit zu treiben, weil viele schon Jahre vor dem regulären Antrittsalter aus dem Erwerbsleben gedrängt werden. Damit bleibt die Position des PVÖ gegenüber beiden ÖVP-Vorstößen – jenem Korosecs wie jenem Mattles – konsistent ablehnend.

Mattles neue Forderung: Öffentliche, live gestreamte Anhörung

Nach den ersten Reaktionswellen forderte Mattle laut einem Bericht der „Presse“ zusätzlich eine öffentliche, live gestreamte Anhörung, bei der alle Parteien ihre jeweiligen Pensionsreform-Vorschläge darlegen sollen – mit dem Ziel, dass sich Bürgerinnen und Bürger ein eigenes Bild machen könnten und sich keine Partei hinter Schlagworten verstecken könne. Diese Forderung ist bislang nur durch eine einzelne Medienquelle dokumentiert; eine Bestätigung durch weitere Berichterstattung oder eine eigene Aussendung Mattles dazu liegt nicht vor.

Was unklar bleibt

Offen ist weiterhin, ob und in welcher Form die ÖVP als Bundespartei einen gemeinsamen Vorschlag aus den Modellen von Korosec und Mattle formt – Mairs Rückendeckung deutet auf innerparteiliche Bewegung hin, eine offizielle Parteiposition liegt aber weiterhin nicht vor. Unklar ist zudem, ob Mattles Forderung nach einer live gestreamten Anhörung tatsächlich umgesetzt wird und wie die anderen Parteien darauf reagieren. Trotz der mittlerweile deutlich breiteren Reaktionsfront – ÖVP-intern, SPÖ, FPÖ auf zwei Ebenen, NEOS und Pensionistenverband – liegt in den vorliegenden Quellen weiterhin keine offizielle Stellungnahme von Sozialministerium, Regierungsspitze oder den formellen Sozialpartnern ÖGB und Wirtschaftskammer vor.