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Ein 22-jähriger, zuvor gesunder Mann ist in seiner Innsbrucker Wohnung nach dem Konsum von Kratom-Tee zusammengebrochen und erlitt zwei Herzstillstände, aus denen ihn Mitbewohner und Notarzt durch Reanimation zurückholten. Intensivmediziner der Universitätsklinik Innsbruck dokumentierten den Fall in der Fachzeitschrift „Wiener klinische Wochenschrift“ und bezeichnen ihn als ersten derartigen Fall in Österreich. Toxikologische Tests zeigten einen Mitragynin-Wert von 500 Mikrogramm pro Liter Blutplasma, deutlich über dem Mittelwert von 398 Mikrogramm, der in einer weltweiten Analyse von 156 kratombedingten Todesfällen ermittelt wurde.

Der Patient soll wegen einer stark verlangsamten Herzfrequenz einen Schrittmacher erhalten haben und nach rund zwei Wochen ohne weitere Komplikationen entlassen worden sein; diese Detailangabe stammt aus einer Zusammenfassung der Publikation und wurde nicht im Volltext gegengelesen. Kratom-Tee ist in Österreich frei in Kräutergeschäften und an Automaten erhältlich, obwohl etwa das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor gesundheitlichen Risiken gewarnt hat. Offen bleiben die rechtliche Einstufung von Kratom in Österreich sowie die Frage, wie viele ähnliche Fälle mangels routinemäßiger Tests bislang unentdeckt geblieben sein könnten.

Was passiert ist

Ein 22-jähriger Mann brach in seiner Innsbrucker Wohnung plötzlich bewusstlos zusammen. Sein Mitbewohner fand ihn ohne Puls und krampfend vor und begann sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Der eintreffende Notarzt bestätigte einen Herzstillstand. Nach mehreren Minuten Herzdruckmassage und einer Adrenalininjektion setzten Herzschlag und Kreislauf wieder ein, doch kurz darauf kam es zu einem zweiten Herzstillstand. Erst durch intensivierte Reanimationsmaßnahmen stabilisierte sich der Patient, der intubiert und mit laufender Herzmassage in die Universitätsklinik Innsbruck gebracht wurde. Umfangreiche Untersuchungen fanden keine Grunderkrankung, die den Zwischenfall erklären könnte – der junge Mann galt zuvor als gesund.

Was die Quellen zeigen

Der Patient berichtete den Ärztinnen und Ärzten von Kratom-Tee-Konsum vor dem Zusammenbruch. Gezielte toxikologische Tests wiesen daraufhin einen Mitragynin-Wert von 500 Mikrogramm pro Liter Blutplasma nach – Mitragynin gilt als einer der wirksamen Hauptinhaltsstoffe von Kratom. Zum Vergleich ziehen die Innsbrucker Autorinnen und Autoren um Jonas Dunz von der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin eine weltweite Analyse von 156 Todesfällen im Zusammenhang mit Kratom heran, bei der im Mittel 398 Mikrogramm pro Liter gemessen wurden. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Wiener klinische Wochenschrift“ veröffentlicht; über eine Suche ließ sich die Publikation unter einem Springer-Link auffinden und ihre Existenz bestätigen, ein vollständiges Gegenlesen des Originaltexts war im Rahmen dieser Recherche jedoch nicht möglich. Laut den über die Suche verfügbaren Zusammenfassungen wurde beim Patienten wegen einer stark verlangsamten Herzfrequenz zusätzlich ein Herzschrittmacher eingesetzt; nach rund zwei Wochen soll er ohne weitere Komplikationen aus der Klinik entlassen worden sein.

Einordnung: Verfügbarkeit und Warnungen

Kratom-Tee wird meist aus dem Pulver der Blätter des südostasiatischen Kratom-Baums zubereitet und ist in Österreich frei in einschlägigen Kräutergeschäften sowie an Automaten erhältlich, ohne dass es einer speziellen Zulassung bedarf. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnte laut Medienberichten bereits im Juli 2025 ausdrücklich vor der medizinischen Anwendung von Kratom und verwies darauf, dass Sicherheit und Wirksamkeit nicht ausreichend geprüft seien. Die deutsche Verbraucherzentrale bezeichnete Kratom-Pulver im Dezember desselben Jahres als „keine legale Nahrungsergänzung“, die abhängig machen und gefährliche Nebenwirkungen haben könne. Die Innsbrucker Fallbeschreibung reiht sich in diese Warnungen ein, auch wenn Kratom in einschlägigen Verkaufsstellen weiterhin als vermeintlich risikoarmes Naturprodukt beworben wird.

Was unklar bleibt

Offen bleibt, wie Kratom in Österreich rechtlich beziehungsweise regulatorisch eingestuft ist und ob sich daraus Konsequenzen für Verkauf oder Kennzeichnung ergeben könnten. Unklar ist zudem, wie häufig gesundheitliche Zwischenfälle durch Kratom in Österreich tatsächlich vorkommen, da Mitragynin den vorliegenden Angaben zufolge nicht routinemäßig in toxikologischen Standardtests erfasst wird und ähnliche Fälle daher unentdeckt bleiben könnten. Auch zur genauen konsumierten Menge und Zubereitungsart des Tees sowie zum längerfristigen Gesundheitszustand des Patienten nach der Schrittmacher-Implantation liegen keine belastbaren öffentlichen Angaben vor.