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Der Faserhersteller Lenzing baut weltweit bis Ende 2027 rund 2.000 der zuletzt 7.700 Vollzeitstellen ab. CEO Georg Kasperkovitz bestätigte dies gegenüber der APA. Besonders betroffen ist der Standort Heiligenkreuz im Burgenland mit 285 Beschäftigten, der verkauft werden soll; die Faserproduktion dort läuft bis Ende 2026 aus. Auch der Standort Grimsby in England schließt bis Ende 2027. Für die Beschäftigten in Heiligenkreuz besteht bereits ein Sozialplan. Die Ankündigung ließ die Lenzing-Aktie einbrechen: Je nach Quelle verlor sie knapp 17 bis zeitweise bis zu 19 Prozent und notierte zuletzt bei rund 20,30 Euro.

Parallel dazu kündigte Lenzing eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro an. Die Kernaktionäre B&C-Gruppe und Suzano sowie die Oberbank haben laut einer Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens bereits zugesagt, sich daran zu beteiligen; zusätzlich soll ein Refinanzierungspaket über weitere bis zu 300 Millionen Euro vereinbart worden sein. Eine außerordentliche Hauptversammlung ist für Ende August 2026 angesetzt.

Politisch reagierten Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und ÖVP-Landesparteiobmann Christoph Zarits mit der Forderung, Arbeitsplätze und Standort zu sichern. Ein Analyst der Deutschen Bank bewertete die Neuausrichtung nach mehreren Verlustjahren grundsätzlich positiv. Offen bleiben unter anderem eine Stellungnahme von Betriebsrat oder Gewerkschaften sowie mögliche Käufer für die Standorte.

Was passiert ist

Der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing baut weltweit bis Ende 2027 rund 2.000 der zuletzt 7.700 Vollzeitstellen ab. CEO Georg Kasperkovitz bestätigte den Schritt am Montagabend gegenüber der Austria Presse Agentur und sprach von einer strategischen Neuausrichtung des Konzerns. Besonders betroffen ist der Standort Heiligenkreuz im Burgenland: Dort läuft die Faserproduktion bis Ende 2026 aus, Lenzing sucht für die 285 Beschäftigten einen neuen Eigentümer und will sich aus dem Standort zurückziehen. Für die Belegschaft besteht bereits ein Sozialplan. Auch der Standort Grimsby in England wird laut Kasperkovitz bis Ende 2027 geschlossen. Die Nachricht ließ die Lenzing-Aktie an der Wiener Börse einbrechen: Der Standard und Die Presse berichten von einem Kursrutsch um knapp 17 Prozent auf zuletzt rund 20,30 Euro, der Kurier spricht von einem zeitweisen Minus von bis zu 19 Prozent.

Kapitalerhöhung und Refinanzierung

Parallel zum Personalabbau kündigte Lenzing eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro an, um die Finanzstruktur des Konzerns zu stärken. Laut der eigenen Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens haben die Kernaktionäre – die B&C-Gruppe und der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano, die gemeinsam rund 52,25 Prozent der Anteile halten – bereits zugesagt, sich mit bis zu 156,7 Millionen Euro an der Kapitalerhöhung zu beteiligen. Auch die Oberbank, die rund 3,86 Prozent an Lenzing hält, will sich demnach beteiligen. Zusätzlich soll ein Refinanzierungspaket mit einem Bankenkonsortium über bis zu weitere 300 Millionen Euro vereinbart worden sein, verbunden mit einer Verlängerung bestehender Kreditlaufzeiten bis 2030. Eine außerordentliche Hauptversammlung soll rund um den 25. August 2026 über die Kapitalmaßnahme entscheiden. Diese Details zur Ad-hoc-Mitteilung stammen aus Suchtreffern und wurden nicht im Volltext der Original-Mitteilung gegengelesen, sind aber öffentlich über den offiziellen Presseaussendungsdienst OTS zugänglich.

Reaktionen aus Politik und Markt

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) versicherte, das Land werde die Beschäftigten in Heiligenkreuz „nicht im Stich lassen“. Er sprach laut Die Presse von einer „für das Südburgenland schmerzhaften Weichenstellung“, die politisch nicht zu beeinflussen sei, und berichtete von einem Gespräch mit Kasperkovitz, wonach die Produktion bis Jahresende und womöglich darüber hinaus gesichert sei. ÖVP-Landesparteiobmann Christoph Zarits nannte die Ankündigung eine „dramatische Nachricht“ und forderte, alles zu unternehmen, um Arbeitsplätze und Standort zu sichern. Aus dem Finanzsektor kam eine differenziertere Einschätzung: Der Deutsche-Bank-Analyst Lars Vom-Cleff bewertete die negative Kursreaktion als erwartbar, sah die strategische Neuausrichtung nach mehreren Verlustjahren des Konzerns aber grundsätzlich positiv, mit Fokus auf Widerstandsfähigkeit, Rentabilität und wertschöpfende Anwendungen.

Was unklar bleibt

In den vorliegenden Quellen fehlt bislang eine Stellungnahme von Betriebsrat oder Gewerkschaften zu den Jobabbauplänen. Offen ist zudem, wer den Standort Heiligenkreuz übernehmen könnte – laut Kasperkovitz sollte die Käufersuche unmittelbar nach der Ankündigung beginnen und könne „erfahrungsgemäß binnen einiger Monate“ abgeschlossen sein, ein Ergebnis liegt aber noch nicht vor. Auch zum Refinanzierungspaket – etwa welche Banken konkret beteiligt sind – lässt sich aus den vorliegenden Quellen keine gesicherte Aussage treffen. Wie sich der Aktienkurs nach der für Ende August angesetzten außerordentlichen Hauptversammlung weiterentwickelt, ist ebenfalls offen.