In Litauen sind zwischen April und August 2026 zwölf Tunnel entdeckt worden, durch die Migrantinnen und Migranten unterirdisch aus dem benachbarten Belarus einreisen wollten. Innenminister Martynas Katelynas teilte dies im Parlament in Vilnius mit und sprach von einer besorgniserregenden Entwicklung bei der Grenzsicherheit. Die Tunnel wurden laut litauischem Grenzschutz unter anderem durch Erschütterungsmessungen im Boden im Grenzabschnitt bei Varėna aufgespürt.
Litauen reagierte mit verstärktem Grenzschutz, einem Grenzzaun, engerer Zusammenarbeit mit der EU-Agentur Frontex sowie Tests von Bodenradargeräten. Wie schon Lettland und Polen wirft Litauen Belarus vor, organisiert Migranten an die EU-Außengrenze zu bringen; auch an deren Grenzen wurden bereits Tunnel gefunden. Der litauische Grenzschutzkommandant hält eine Duldung durch belarussische Grenzbeamte für wahrscheinlich, räumt dafür aber selbst keinen Beweis ein. Eine Stellungnahme aus Minsk liegt nicht vor.
Offen bleiben unter anderem die genaue Zahl betroffener Migrant:innen sowie Standorte und Bauweise der Tunnel. Der Fund reiht sich in eine Serie jüngerer Grenzzwischenfälle zwischen Litauen und Belarus ein, darunter der erste Abschuss einer Drohne über litauischem Gebiet Mitte September.
Was passiert ist
In Litauen sind zwischen April und August 2026 zwölf Tunnel entdeckt worden, durch die Migrantinnen und Migranten unterirdisch aus dem benachbarten Belarus in das EU-Land gelangen wollten. Das teilte Innenminister Martynas Katelynas im litauischen Parlament in Vilnius mit. „Wir beobachten besorgniserregende Entwicklungen im Bereich der Grenzsicherheit“, sagte er laut übereinstimmenden Medienberichten. Nach Angaben des litauischen Grenzschutzes VSAT wurden Tunnel unter anderem im südöstlichen Grenzabschnitt bei Varėna entdeckt, wo Erschütterungen im Erdboden auf Grabungen von der belarussischen Seite hindeuteten.
Reaktion Litauens
Die Regierung in Vilnius reagierte mit verstärktem Grenzschutz und dem Bau eines Grenzzauns. Laut Katelynas hat der Grenzschutz einen Maßnahmenplan erarbeitet und die Zusammenarbeit mit der EU-Grenzschutzagentur Frontex sowie mit privaten Organisationen ausgeweitet. Zudem würden Bodenradargeräte getestet und Spezialausrüstung zur Ortung unterirdischer Hohlräume beschafft, um Tunnelbauten künftig früher zu erkennen.
Vorwürfe gegen Belarus – und die Grenzen der Beweislage
Litauen wirft Belarus – ebenso wie Lettland und Polen – seit Jahren vor, in organisierter Form Migranten aus Krisenregionen gezielt an die EU-Außengrenze zu bringen. Auch an den Grenzen Lettlands und Polens zu Belarus seien bereits Tunnel entdeckt worden. Der litauische Grenzschutzkommandant Rustamas Liubajevas erklärte laut litauischen Medienberichten, ein Tunnelbau dieses Ausmaßes sei ohne Duldung durch belarussische Grenzbeamte kaum vorstellbar – räumte zugleich aber ein, dass es dafür keinen Beweis gebe. Eine Stellungnahme der Regierung in Minsk zu den aktuellen Vorwürfen liegt bislang nicht vor.
Was unklar bleibt
Offen ist, wie viele Migrantinnen und Migranten die Tunnel tatsächlich nutzten oder an der Einreise gehindert wurden. Auch zu genauen Standorten, Länge und Bauweise der zwölf Tunnel sowie zur Frage, ob sich der Verdacht einer belarussischen Beteiligung erhärten lässt, liegen keine über die zitierten Aussagen hinausgehenden, unabhängig bestätigten Informationen vor.
Einordnung
Der Tunnelfund reiht sich in eine Serie von Grenzzwischenfällen zwischen Litauen und Belarus in diesem Jahr ein: Erst Mitte September hatten italienische NATO-Eurofighter erstmals eine aus Richtung Belarus kommende Drohne über litauischem Gebiet abgeschossen, wie berichtet. Beide Vorfälle fallen in eine Phase erhöhter Spannungen zwischen NATO-Staaten und Belarus beziehungsweise Russland an der EU-Außengrenze, deren Hintergründe – etwa eine mögliche Beteiligung staatlicher Stellen – jeweils nicht abschließend geklärt sind.

