Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich in Kiew mit der Trump-nahen Rechtsaußen-Influencerin Laura Loomer getroffen. Präsidentenberater Dmytro Lytwyn bestätigte die Begegnung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, Selenskyjs Büro begrüßte den Besuch.
Loomer, die zuvor als scharfe Kritikerin US-amerikanischer Hilfen für die Ukraine galt, zeigte sich zuletzt überraschend um einen Kurswechsel bemüht: Sie postete ein Video aus einem Zug in der Ukraine und schilderte anschließend einen miterlebten Luftalarm in Kiew. Dabei übte sie deutliche Selbstkritik an ihrer bisherigen Haltung und daran, den Kampf der Ukrainer heruntergespielt sowie russischer Propaganda geglaubt zu haben.
Der Besuch fällt in eine Phase, in der auch Trump zuletzt versöhnlichere Töne gegenüber der Ukraine anschlug und Kiew die Erlaubnis zur Herstellung eigener Patriot-Raketen in Aussicht stellte. Wie genau das Treffen zustande kam und ob Loomers Sinneswandel Trumps Ukraine-Politik beeinflusst, ist bislang offen.
Was passiert ist
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich in Kiew mit der US-amerikanischen Rechtsaußen-Influencerin Laura Loomer getroffen, die als enge Vertraute von US-Präsident Donald Trump gilt. Das Treffen wurde von Selenskyjs Präsidentenberater Dmytro Lytwyn gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigt, wie ORF und Die Presse übereinstimmend berichten. Selenskyjs Büro habe den Besuch begrüßt und erklärt, es sei wichtig, dass sich die US-Aktivistin ein persönliches Bild von der Lage in der Ukraine mache.
Ein überraschender Sinneswandel
Loomer galt bislang als scharfe Kritikerin der Ukraine und sprach sich wiederholt gegen US-Finanz- und Militärhilfen für Kiew aus. Am Montag, den 22. Juli, postete sie überraschend ein Video von sich in einem Zug in der Ukraine. Einen Tag später schilderte sie, wie sie in Kiew einen Luftalarm miterlebt habe – „das ist der Alltag für jeden Ukrainer“, zitieren ORF und Die Presse sie. Sie komme sich „wie ein ziemliches Arschloch“ vor, weil sie „den Kampf der Ukrainer in den vergangenen fünf Jahren heruntergespielt“ habe. Weiter erklärte sie laut den Berichten, sie und andere hätten „die Dreistigkeit“ gehabt zu behaupten, Russland habe „nicht unrecht“, weil sie der „Lüge“ geglaubt hätten, die Ukraine sei „ein Land voller Nazi-Sympathisanten“ – man sei „durch Russland so dermaßen mit Propaganda berieselt“ worden, „ohne es überhaupt zu merken“.
Einordnung
Der Besuch fällt in eine Phase, in der sich auch das Verhältnis zwischen Trump und Selenskyj zuletzt gewandelt hat. Nach wiederholten öffentlichen Auseinandersetzungen hatte Trump die Ukraine zuletzt überraschend gelobt und bei einem Treffen mit Selenskyj in Ankara angekündigt, Kiew werde die Erlaubnis zur eigenen Herstellung von Patriot-Luftabwehrraketen erhalten. Loomers öffentlicher Sinneswandel könnte in diesem Umfeld auch als Versuch gelesen werden, auf Trumps Haltung zur Ukraine einzuwirken – ob und wie stark das tatsächlich wirkt, ist offen. Wie berichtet, hatte sich die Lage rund um die Ukraine zuletzt zudem durch russische Angriffe auf Kiew, ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien sowie einen personellen Umbau an der Spitze von Militär und Regierung in Kiew weiter zugespitzt.
Was unklar bleibt
Offen ist, wie und von wem das Treffen zwischen Loomer und Selenskyj konkret zustande kam. Eine eigenständige Stellungnahme Loomers zum Treffen selbst liegt bislang nicht vor, ebenso wenig eine Reaktion Trumps oder seines Umfelds auf Loomers Positionswechsel. Auch ob es sich um eine gezielte PR-Initiative Kiews oder ein privat initiiertes Treffen handelt, ist unbelegt.


