Das Internationale Mauthausen-Komitee hat einen sofortigen Stopp der Bauarbeiten auf dem Areal des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers in Leobersdorf (Bezirk Baden) gefordert. Präsident Guy Dockendorf verlangt in einem offenen Brief, die noch unbebaute Fläche als Gedenkort zu erhalten. Dort soll ein Gewerbepark mit Supermarkt und Kühllogistikzentrum entstehen, Baumaschinen seien laut Komitee bereits vor Wochen aufgefahren. Auch SPÖ-Sprecherin Sabine Schatz, das Mauthausen Komitee Österreich und die Gedenkstätte Mauthausen kritisieren das Vorhaben.
Auf dem Gelände bestand während des Zweiten Weltkriegs ein Außenlager des KZ Mauthausen, in dem Frauen und Mädchen inhaftiert waren und Zwangsarbeit in der nahen Munitionsfabrik Hirtenberg leisten mussten. Seit Ende 2024 steht zudem Bürgermeister Andreas Ramharter in der Kritik, weil seine Immobilienfirma laut früheren, nicht unabhängig bestätigten Medienberichten am Areal Grundstücke verkauft und durch Umwidmungen zusätzliche Erlöse erzielt haben soll. Ramharter wies eine Befangenheit zurück, äußerte sich aber nicht zu Kaufpreisen.
Offen bleibt, wie Gemeinde und Bürgermeister auf die aktuelle Baustopp-Forderung reagieren und welche Bewilligungen im Detail vorliegen. Der vollständige offene Brief des Komitees war für diesen Artikel nicht zugänglich, die kursierenden Finanzzahlen sind bislang nicht eigenständig überprüft.
Was passiert ist
Das Internationale Mauthausen-Komitee (CIM) hat einen sofortigen Stopp der Bauarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers in Leobersdorf im Bezirk Baden gefordert. In einem von Präsident Guy Dockendorf unterzeichneten offenen Brief verlangt das Komitee, die noch nicht überbaute Fläche als Gedenkort zu erhalten. Auf dem Areal südlich von Wien soll ein Gewerbepark mit Supermarkt und Kühllogistikzentrum entstehen, Baumaschinen sind nach Angaben des Komitees bereits vor einigen Wochen aufgefahren. Der SPÖ schloss sich am selben Tag mit einer eigenen Aussendung an: Sabine Schatz, Sprecherin der Partei für Erinnerungskultur, äußerte Unverständnis über die Entwicklungen und forderte ebenfalls einen Baustopp.
Historischer Hintergrund
Auf dem betroffenen Gelände befand sich ein Außenlager des KZ Mauthausen, in dem laut den vorliegenden Berichten Frauen und Mädchen inhaftiert waren und in der nahen Munitionsfabrik Hirtenberg Zwangsarbeit leisten mussten. Es soll das zweitgrößte Frauen-Konzentrationslager gewesen sein, das auf österreichischem Boden bestand. Fundamente ehemaliger Baracken sind auf dem Areal weiterhin vorhanden, laut einer Einschätzung des Bundesdenkmalamts aus dem Vorjahr reichen sie im Sinne des Denkmalschutzgesetzes jedoch nicht aus, um das Gelände unter Denkmalschutz zu stellen.
Kritik und Reaktionen
Neben dem internationalen Dachverband kritisieren auch das Mauthausen Komitee Österreich, die Gedenkstätte Mauthausen sowie lokale Gedenkinitiativen das Bauvorhaben. Das Vorgehen widerspreche den Grundsätzen heutiger Gedenkarbeit und Erinnerungskultur, heißt es in der Kritik. Die Pläne für den Gewerbepark waren bereits Ende 2024 öffentlich bekannt geworden. Damals geriet Bürgermeister Andreas Ramharter (Liste Zukunft Leobersdorf) in die Kritik, weil seine Immobilienfirma laut früheren Medienberichten Grundstücke auf dem Areal um 15,25 Millionen Euro verkauft und durch nachfolgende Umwidmungen zusätzlich 1,34 Millionen Euro erhalten haben soll. Kritik daran kam damals unter anderem von der Israelitischen Kultusgemeinde. Ramharter verteidigte sein Vorgehen, äußerte sich aber nicht zu den genannten Kaufpreisen und sah bei sich keine Befangenheit. Alle nötigen Bewilligungen für das Bauvorhaben sollen im Vorjahr bereits vorgelegen haben.
Was unklar bleibt
Wie Bürgermeister Ramharter und die Gemeinde Leobersdorf auf die aktuelle, erneute Baustopp-Forderung reagieren, ist nach derzeitiger Quellenlage nicht bekannt – vorliegend ist lediglich seine ältere Verteidigung aus der Zeit, als die Vorwürfe erstmals publik wurden. Der vollständige Wortlaut des offenen Briefs von CIM-Präsident Dockendorf liegt uns nicht vor, ebenso wenig Details zu Zeitpunkt und Umfang der erteilten Baubewilligungen. Die kolportierten Zahlen zu Grundstücksverkauf und Umwidmungsgewinn stammen aus nicht näher bezeichneten früheren Medienberichten und sind unabhängig nicht überprüft.
Einordnung
Der Fall verbindet zwei Konfliktlinien: die Frage, wie mit Flächen ehemaliger Konzentrationslager im Sinne der Erinnerungskultur umgegangen werden soll, und den seit Ende 2024 laufenden Streit um mögliche finanzielle Vorteile eines amtierenden Bürgermeisters aus einem Bauprojekt auf genau diesem Gelände. Beide Stränge sind in der aktuellen Berichterstattung eng miteinander verknüpft, auch wenn die neue Baustopp-Forderung formal allein von der Gedenkkultur-Frage ausgeht.
