Der Verein „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ organisierte am 7. August 2026 in der Wiener Kärntner Straße eine Männerdemo mit der Performance „Walk of Shame“ des Theatermachers Stefan Ebner: Männer bewegten sich gebückt entlang der Einkaufsstraße, andere trugen Schilder mit „Nie wieder Femizid!“. Laut Kurier war es die zweite eigene Männerdemo in Wien nach einer größeren Kundgebung im März vor dem Parlament.
Bei einer anschließenden Pressekonferenz trat Ex-Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) als 100. Mitglied einer StoP-Männerkampagne auf und forderte eine gesetzlich verankerte Gewaltprävention sowie einen budgetierten nationalen Aktionsplan. Laut ORF nannte er dabei auch die Rücktritte von Walter Ruck und Roland Weißmann nach Sexismus-Vorwürfen – eine Zuordnung, die allein auf seiner Aussage beruht.
Nach AÖF-Angaben gab es 2025 in Österreich 16 Frauenmorde; für 2026 nennt der Kurier bereits 15 Femizide und 45 Fälle schwerer Gewalt, was sich nicht unabhängig nachprüfen ließ. Ergänzend wird auf eine Statistik-Austria-Erhebung verwiesen, wonach rund jede dritte Frau ab 15 Jahren Gewalt erlebt hat.
Was passiert ist
Am Freitagvormittag, dem 7. August 2026, zog eine Männerdemo über die Wiener Kärntner Straße in Richtung Staatsoper. Organisiert wurde die Aktion vom Verein „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“. Im Zentrum stand die Performance „Walk of Shame“ des Theatermachers Stefan Ebner: Mehrere Männer bewegten sich dabei auf allen Vieren, mit gebeugtem Rücken und den Händen am Boden, entlang der Einkaufsstraße. Andere Teilnehmer trugen Schilder mit der Aufschrift „Nie wieder Femizid!“. Laut Kurier war es bereits die zweite eigene Männerdemo in Wien – nach einer deutlich größeren Kundgebung im März vor dem Parlament, an der einige der Teilnehmer ebenfalls dabei gewesen sein sollen.
Stimmen der Teilnehmer
Der Schauspieler und Regisseur Cornelius Obonya, prominenter Unterstützer von StoP, sagte, Gewalt gegen Frauen beginne bereits bei der Erziehung von Söhnen: Männern müsse vermittelt werden, dass Kraft und Stärke nichts mit Gewalt zu tun hätten. Auch sexistische „Witzeleien“ verrohten die Sprache und dürften nicht unwidersprochen bleiben. StoP-Vorsitzende Maria Rösslhumer sagte, es brauche vor allem Männer, die Vorbilder seien, hinschauten und etwas sagten und täten. Männergewalt sei „eine Schande für die Gesellschaft“, die Frauen töte. Der 48-jährige Clemens Liehr, der laut Kurier bereits an der März-Demo teilgenommen hatte, sagte, er sei wegen seiner drei Töchter aktiv geworden – ihm sei durch sie bewusst geworden, wie viele alte Klischees im Alltag noch bestünden.
Zahlen zu Gewalt gegen Frauen
Der Kurier berichtet unter Berufung auf die Autonomen Österreichischen Frauenhäuser (AÖF), dass es in Österreich bis Ende 2025 16 Frauenmorde gegeben habe; für das laufende Jahr 2026 seien bereits 15 Femizide sowie 45 Fälle schwerer Gewalt registriert. Die AÖF weist selbst darauf hin, dass ihre laufende Zählung auf Medienbeobachtung beruht, da der Verein keinen laufenden Zugriff auf Polizeidaten hat – die genannte Zahl für 2026 lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht zum exakten Stichtag der Demo nachvollziehen, die Größenordnung erscheint aber plausibel. Der ORF-Bericht formuliert unabhängig davon, dass es heuer im Schnitt alle zwei Wochen zu einem Femizid komme. Ergänzend wird auf eine Erhebung von Statistik Austria verwiesen, wonach rund jede dritte Frau ab 15 Jahren in Österreich von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen ist – diese Zahl stammt aus einer 2022 veröffentlichten Befragung mit Erhebungszeitraum 2020/2021 und wird seither wiederholt zitiert.
Politische Beteiligung und Pressekonferenz
Nach dem „Walk of Shame“ fand laut ORF eine Pressekonferenz statt, bei der Ex-Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) als offiziell 100. Mitglied einer im Vorjahr gestarteten Männerkampagne von StoP auftrat. Rauch forderte eine „strukturelle gesetzliche Verankerung“ der Gewaltprävention sowie einen „nationalen Aktionsplan, der auch mit Geld hinterlegt ist“. Er kritisierte laut demselben Bericht neben physischer Gewalt auch abfälliges Verhalten und nannte dabei als Beispiele den früheren Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck und den früheren ORF-Generaldirektor Roland Weißmann, die beide unter anderem nach Sexismus-Vorwürfen von ihren Funktionen zurückgetreten seien. Diese Zuordnung stammt allein aus Rauchs Wortmeldung, wie sie der ORF wiedergibt – eine unabhängige Prüfung der genannten Vorwürfe liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor. Auch Obonya äußerte sich bei der Pressekonferenz und bezeichnete es als „erschreckend, wie viele aus der Kulturbranche nichts tun“.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, wie viele Personen tatsächlich an der Demo teilnahmen und wie sich das zur größeren März-Kundgebung verhält. Ebenso lässt sich der von Kurier genannte aktuelle Jahresstand von 15 Femiziden und 45 Fällen schwerer Gewalt für 2026 nicht direkt an einer eingesehenen AÖF-Quelle nachvollziehen. Die von Rauch genannten Fälle Ruck und Weißmann sind in den vorliegenden Quellen nur als seine eigene Aussage wiedergegeben, nicht eigenständig belegt. Unklar ist zudem, welche konkreten legislativen Schritte aus seiner Forderung nach einem nationalen Aktionsplan folgen könnten.
Einordnung
Die Aktion reiht sich in eine öffentliche Debatte über Gewalt gegen Frauen ein, die in Österreich zuletzt mehrfach Thema war. Erst kürzlich hatte, wie berichtet, eine Aussage von Bundeskanzler Christian Stocker zur unbezahlten Kinderbetreuung von Frauen für scharfe Kritik gesorgt. Die Männerdemo mit der „Walk of Shame“-Performance setzt einen anderen Akzent: Sie richtet sich gezielt an Männer als Zielgruppe und versucht, mit einer expliziten Schamgeste – angelehnt an Gisèle Pelicots vielzitierten Satz, die Scham müsse die Seite wechseln – auf Männergewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen.
