In der zentralmalischen Gemeinde Ké-Macina sollen malische Soldaten gemeinsam mit russischen Paramilitärs elf Zivilisten getötet haben. Ein Anwohner berichtete der Nachrichtenagentur AFP, die Männer seien an einem Sonntag „hingerichtet“ worden, ihre Leichen seien laut Lokalpolitikern in Säcke verpackt und in ein Gewässer geworfen worden. Ein Angehöriger sprach davon, rund zehn der Opfer seien vier Tage zuvor von der Armee festgenommen worden. Unabhängig bestätigt sind diese Angaben bislang nicht.
Getrennt davon wurde in der vergangenen Woche der Armeestützpunkt Dioura in der Region Mopti von der Jihadistengruppe JNIM angegriffen. Nach Angaben eines malischen Offiziers starben dabei mehr als 50 Soldaten sowie fünf Mitglieder des russischen Afrika Corps, andere Quellen nennen bis zu 80 Tote.
Mali wird seit den Putschen 2020/2021 von einer Junta regiert, die auf russische statt westliche Militärhilfe setzt. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren seit dem Moura-Massaker 2022 wiederholt ähnliche Vorwürfe gegen malische Armee und russische Kräfte. Eine Stellungnahme malischer oder russischer Stellen zu Ké-Macina fehlt bislang, ebenso eine unabhängige Untersuchung des konkreten Falls.
Was passiert sein soll
In der Gemeinde Ké-Macina in der zentralmalischen Region Ségou sollen malische Soldaten gemeinsam mit russischen Paramilitärs elf Zivilisten getötet haben. Ein Anwohner sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Männer seien an einem Sonntag „hingerichtet“ worden. Lokalpolitiker berichteten, die Leichen seien in Säcke verpackt und in ein Gewässer geworfen worden. Der Onkel eines der Todesopfer erklärte gegenüber AFP, rund zehn junge Männer seien vier Tage zuvor von der Armee festgenommen worden – ein möglicher Hinweis darauf, dass es sich bei den späteren Opfern um dieselben Personen handeln könnte, was aber nicht unabhängig bestätigt ist. Wer die russischen Paramilitärs waren und welcher Einheit sie angehörten, ist aus den vorliegenden Berichten nicht ersichtlich.
Separater Vorfall: Angriff auf den Armeestützpunkt Dioura
Zeitlich und räumlich getrennt von den Vorwürfen aus Ké-Macina wurde in der vergangenen Woche der malische Armeestützpunkt Dioura in der Region Mopti angegriffen. Die al-Kaida-nahe Gruppe „Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime“ (JNIM) bekannte sich zu dem Angriff und erklärte, sie habe die vollständige Kontrolle über die Kaserne übernommen. Ein malischer Offizier sprach gegenüber AFP von mehr als 50 getöteten Armeeangehörigen, darunter fünf Mitglieder des russischen Afrika Corps; andere Sicherheitskreise nannten mit 60 bis 80 Toten eine höhere Zahl. Mehrere Dutzend Soldaten seien zudem gefangen genommen worden. Die malische Armee erklärte, sie habe daraufhin Luft-Boden-Einsätze gegen die Angreifer begonnen und mehrere „terroristische Kämpfer“ neutralisiert.
Einordnung
Mali wird seit den Militärputschen 2020 und 2021 von einer Junta regiert, die die Zusammenarbeit mit Frankreich und anderen westlichen Partnern beendet hat und im Kampf gegen dschihadistische Gruppen sowie Tuareg-Separatisten auf russische Unterstützung setzt – zunächst durch die Söldnergruppe Wagner, seit deren angekündigtem Rückzug 2025 durch die direkt dem russischen Staat unterstellte Nachfolgeorganisation Afrika Corps. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch dokumentieren seit dem sogenannten Moura-Massaker 2022, bei dem malische Soldaten und Wagner-Kämpfer nach NGO-Angaben mehrere Hundert Männer auf einem Marktplatz töteten, wiederholt mutmaßliche Hinrichtungen und Verschwindenlassen von Zivilisten, überwiegend aus der ethnischen Gruppe der Fulani, durch malische Armee und russische Kräfte. Der aktuelle Vorwurf aus Ké-Macina fügt sich in dieses von NGOs beschriebene Muster ein, ist nach vorliegenden Quellen aber nicht Teil einer bereits laufenden, auf diesen konkreten Fall bezogenen Untersuchung. Wie berichtet, hatte auch ein Hinterhalt auf einen malischen Militärkonvoi bei Anefis im Juli 2026 gezeigt, wie stark JNIM, die Tuareg-Bewegung FLA und die malische Armee samt russischer Unterstützung in dem Konflikt gegeneinander stehen.
Was unklar bleibt
Offen ist, ob die malische Regierung oder das russische Afrika Corps die Vorwürfe aus Ké-Macina kommentieren oder dementieren werden. Auch eine unabhängige Untersuchung durch internationale Menschenrechtsorganisationen oder die Vereinten Nationen steht nach derzeitigem Kenntnisstand aus. Unklar ist zudem, ob die zehn zuvor festgenommenen jungen Männer tatsächlich mit den elf später gemeldeten Todesopfern identisch sind, welche konkrete Einheit an der Tat beteiligt war und wie sich der JNIM-Angriff auf Dioura auf die Kontrolle der Region Mopti auswirkt.

