Am Abend des 26. Juli sind in Palma de Mallorca laut Polizeiangaben rund 25.000 Menschen gegen den Massentourismus demonstriert. Aufgerufen hatte die Initiative „Menys Turisme, Més Vida“ unter dem Motto „Mallorca am Limit“ bereits zum dritten Jahr in Folge; der Zug führte von der Plaza de España über die Innenstadt bis nach Ses Voltes bei der Kathedrale, wo ein Manifest verlesen werden sollte. Zentrale Forderung ist eine Begrenzung der Besucherzahl, da steigende Touristenzahlen und Ferienwohnungen für Wohnungsnot, Staus, Lärm und Umweltschäden verantwortlich gemacht werden. Die Angaben zur Teilnehmerzahl gehen weit auseinander: Die Polizei zählte rund 25.000, die Veranstalter sprachen von über 70.000 – deutlich mehr als die zuvor erwarteten 40.000. Eine unabhängige Zählung liegt nicht vor.
Anders als in den Vorjahren blieb die Kundgebung diesmal nicht ohne Zwischenfälle: Am Ende des Protestzugs bei Ses Voltes kam es zu Zusammenstößen zwischen einer Gruppe von Demonstrierenden und der Polizei, die Absperrungen mit Schlagstöcken und Gummigeschoßen verteidigte. Wer die Eskalation auslöste, ist umstritten – Berichte nennen sowohl eine Blockade des Zugangs zur Manifest-Verlesung als auch, laut Polizeidarstellung, vorherige Angriffe auf Tourist:innen. Rettungsdienste zählten acht Verletzte, zwei davon mit Spitalsbehandlung; die Veranstalter sprachen von bis zu einem Dutzend Verletzten, darunter ein Fotojournalist, außerdem wurden mehrere Polizeikräfte verletzt.
Der Delegierte der spanischen Zentralregierung auf den Balearen bezeichnete die Polizeieinsätze als „gewalttätig und unverhältnismäßig“ und kündigte eine Überprüfung an, wofür ihn Polizeigewerkschaften kritisierten; die Protestplattform und die Partei Més forderten seinen Rücktritt. Im Vorfeld hatte bereits die balearische Regionalregierung zu einem friedlichen Protest aufgerufen, nachdem zwei Aktivisten wegen Sachbeschädigung an Immobilienbüros festgenommen worden waren. Offen bleiben der genaue Verletztenstand, der Ausgang der angekündigten Überprüfung sowie die politischen Folgen des Protests ein Jahr vor den balearischen Regionalwahlen.
Was passiert ist
Am Abend des 26. Juli sind in Palma de Mallorca laut Polizeiangaben rund 25.000 Menschen gegen den Massentourismus auf die Insel demonstriert. Ausgangspunkt war die Plaza de España im Zentrum der Stadt, von dort zog der Demonstrationszug über die Avenidas, die Via Roma und die Rambla bis zum Passeig del Born und weiter zum Passeig Sagrera in Richtung Ses Voltes bei der Kathedrale, wo ein Manifest verlesen werden sollte. Aufgerufen hatte die Initiative „Menys Turisme, Més Vida“ (Weniger Tourismus, mehr Leben) unter dem Motto „Mallorca am Limit“ bereits zum dritten Mal in Folge. Laut einem Bericht wurde der Protest von bis zu 134 sozialen Organisationen und Verbänden unterstützt. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer trugen selbstgebastelte Plakate, bei der Kundgebung sang die deutsch-mallorquinische Sängerin Maria Hein die Mallorca-Hymne „La Balanguera“.
Zusammenstöße am Ende der Demonstration
Der Protestzug selbst verlief nach den vorliegenden Berichten über weite Strecken friedlich. Erst am Ende, im Bereich von Ses Voltes, kam es zu Zusammenstößen zwischen einer Gruppe von Demonstrierenden und der Polizei: Absperrungen wurden attackiert, Beamte setzten daraufhin Gummigeschoße und Schlagstöcke ein. Zum genauen Auslöser widersprechen sich die Darstellungen. Einem Teil der Berichte zufolge hatte die Polizei zunächst den Zugang zum Ort der geplanten Manifest-Verlesung versperrt, worauf Teile der Menge reagierten; ein anderer Bericht gibt die Position der Polizei wieder, wonach ihr Einschreiten durch vorangegangene Angriffe auf Tourist:innen ausgelöst worden sei. Eine unabhängige Klärung dieser widersprüchlichen Angaben liegt nicht vor. Rettungsdienste registrierten nach den Zusammenstößen acht Verletzte, zwei davon Berichten zufolge mit Spitalsbehandlung; die Veranstalter sprachen von bis zu einem Dutzend Verletzten, darunter ein Fotojournalist, zudem seien mehrere Polizeikräfte verletzt worden. Eine konsolidierte, unabhängig geprüfte Zahl gibt es bislang nicht.
Politische Reaktionen auf den Polizeieinsatz
Der Delegierte der spanischen Zentralregierung auf den Balearen bezeichnete die Polizeieinsätze laut mehreren übereinstimmenden Medienberichten als „gewalttätig und unverhältnismäßig“ und kündigte einen ausführlichen Bericht sowie die Klärung möglicher Verantwortlichkeiten an. Die Polizeigewerkschaften SUP und CEP wiesen dies zurück und warfen ihm vor, die Arbeit der Beamten öffentlich infrage gestellt zu haben, bevor interne Berichte überhaupt vorlagen. Die Protestplattform sowie die balearische Partei Més forderten daraufhin seinen Rücktritt. Eine unabhängige, amtliche Aufarbeitung des Vorfalls steht nach dem vorliegenden Berichtsstand noch aus.
Was die Zahlen zeigen
Die Angaben zur Teilnehmerzahl gehen weiterhin deutlich auseinander. Die Veranstalter hatten im Vorfeld mit bis zu 40.000 Teilnehmenden gerechnet; nach der Demonstration war laut Berichten spanischer Medien sogar von über 70.000 tatsächlichen Teilnehmenden die Rede. Die mallorquinische Polizei und die spanische Nationalpolizei bezifferten die Zahl dagegen übereinstimmend auf rund 25.000. Eine unabhängige Zählung liegt nicht vor. Solche Diskrepanzen zwischen Veranstalter- und Polizeiangaben sind bei Großdemonstrationen verbreitet und für sich genommen kein Beleg dafür, dass eine Seite bewusst falsche Zahlen nennt.
Reaktion der balearischen Regierung im Vorfeld
Im Vorfeld der Demonstration hatte die balearische Regionalregierung – zu unterscheiden vom Delegierten der spanischen Zentralregierung, der sich erst nach den Zusammenstößen äußerte – mehrfach zu einem friedlichen Protest aufgerufen. Anlass war laut einem Bericht des spanischen Mediums eldiario.es unter anderem die Festnahme zweier Aktivisten, denen Sachbeschädigung an fünf Immobilienbüros vorgeworfen wurde, sowie ein zuvor kursierendes Handlungsmanual, das laut diesem Bericht zu Aktionen wie dem Blockieren von Türschlössern oder Farbanschlägen auf Geschäfte aufgerufen haben soll. Die Regierung wird in dem Bericht mit der Aussage zitiert, solche Aktionen seien inakzeptabel, teile aber zugleich die Einschätzung, dass die Balearen bei der touristischen Belastung „an ihre Grenze“ gestoßen seien.
Was unklar bleibt
Offen bleibt, wie sich die stark voneinander abweichenden Teilnehmerzahlen erklären lassen. Ebenso ungeklärt ist, was die Zusammenstöße am Ende der Demonstration tatsächlich auslöste – hier stehen sich die Darstellung von Demonstrierenden bzw. Veranstaltern und jene der Polizei gegenüber. Unklar ist auch, wie viele Menschen letztlich verletzt wurden, wie es ihnen inzwischen geht und ob die vom Delegierten der spanischen Zentralregierung angekündigte Überprüfung des Polizeieinsatzes zu konkreten Konsequenzen – bis hin zu seinem von Teilen der Protestbewegung geforderten Rücktritt – führt. Offen bleibt außerdem, welche konkreten politischen Schritte aus dem Protest insgesamt folgen könnten – etwa eine gesetzlich verankerte Obergrenze für Besucherzahlen oder Ferienwohnungen – und wie sich die für 2027 anstehenden Regionalwahlen auf diese Debatte auswirken. Keine der vorliegenden Quellen enthält eine direkte Stellungnahme der Tourismusbranche oder belastbare Zahlen zu den wirtschaftlichen Effekten einer möglichen Beschränkung.
Einordnung
Der Protest reiht sich in eine seit mehreren Jahren wachsende Debatte um Overtourism auf Mallorca und anderen spanischen Tourismuszentren wie Barcelona oder den Kanarischen Inseln ein. Anders als bei den beiden vorangegangenen Auflagen unter dem Motto „Mallorca am Limit“ endete die Demonstration diesmal laut den vorliegenden Berichten erstmals in Zusammenstößen mit der Polizei statt friedlich zu verlaufen. Die daran anschließende politische Kontroverse um den Polizeieinsatz und die Rolle des Delegierten der spanischen Zentralregierung verleiht dem an sich lokalen Ereignis zusätzliches überregionales Gewicht und dürfte die Debatte über Übertourismus und den Umgang mit Protesten auf den Balearen bis zu den Regionalwahlen 2027 weiter prägen.


