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Der börsennotierte Faserhersteller Lenzing baut im Zuge einer strategischen Neuausrichtung weltweit rund 2.000 Stellen bis Ende 2027 ab. Betroffen ist unter anderem die 1997 eröffnete Faserproduktion in Heiligenkreuz im Südburgenland, deren rund 30-jährige Geschichte ein neuer ORF-Rückblick nachzeichnet – von der Gründung unter Landeshauptmann Karl Stix (SPÖ) über Investitionen (u. a. 70 Millionen Euro im Jahr 2017) bis zu Kurzarbeit 2022. Beide betroffenen Standorte, Heiligenkreuz und das englische Grimsby, sollen laut Unternehmen und einer neuen direkten CEO-Aussage gegenüber der APA verkauft, nicht geschlossen werden; CEO Georg Kasperkovitz nannte dafür gegenüber der APA (wiedergegeben von Der Standard) Ende 2027 als Auslauffrist für die Produktion an beiden Standorten. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) erklärte, das Land werde „Standort und Mitarbeiter nicht im Stich lassen“, und schloss im Extremfall eine Übernahme durch das Land nicht aus. Betriebsratsvorsitzender Philipp Perl setzt indes auf Weiterbetrieb als „Plan A“, um sich für Investoren zu empfehlen; Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Wirth warnte vor einem „Schnellschuss“.

Zur Finanzierung der Neuausrichtung hat Lenzing laut eigenen Angaben eine Refinanzierungsvereinbarung mit den wesentlichen Kreditgebern erzielt, unterstützt von den Hauptaktionären B&C-Gruppe und Suzano sowie der Oberbank – geplant sind Kapitalerhöhung und weitere Finanzierungen von zusammen bis zu 600 Millionen Euro. Laut einem Kurier-Bericht steht der Konzern seit Jahren unter Druck: 2025 habe Lenzing über 135 Millionen Euro Verlust verzeichnet, das letzte positive Jahresergebnis stamme aus 2021. Der Standort gilt als bedeutendstes EU-Ziel-1-Förderprojekt im Burgenland; für die Gemeinde stehen laut Bürgermeister rund 500.000 Euro jährliche Kommunalsteuer-Einnahmen auf dem Spiel.

Unklar bleibt vor allem die genaue Zahl der betroffenen Beschäftigten – ein neuer Standard-Bericht nennt erneut 285, andere Quellen rund 300 bis 320 –, ebenso wie die Frage, wer als Käufer infrage kommt. Beim Auslaufdatum verschärft sich der Widerspruch sogar: Während Der Standard nun ausdrücklich Ende 2027 für Heiligenkreuz nennt, bestätigt der neue ORF-Rückblick parallel erneut Ende 2026 – welche Angabe zutrifft, ist mit den vorliegenden Quellen weiterhin nicht zu klären.

Was passiert ist

Der börsennotierte Faserhersteller Lenzing baut im Zuge einer strategischen Neuausrichtung weltweit rund 2.000 Stellen ab – zusätzlich zu den bereits zuvor bekannten 600 Jobs in der Verwaltung. Das geht aus einer Unternehmensmitteilung vom 27. Juli hervor, CEO Georg Kasperkovitz bestätigte die Zahlen gegenüber der APA und wenige Tage später gegenüber ORF Burgenland erneut.

Betroffen ist unter anderem die Faserproduktion am Standort Heiligenkreuz im Südburgenland sowie am Standort Grimsby in England. Beide Standorte sollen nach Unternehmensdarstellung nicht geschlossen, sondern verkauft werden. Für Heiligenkreuz gilt laut Unternehmen ein bestehender Sozialplan. Laut einer neuen, direkten Aussage von CEO Kasperkovitz gegenüber der APA (Montagabend, wiedergegeben von Der Standard) läuft die Faserproduktion an beiden Standorten – Heiligenkreuz und Grimsby – bis Ende 2027 aus, sofern sich bis dahin kein Käufer findet. Diese Angabe steht weiterhin im Widerspruch zu ORF Burgenland und zwei Kurier-Artikeln, die für Heiligenkreuz Ende 2026 nennen – eine Diskrepanz, die auch der neue ORF-Rückblick auf die Standortgeschichte nicht auflöst, sondern mit der Formulierung „Ende des Jahres“ (also 2026) erneut bekräftigt.

Die Geschichte des Standorts Heiligenkreuz

Ein ORF-Rückblick vom 29. Juli zeichnet die knapp 30-jährige Geschichte des Werks nach, das in ein mehr als 120 Jahre altes Unternehmen eingebettet ist. Lenzing suchte zu Beginn der 1990er-Jahre nach einem Expansionsstandort; Heiligenkreuz erhielt – auch begünstigt durch Fördermittel aus dem EU-Ziel-1-Programm – den Zuschlag. Das Werk wurde 1997 eröffnet, der damalige Landeshauptmann Karl Stix (SPÖ) sprach laut ORF von einer „neuen Ära in der Industriegeschichte des Landes“.

Der spätere Geschäftsführer Bernd Zauner, promovierter Chemiker, war bereits 1998 als Produktionsleiter vor Ort, als der Standort mit der Positionierung der Lyocell-Faser am Markt kämpfte; ein damals erwogener Verkauf wurde von der EU-Wettbewerbsbehörde verhindert. Ab 2008 übernahm Zauner die Geschäftsführung, in einer Phase, in der Lyocell den Weltmarkt zunehmend eroberte. 2007 erreichte das Werk seine Maximalauslastung, 2017 investierte Lenzing 70 Millionen Euro und bezeichnete Heiligenkreuz als „langfristig abgesichert“.

Coronapandemie und hohe Gaspreise führten 2022 zu Kurzarbeit; 2023 herrschte wieder Vollbetrieb, zugleich wurde jedoch bereits Personalabbau angekündigt. Noch vor rund zwei Jahren hatte der Lenzing-Vorstand angesichts wachsender Weltbevölkerung und anhaltendem Textilbedarf von nicht schlechten langfristigen Aussichten gesprochen. Diese Chronologie stammt aus einem einzelnen Medienbericht und ist nicht durch eine zweite Quelle geprüft, deckt sich aber mit öffentlich über Jahrzehnte dokumentierten Ereignissen.

Reaktionen: Land Burgenland und Belegschaft

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) reagierte rasch: In einer Presseaussendung seines Büros erklärte er, das Land werde „Standort und Mitarbeiter in Heiligenkreuz nicht im Stich lassen“. Im Gespräch mit ORF Burgenland präzisierte er, das Land führe bereits Gespräche mit dem Management vor Ort und suche gemeinsam nach Investoren. Auf die Frage, ob dies auch eine vollständige Übernahme durch das Land bedeuten könne, sagte Doskozil, man habe „keine Angst davor, hier Verantwortung zu übernehmen“ – bevor das Werk zugesperrt werde, sei eine Beteiligung des Landes keine Frage. Kleine Zeitung und Kurier berichten übereinstimmend über diese Bereitschaft zur Beteiligung.

Auch innerhalb des Werks regt sich Widerstand gegen ein rasches Ende: Betriebsratsvorsitzender Philipp Perl sagte dem Kurier, die Schließungsankündigung sei überraschend gekommen, da es zuvor „keinerlei Anzeichen“ dafür gegeben habe und der Standort nach seinen Angaben schwarze Zahlen schreibe. Die Belegschaft wolle nun „weiterarbeiten, als wäre nichts gewesen“, um sich für einen möglichen Investor zu empfehlen – laut Perl „Plan A“. Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Wirth warnte laut ORF Burgenland vor einem „Schnellschuss“ und forderte eine gemeinsame Lösung auf Sozialpartnerebene, für die bis Jahresende noch Zeit sei.

Was die Quellen zeigen

Zur Absicherung der Neuausrichtung hat Lenzing laut eigener Mitteilung eine umfassende Refinanzierungsvereinbarung mit den wesentlichen Kreditgebern erzielt, unterstützt von den Hauptaktionären B&C-Gruppe und Suzano sowie der Oberbank. Geplant ist eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten von bis zu 300 Millionen Euro, über die eine außerordentliche Hauptversammlung rund um den 25. August 2026 entscheiden soll, plus weitere Finanzierungsvereinbarungen von bis zu 300 Millionen Euro – in Summe bis zu 600 Millionen Euro.

Laut einem Kurier-Bericht steht der Konzern seit Jahren unter Druck: 2025 habe Lenzing bei 2,6 Milliarden Euro Umsatz einen Verlust von mehr als 135 Millionen Euro verzeichnet, das letzte positive Jahresergebnis stamme aus 2021. Ein strikter Sparkurs habe im ersten Quartal 2026 erste Erfolge gezeigt, die Hoffnung auf anhaltende Besserung sei aber durch Nahostkonflikt, hohe Rohstoffkosten und steigende Inflation gedämpft worden. Diese Zahlen stammen bislang aus einer einzelnen Quelle und sind nicht anderweitig bestätigt.

Der Standort Heiligenkreuz produziert seit 1997 Lyocellfaser, jährlich über 80.000 Tonnen, und war laut Kurier mit Verweis auf eine Wifo-Studie das Großprojekt mit der höchsten Fördersumme im gesamten EU-Ziel-1-Förderprogramm für das Burgenland. Für die Gemeinde stehen laut Bürgermeister Eduard Zach (SPÖ) rund 500.000 Euro jährliche Kommunalsteuer-Einnahmen auf dem Spiel.

Was unklar bleibt

Uneinheitlich bleibt vor allem die Zahl der betroffenen Beschäftigten: Ein neuer Bericht von Der Standard nennt erneut 285 Personen – deckungsgleich mit der ursprünglich kolportierten Zahl –, während das Landeshauptmann-Büro und ORF Burgenland weiterhin von rund 300 sprechen und der Kurier 320 nennt. Welche Zahl zutrifft oder ob unterschiedliche Stichtage bzw. Beschäftigtengruppen gezählt werden, lässt sich mit den vorliegenden Quellen nicht klären.

Auch beim Auslaufdatum bleibt die Unsicherheit bestehen, und die neue Quellenlage verschärft sie eher: Der Standard zitiert CEO Kasperkovitz nun ausdrücklich damit, dass sowohl Heiligenkreuz als auch Grimsby die Faserproduktion bis Ende 2027 einstellen – die 2027-Angabe bezieht sich damit belegbar auch konkret auf Heiligenkreuz. Der neue ORF-Rückblick auf die Standortgeschichte bestätigt jedoch parallel erneut „Ende des Jahres“, also 2026, als Schließungstermin. Beide Angaben stammen inzwischen aus mehrfach wiederholter Berichterstattung, ohne dass sich der Widerspruch auflösen ließe.

Offen ist zudem, wer als Käufer für Heiligenkreuz infrage kommt, ob bereits konkrete Gespräche mit Interessenten laufen und wie ein etwaiges Beteiligungsmodell des Landes Burgenland konkret aussehen würde. CEO Kasperkovitz selbst äußerte sich gegenüber ORF Burgenland zuletzt zurückhaltender zu den Erfolgsaussichten der Investorensuche als noch gegenüber der APA.

Einordnung

Die Reaktionen der vergangenen Tage zeigen, dass die Ankündigung von Lenzing über die Belegschaft hinaus die gesamte Region Südburgenland trifft: Landespolitik, Betriebsrat, Gemeinde und Wirtschaftskammer positionieren sich öffentlich, und ein neuer historischer Rückblick ordnet die aktuelle Entwicklung in eine knapp 30-jährige Standortgeschichte mit wiederholten Auf-und-Ab-Phasen ein – von der euphorischen Eröffnung 1997 über Absatzkrisen und Kurzarbeit bis zu Investitionen, die den Standort noch 2017 als „langfristig abgesichert“ erscheinen ließen. Dass Landeshauptmann Doskozil eine Übernahme durch das Land nicht ausschließt, unterstreicht das politische Gewicht des Standorts, ist aber vorerst eine Absichtserklärung für den Fall, dass sich kein privater Investor findet – kein bereits beschlossener Schritt. Für die rund 300 (je nach Quelle 285 bis 320) Beschäftigten bleibt entscheidend, ob sich bis Jahresende ein Käufer findet, der den Standort fortführt, oder ob es zur von Betriebsrat und Wirtschaftskammer befürchteten Schließung kommt – und ob diese tatsächlich Ende 2026 oder erst Ende 2027 anstünde, ist mit den vorliegenden Quellen weiterhin nicht geklärt.