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Marokkos König Mohammed VI. hat mit Fatima Ezzahra El Mansouri erstmals eine Frau zur Regierungschefin ernannt. Die 50-jährige Juristin, bisher Wohnungsbauministerin und Bürgermeisterin von Marrakesch, wurde vom Königspalast am Dienstag mit der Regierungsbildung beauftragt. Ihre Partei PAM war bei der Parlamentswahl am 23. September 2026 mit 97 von 395 Sitzen stärkste Kraft geworden, vor der RNI (66) und der Istiqlal-Partei (65). Die islamistische PJD kündigte an, in Opposition zu bleiben.

Ohne eigene Mehrheit muss El Mansouri nun eine Koalition schmieden. Die Wahlbeteiligung war mit 38 Prozent so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die künftige Regierung steht vor großen Herausforderungen: den letzten Phasen der WM-2030-Vorbereitungen, hohen Lebenshaltungskosten und Unzufriedenheit unter jungen Menschen, die sich im Juli 2026 in Protesten an der Grenze zur spanischen Exklave Ceuta entladen hatte.

Offen sind Zeitpunkt und Zusammensetzung der künftigen Koalitionsregierung sowie ein konkretes Regierungsprogramm; offizielle Reaktionen aus EU oder Österreich liegen bislang nicht vor.

Was passiert ist

Marokkos König Mohammed VI. hat die bisherige Wohnungsbauministerin und Bürgermeisterin von Marrakesch, Fatima Ezzahra El Mansouri, zur Regierungschefin ernannt. Damit steht erstmals in der Geschichte des nordafrikanischen Königreichs eine Frau an der Spitze der Regierung. Der Königspalast teilte am Dienstag mit, der Monarch habe die 50-jährige Juristin mit der Regierungsbildung beauftragt, nachdem er sie im Königspalast in Rabat empfangen hatte. Gemäß der marokkanischen Verfassung beruft der König den Regierungschef aus den Reihen der stärksten Partei im Parlament – in diesem Fall aus der liberal-zentristischen Partei für Authentizität und Modernität (PAM), deren Ko-Koordinatorin El Mansouri ist.

Wahlergebnis und Ausgangslage

Die PAM war bei der Parlamentswahl am 23. September 2026 mit 97 der 395 Sitze im Repräsentantenhaus stärkste Kraft geworden. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die bisherigen Koalitionspartner: die liberal-zentristische Nationale Sammlung der Unabhängigen (RNI) des scheidenden Regierungschefs Aziz Akhannouch mit 66 Sitzen sowie die konservativ-nationalistische Istiqlal-Partei mit 65 Mandaten. Die islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) kam auf 54 Sitze und kündigte an, in der Opposition zu bleiben. Ohne eigene Mehrheit muss El Mansouri nun eine Koalitionsregierung schmieden; laut Kurier zeigte sie sich zuletzt kompromissbereit und schloss eine erneute Zusammenarbeit mit der RNI nicht mehr aus, obwohl sie diese im Wahlkampf noch ausgeschlossen hatte. Die Wahlbeteiligung lag bei 38 Prozent – dem niedrigsten Wert seit 20 Jahren.

Herausforderungen für die neue Regierung

Die künftige Regierung übernimmt ein Land mit mehreren offenen Baustellen. Dazu zählen laut übereinstimmenden Medienberichten die letzten Phasen der rund 20 Milliarden Dollar teuren Vorbereitungen für die gemeinsam mit Spanien und Portugal ausgerichtete Fußball-Weltmeisterschaft 2030, hohe Lebenshaltungskosten sowie verbreitete Unzufriedenheit unter jungen Menschen. Diese Spannungen hatten sich im Juli 2026 unter anderem in einem Ansturm auf die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta sowie in tödlichen Protesten entladen. El Mansouri hatte im Wahlkampf angekündigt, jungen Marokkanerinnen und Marokkanern „wieder Hoffnung zu geben“.

Was unklar bleibt

Offen ist bislang, mit welchen Partnern und unter welchen Bedingungen El Mansouri eine Koalition bilden wird und wann die neue Regierung tatsächlich steht. Auch ein konkretes Regierungsprogramm liegt noch nicht vor. Offizielle Stellungnahmen der EU oder Österreichs zur Ernennung sind den vorliegenden Quellen nicht zu entnehmen. Für diesen Artikel wurde keine direkte Erklärung des Königspalasts oder der marokkanischen Nachrichtenagentur MAP ausgewertet, sondern ausschließlich Berichterstattung darüber.