Martha Lillard, die sich 1953 im Alter von fünf Jahren mit Polio infizierte und seither auf eine Eiserne Lunge angewiesen war, ist laut mehreren voneinander unabhängigen Medienberichten am 26. Juni 2026 im Alter von 78 Jahren in ihrem Zuhause in Shawnee, Oklahoma, gestorben. Die Quellenlage hat sich gegenüber einer früheren Fassung dieses Artikels deutlich verbessert: Neben einer breit über ABC News, NBC News und CNN verbreiteten Agenturmeldung liegt ein eigenständiges Interview des Lokalsenders KFOR vor, das Lillard rund drei Wochen vor ihrem Tod in ihrem Zuhause geführt hatte – sie starb acht Tage danach. Zusätzlich haben mehrere österreichische Medien, zuletzt auch DER STANDARD, dieselben Kernfakten bestätigt. Als Hintergrund für das KFOR-Interview nennen Berichte eine zunehmend schwierige Wartung ihrer Eisernen Lunge: Ersatzteile stammen teils aus den 1940er-Jahren, und nur wenige Techniker verfügen noch über die nötige Fachkenntnis zur Reparatur.
Zur Todesursache gibt es unterschiedliche Angaben: Ihre Schwester führt den Tod auf Spätfolgen einer COVID-19-Erkrankung zurück, während der Totenschein laut Berichten chronisches Lungenversagen und Post-Polio-Syndrom nennt; neuere Berichte fassen beides teils als gemeinsame Ursache zusammen. Wir haben weder das Dokument noch eine Familienerklärung selbst eingesehen; die genaue Einordnung bleibt daher nicht abschließend verifiziert. Trotz schwerer Lähmungen soll Lillard laut Berichten ein selbstständiges und kreatives Leben geführt haben, unter anderem als Künstlerin und Dichterin. Nach dem Tod von Paul Alexander im März 2024 galt sie als letzte bekannte Person in den USA, die dauerhaft auf eine Eiserne Lunge angewiesen war.
Offen bleibt, wie viele Menschen weltweit außerhalb der USA noch auf historische Eiserne Lungen angewiesen sind und wie deren langfristige Wartung gesichert werden kann. Auch Details wie eine im Februar 2026 laut einem Bericht erfolgte Eheschließung stammen bislang aus nur einer Quelle und sind nicht unabhängig bestätigt. Der Fall steht sinnbildlich für das Ende einer medizintechnischen Ära, die mit der Einführung der Polio-Impfung ab Mitte der 1950er-Jahre begann.
Was passiert ist
Martha Lillard, die sich 1953 im Alter von fünf Jahren mit Polio infizierte und seither auf eine Eiserne Lunge angewiesen war, ist laut mehreren voneinander unabhängigen Medienberichten am 26. Juni 2026 im Alter von 78 Jahren in ihrem Zuhause in Shawnee, Oklahoma, gestorben. Anders als in einer früheren Fassung dieses Artikels, die sich nur auf zwei möglicherweise gleichquellig berichtende Medien stützte, liegen mittlerweile deutlich mehr unabhängige Quellen vor: eine breit über ABC News, NBC News und CNN verbreitete Agenturmeldung, ein eigenständiges Interview des Lokalsenders KFOR aus Oklahoma, der Lillard rund drei Wochen vor ihrem Tod persönlich in ihrem Zuhause getroffen hatte, sowie mehrere österreichische Medien, darunter Die Presse, ORF, Kurier, heise online und zuletzt auch DER STANDARD.
Neue Erkenntnisse: Todesumstände und Todesursache
Zum genauen Sterbedatum, das in der ursprünglichen Fassung noch offen war, liegen nun übereinstimmende Angaben vor: der 26. Juni 2026. Zur Todesursache berichten die Quellen zwei teils unterschiedliche Versionen. Lillards Schwester führt den Tod laut mehreren Berichten auf Spätfolgen einer COVID-19-Erkrankung zurück, während der Totenschein – so berichten es die Medien – chronisches Lungenversagen und Post-Polio-Syndrom als Todesursachen nennt. Ein neuerer Bericht von DER STANDARD fasst beides in einer Formulierung zusammen und nennt Covid-19-Folgen und Post-Polio-Syndrom gemeinsam als Todesursache. Wir haben weder das Dokument noch eine Stellungnahme der Familie selbst eingesehen; die genaue Gewichtung der einzelnen Ursachen bleibt daher nicht abschließend verifiziert.
Das KFOR-Interview und die Wartungskrise
Laut eigener Berichterstattung des Senders KFOR hatte Lillard das Team rund drei Wochen vor ihrem Tod zu sich nach Hause eingeladen, weil sie dringend Hilfe bei der Reparatur ihrer Eisernen Lunge suchte. Sie starb acht Tage nach diesem Interview. Als Hintergrund wird ein strukturelles Problem beschrieben: Ersatzteile für die jahrzehntealten Geräte stammen laut Berichten teils noch aus den 1940er-Jahren und sind kaum zu beschaffen, gleichzeitig gibt es nur noch sehr wenige Techniker mit der nötigen Fachkenntnis. In mehreren Berichten wird in diesem Zusammenhang ein Techniker namens Brady Richards genannt, der zuvor bereits das Gerät des im März 2024 verstorbenen Paul Alexander instand gehalten haben soll. Nach dessen Tod galt Lillard als letzte bekannte Person in den USA, die noch dauerhaft auf eine Eiserne Lunge angewiesen war – ein Umstand, der in mehreren Berichten als Hintergrund erwähnt wird, den wir jedoch nicht eigenständig weiter geprüft haben.
Ihr Leben mit der Eisernen Lunge
Trotz schwerer Lähmungen – ihr rechter Arm blieb dauerhaft gelähmt, den linken konnte sie teilweise nutzen – soll Lillard laut Berichten ein selbstständiges und kreatives Leben geführt haben: Sie schuf demnach hunderte Kunstwerke und schrieb Gedichte. Als Kind besuchte sie laut denselben Berichten die Schule zunächst zwei Stunden täglich und wurde darüber hinaus per Gegensprechanlage aus der Eisernen Lunge heraus in den Unterricht zugeschaltet. Ein Bericht nennt außerdem, dass Ärzte ihr ursprünglich nur rund 20 Jahre Lebenserwartung gegeben hatten – sie lebte fast viermal so lange. In ihren gesündesten Jahren soll sie das Gerät nur noch zum Schlafen genutzt haben, insgesamt rund neun Stunden pro Nacht. Im Februar 2026 heiratete sie laut einem Bericht ihren Partner, nachdem dieser ein Visum für die Einreise in die USA erhalten hatte – diese Angabe stammt bislang aus nur einer Quelle und ist nicht durch eine zweite Quelle bestätigt.
Historischer Hintergrund
Die Eiserne Lunge war während der großen Polio-Epidemien Mitte des 20. Jahrhunderts ein zentrales Hilfsmittel, um Patientinnen und Patienten mit gelähmter Atemmuskulatur am Leben zu erhalten. Das rund 600 Kilogramm schwere Gerät funktioniert über wechselnden Unterdruck: Der Körper liegt luftdicht in einem Zylinder, nur der Kopf ragt heraus, und durch die Druckveränderung wird die Atmung mechanisch unterstützt. Mit der Einführung wirksamer Polio-Impfstoffe ab Mitte der 1950er-Jahre und weltweiten Impfprogrammen ging die Zahl der Neuerkrankungen drastisch zurück, wodurch auch die Zahl der auf Eiserne Lungen angewiesenen Menschen über die Jahrzehnte auf eine sehr kleine Gruppe schrumpfte. Mit Lillards Tod dürfte, sofern sich die Einschätzung der vorliegenden Quellen bestätigt, in den USA kein bekannter Fall eines dauerhaften Eiserne-Lunge-Nutzers mehr verbleiben.
Was unklar bleibt
Offen bleibt weiterhin, wie viele Menschen weltweit – außerhalb der USA – noch auf historische Eiserne Lungen angewiesen sind und wie deren Wartung langfristig gesichert werden kann. Ebenso ungeklärt ist aus den vorliegenden Quellen, wie sich die zunächst widersprüchlich dargestellten Angaben zur Todesursache – Spätfolgen von COVID-19 laut Schwester versus die im Totenschein genannten Diagnosen – tatsächlich zueinander verhalten; neuere Berichte nennen beides gemeinsam, ohne dies an einer Primärquelle für uns nachvollziehbar zu belegen. Details zur Eheschließung im Februar 2026 stammen bislang aus nur einer Quelle und sind nicht unabhängig bestätigt.
Einordnung
Im Vergleich zur ursprünglichen Fassung dieses Artikels hat sich die Quellenlage weiter verbreitert: Zu der bereits vorhandenen breiten Agenturmeldung und dem eigenständigen KFOR-Interview kommt nun mit DER STANDARD ein weiteres österreichisches Medium hinzu, das dieselben Kernfakten – Sterbedatum, Alter, Ort und die grundlegenden Umstände – bestätigt, ohne eigenständig neue, unabhängig verifizierte Fakten zu liefern. Kurier und heise online berichten inhaltlich im Wesentlichen unverändert weiter. Das stützt die bisherige Einstufung der Kernfakten als gut abgesichert. Bei Details, die nur aus einer einzigen Quelle stammen – etwa zur Eheschließung oder zur genauen Gewichtung der Todesursachen – bleibt weiterhin Zurückhaltung angebracht, insbesondere weil es sich um gesundheitsbezogene und persönliche Angaben handelt, die wir nicht an Primärdokumenten überprüfen konnten.

