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In dem Fall einer 40-jährigen Frau, die Ende Juni tot in ihrem Wohnhaus in Marchtrenk (Bezirk Wels-Land) aufgefunden wurde, hat die Staatsanwaltschaft Wels bestätigt, dass ein dritter Mann am Tatabend an den mutmaßlichen Missbrauchshandlungen teilnehmen sollte, jedoch nicht am Tatort erschien. Die Frau war nach einer Obduktion Opfer einer Gewalttat im Rahmen mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs geworden. Ihr 51-jähriger Ehemann und ein zweiter, gleichaltriger Mann sitzen deswegen in Untersuchungshaft; die tödlichen Handlungen werden allein dem Ehemann zugeschrieben, der bislang schweigt. Der zweite Mann ist geständig und reuig.

Die Staatsanwaltschaft sieht zudem Verdachtsmomente für weitere mögliche Täter und Tathandlungen, laut Chats teils gegen Bezahlung – Details dazu sind offen. Ein Bericht der „Kronen Zeitung“, wonach die Ex-Frau des Hauptverdächtigen von früheren schweren Misshandlungen erzählt habe, ist bislang nicht unabhängig bestätigt.

Als Reaktion unter anderem auf den Fall kündigte Justizministerin Anna Sporrer eine Verschärfung des Sexualstrafrechts an; die Grünen kritisierten dabei einen aus ihrer Sicht verfehlten Zeitplan der Regierung. Ob es zu einer Mordanklage kommt und wie viele Verdächtige tatsächlich involviert waren, ist weiterhin offen.

Was passiert ist

Im Fall einer 40-jährigen Frau, die Ende Juni in ihrem Wohnhaus in Marchtrenk (Bezirk Wels-Land) tot aufgefunden wurde, gibt es einen dritten Mann, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft Wels am Tatabend an den mutmaßlichen Missbrauchshandlungen teilnehmen sollte. Er erschien laut einer Sprecherin der Behörde jedoch nicht am Tatort. Die Staatsanwaltschaft bestätigte diese Information der APA am Donnerstag, nachdem zuvor die „Kronen Zeitung“ berichtet hatte. Die Frau war am 26. Juni mit stark blutenden Wunden aufgefunden worden; die Rettung konnte nur noch ihren Tod feststellen. Eine anschließend angeordnete Obduktion ergab, dass sie Opfer einer Gewalttat im Rahmen mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs wurde.

Die Verdächtigen und der Ermittlungsstand

Nach bisherigem Ermittlungsstand sollen der 51-jährige Ehemann der Frau und ein zweiter, gleichaltriger Mann die zum Tatzeitpunkt laut Staatsanwaltschaft „schwerst alkoholisierte und daher wehrlose“ Frau gemeinsam sexuell missbraucht haben. Beide Männer befinden sich in Untersuchungshaft. Jene Handlungen, die letztlich zum Tod der Frau geführt haben sollen, werden ausschließlich dem Ehemann zugeschrieben; der zweite Mann könne damit laut Staatsanwaltschaft nicht in Verbindung gebracht werden. Gegen ihn wird wegen Missbrauchs einer wehrlosen Person in zwei Fällen ermittelt, einmal wegen besonders erniedrigender Tatbegehung; er ist geständig und zeigt sich reuig, der Strafrahmen liegt zwischen fünf und 15 Jahren. Der Ehemann äußert sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Ihm wird Missbrauch einer wehrlosen Person mit Todesfolge vorgeworfen, ein Delikt mit demselben Strafrahmen wie Mord – zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft. Ob es zu einer Anklage wegen Mordes kommen könnte, ist offen und dürfte davon abhängen, ob den Ermittlungen zufolge zumindest bedingter Vorsatz nachweisbar ist. Für beide inhaftierten Männer wurden psychiatrische Gutachten in Auftrag gegeben.

Weitere Spuren: Chats, ein Ex-Frau-Bericht und offene Fragen zu weiteren Tätern

Ob es über den nicht erschienenen dritten Mann hinaus weitere Tatverdächtige gibt, lässt die Staatsanwaltschaft laut den vorliegenden Berichten offen. Nur so viel wurde bestätigt: Es bestehe der Verdacht, dass es allenfalls zu weiteren Tathandlungen mit weiteren Verdächtigen gekommen sein könnte – laut Chats möglicherweise auch gegen Bezahlung. Wie belastbar diese Chat-Hinweise sind und wie viele Personen tatsächlich betroffen sein könnten, ist derzeit nicht bekannt. Die „Kronen Zeitung“ berichtete zudem, die Ex-Frau des Hauptverdächtigen habe von schweren früheren Misshandlungen durch ihn erzählt; eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte dazu lediglich, der Mann sei unbescholten, aber den Strafverfolgungsbehörden bekannt gewesen, ohne dies näher zu erläutern. Ob die Ex-Frau bereits vernommen wurde oder ob die gemeinsame Tochter des Ehepaars ebenfalls von Gewalt oder Missbrauch betroffen gewesen sein könnte, ließ die Behörde offen.

Politische Reaktion und gesellschaftliches Echo

Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) kündigte in einem Interview mit der ZIB2 an, das Sexualstrafrecht verschärfen zu wollen. Das Justizministerium bestätigte laut Medienberichten, dass dazu eine Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung des Sexualstrafrechts eingesetzt wird, die unter anderem prüfen soll, ob – anders als bisher – auch der bloße Besitz von Abbildungen sexualisierter Gewalt strafbar werden soll, sowie neue Regelungen zu Deepfakes vorbereiten soll; mehrere Berichte stellen dies auch in Zusammenhang mit dem Fall Marchtrenk. Die Grünen kritisierten in einer Aussendung, die Regierung verfehle bei dieser Reform ihren eigenen Zeitplan. Laut einem ORF-Bericht gab es zudem weiterhin Proteste gegen Gewalt an Frauen: Rund 200 Menschen versammelten sich demnach in Niederösterreich zu einem Protestmarsch, der von den Berichten mit dem Tod der Frau in Marchtrenk in Verbindung gebracht wurde.

Was unklar bleibt

Offen bleibt, ob es tatsächlich weitere Tatverdächtige und -handlungen gab, wie es die erwähnten Chats laut Staatsanwaltschaft nahelegen könnten. Ebenso unklar ist, ob der schweigende Ehemann letztlich wegen Mordes angeklagt wird oder ob es beim Vorwurf des Missbrauchs mit Todesfolge bleibt. Der von der „Kronen Zeitung“ wiedergegebene Bericht der Ex-Frau über frühere Misshandlungen ist bislang nicht unabhängig bestätigt. Auch der Zeitplan und der konkrete Inhalt der von Sporrer angekündigten Gesetzesreform stehen noch nicht endgültig fest, ebenso die Ergebnisse der laufenden psychiatrischen Begutachtungen.