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Berichte von Die Presse und Kleine Zeitung beschreiben einen wachsenden Widerspruch: Europas Bedarf an kritischen Rohstoffen wie Lithium und seltenen Erden soll in den kommenden Jahrzehnten stark steigen, während deren Verarbeitung großteils in chinesischer Hand liegt. Der Volltext beider Artikel war wegen Bezahlschranke nicht einsehbar; unabhängig bestätigen lässt sich vor allem, dass China laut mehreren Berichten rund 90 Prozent der weltweiten Raffineriekapazität für seltene Erden kontrolliert.

Ein konkretes Beispiel liefert Kärnten: European Lithium hält seit 2011 Schürfrechte am Vorkommen Wolfsberg, ein Abbau hat aber nie begonnen. Ein Verwaltungsgericht hob im November 2025 eine Entscheidung des Landes auf, wonach keine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig sei – das Land muss nun neu prüfen. Ob die Weiterverarbeitung tatsächlich nach Saudi-Arabien verlagert wird, ist nur einfach belegt.

Die in den Ausgangsberichten genannten Wachstumsraten der Lithium-Nachfrage bis 2050 (470 bzw. 800 Prozent) sowie die zugrunde liegende Studie ließen sich nicht unabhängig verifizieren und bleiben offen. Die Debatte reicht zudem über China hinaus, etwa mit Blick auf Afrika als möglichen Partner.

Was die Berichte zeigen

Mehrere österreichische Medien haben zuletzt über einen wachsenden Widerspruch berichtet: Europas Bedarf an kritischen Rohstoffen wie Lithium oder seltenen Erden soll in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen, während deren Verarbeitung zu einem großen Teil in China liegt – jenem Land, das die EU zugleich als strategischen Rivalen einstuft. Die Berichte von Die Presse und Kleine Zeitung tragen einen nahezu identischen Titel und eine identische Kurzzusammenfassung, was darauf hindeutet, dass beide auf denselben Ausgangstext zurückgehen. Der vollständige Artikeltext lag hinter einer Bezahlschranke und konnte für diese Zusammenfassung nicht eingesehen werden. Die im Umfeld dieser Berichte kursierenden Detailzahlen – etwa zu einer Bruegel-Studie oder zu bestimmten IEA-Szenarien – ließen sich mit den hier verfügbaren Mitteln nicht eigenständig nachvollziehen und werden im Folgenden entsprechend vorsichtig eingeordnet.

Chinas Dominanz bei der Rohstoffverarbeitung

Unabhängig von den beiden Ausgangsartikeln lässt sich Chinas Sonderstellung bei der Verarbeitung seltener Erden über mehrere andere Quellen nachvollziehen. Berichte, die sich auf Auswertungen der Internationalen Energieagentur und des US Geological Survey stützen, nennen für die globale Raffineriekapazität seltener Erden einen chinesischen Anteil von rund 90 Prozent, bei schweren seltenen Erden liegt er den Angaben zufolge noch höher. Diese Konzentration betrifft nicht den Abbau allein – der ist geografisch breiter verteilt –, sondern vor allem die technisch aufwendige und stark reguliertsensible Weiterverarbeitung zu einsatzfähigem Material. Für Lithium wird ein ähnliches Muster beschrieben, wobei sich die in der Ausgangsberichterstattung genannten exakten Prozentanteile nicht eigenständig bestätigen ließen. Ein direkt gelesenes offizielles Ausgangsdokument – etwa ein vollständiger IEA-Bericht – lag für diesen Artikel nicht vor, weshalb die Zahlen als von mehreren Seiten berichtete, aber nicht selbst geprüfte Größenordnung zu verstehen sind.

Das Kärntner Beispiel

Ein konkretes europäisches Beispiel für diese Problematik liegt in Österreich: Am Kärntner Weinebene-Vorkommen bei Wolfsberg hält das australische Unternehmen European Lithium eigenen Angaben zufolge seit 2011 Schürfrechte, ursprünglich übernommen vom Vorgängerunternehmen East Coast Minerals. Zu einem tatsächlichen Abbau ist es bislang nicht gekommen. Zentraler Streitpunkt ist die Frage, ob für das Projekt eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig ist: Das Land Kärnten hatte Ende 2024 entschieden, dass dies nicht der Fall sei, das Bundesverwaltungsgericht hob diese Entscheidung im November 2025 jedoch auf und verpflichtete das Land, neu zu prüfen, ob das Projekt erhebliche schädliche oder belastende Auswirkungen auf die Umwelt haben könnte. Laut einer weiteren recherchierten, aber nur einfach belegten Quelle soll die geplante Weiterverarbeitung des Lithiums zu Batteriequalität mittlerweile nicht mehr in Österreich, sondern in Saudi-Arabien erfolgen – eine Angabe, die hier mangels zweiter unabhängiger Bestätigung als offen markiert wird.

Was unklar bleibt

Mehrere Kernzahlen aus der ursprünglichen Berichterstattung bleiben nach dieser Recherche unklar. Die genannten Steigerungsraten der globalen Lithium-Nachfrage bis 2050 – 470 Prozent im Fall geplanter Klimamaßnahmen, 800 Prozent bei vollständiger Klimaneutralität – konnten nicht in einer frei zugänglichen Primärquelle wiedergefunden werden; andere öffentlich verfügbare Analysen sprechen von erheblichen, aber anders bezifferten Zuwächsen. Auch die als Grundlage genannte Bruegel-Studie ließ sich nicht im Original auffinden. Ebenso unbestätigt bleibt, in welchem Umfang genau ein zitierter Wifo-Ökonom in den Ausgangsartikeln zu Wort kommt und mit welcher Aussage – dazu liegt aus dieser Recherche keine belastbare Information vor. Diese Leerstellen sind kein Hinweis darauf, dass die Grundaussage falsch ist, sie zeigen aber, dass die spezifischen Zahlen aus den Ausgangsartikeln eigenständig nicht überprüft werden konnten.

Einordnung

Die Debatte um Europas Rohstoffabhängigkeit ist breiter als das Verhältnis zu China allein. Der Standard etwa hat das Thema jüngst mit Blick auf Afrika als möglichen Partner für Rohstoffe, Energie und Arbeitskräfte behandelt – ein Hinweis darauf, dass die Diversifizierung von Lieferketten in mehrere Richtungen diskutiert wird, nicht nur als Gegenpol zu China. Gleichzeitig zeigt das Kärntner Beispiel, dass ein Teil der europäischen Abhängigkeit auch selbst gemacht ist: strenge Umweltauflagen, langwierige Genehmigungsverfahren und lokaler Widerstand verzögern eigene Projekte über Jahre, während die Nachfrage nach den betroffenen Rohstoffen weiterwächst. Eine abschließende Bewertung, wie stark strukturelle Regulierung einerseits und geopolitische Machtkonzentration andererseits zu der beschriebenen Abhängigkeit beitragen, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht ableiten.