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Anlässlich des Equal Pension Day am 9. August bestätigen Arbeiterkammer, ÖGB und der Städtebund-Frauenausschuss (Hanel-Torsch) übereinstimmend eine Pensionslücke zwischen Frauen und Männern in Österreich von 39,4 Prozent beziehungsweise rund 1.050 Euro brutto pro Monat; die durchschnittliche Bruttopension liegt laut AK bei Frauen bei rund 1.614 Euro, bei Männern bei rund 2.664 Euro. Ein Kommentar von DER STANDARD greift dieselben Zahlen auf. Für Niederösterreich beträgt die monatliche Pensionslücke laut AK Niederösterreich rund 1.100 Euro (Frauen 1.678 Euro, Männer 2.778 Euro brutto), weshalb der Equal Pension Day dort bereits am 8. August lag. Für Wien liegen konkrete Zahlen vor: Frauen erhalten dort im Schnitt 1.834 Euro, Männer 2.527 Euro brutto pro Monat – eine Differenz von 693 Euro bzw. rund 27,4 Prozent, damit die geringste Lücke unter den Bundesländern; eine unabhängige Presseaussendung von ABZ*AUSTRIA bestätigt denselben Prozentwert für Wien und nennt für Vorarlberg mit 46,4 Prozent die höchste Bundesländer-Lücke. Zu Kärnten liegen weiterhin zwei widersprüchliche Einzelzahlen vor (13.800 Euro pro Jahr versus 890 Euro pro Monat), die die Redaktion nicht auflösen kann. Ein weiterer Medienbericht ordnet Österreich unter Berufung auf OECD- und Eurostat-Daten als Schlusslicht im deutschsprachigen Raum und Zweitplatzierten hinter Malta beim EU-Vergleich der Pensionslücke ein; diese Einordnung wurde nicht an den Primärquellen selbst geprüft.

Neu in die Debatte eingebracht hat sich Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ): Sie fordert anlässlich des Equal Pension Day erneut die rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie und sieht die Pensionslücke auch als Folge von Benachteiligung am Arbeitsmarkt. Ein entsprechender Gesetzesentwurf von Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) liegt bereits seit der Anfang Juni 2026 abgelaufenen Umsetzungsfrist vor, wird aber laut einem Medienbericht von ÖVP und NEOS abgelehnt; die Koalitionsverhandlungen liegen derzeit auf Eis. NEOS und Wirtschaftskammer befürchten dabei überbordende Bürokratie durch „Gold-Plating“, während Schumann und AK-Präsidentin Anderl den Entwurf für praxistauglich halten. Vorgesehen sind unter anderem Einkommensberichte für Unternehmen ab 100 Beschäftigten, ein Auskunftsrecht über Vergleichsgehälter, die Angabe von Einstiegsgehältern in Stellenausschreibungen und Verwaltungsstrafen bis 60.000 Euro bei Verstößen – Details, die ausschließlich aus einem einzelnen Medienbericht stammen.

Dass sich das Ungleichgewicht im Pensionssystem konkret auswirkt, zeigt sich laut einem ORF-Bericht auch bei der Caritas-Sozialberatung in der Wiener Mommsengasse: Deren Leiterin Doris Anzengruber berichtet von einer wachsenden Zahl älterer Frauen, die wegen Miete, Energiekosten oder Lebenshaltungskosten Beratung suchen; von den rund 11.000 jährlichen Ratsuchenden sind fast 60 Prozent Frauen. Geschildert wird der Fall einer 70-jährigen Frau, die seit zwei Jahren ohne Heizung und Warmwasser lebt und aus Angst um die Miete in die Beratung kam – ein Einzelfall zur Illustration, keine repräsentative Erhebung. AK-Wien-Sozialversicherungsexperte Wolfgang Panhölzl sieht Frauen sowohl bei Versicherungszeiten (durch Care-Arbeit) als auch beim Einkommen (durch unterbezahlte Frauenbranchen und unfreiwillige Teilzeit) strukturell benachteiligt und fordert kurzfristig eine bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten.

AK bestätigt Pensionslücke von 39,4 Prozent erneut

Anlässlich des Equal Pension Day am 9. August bestätigt die Arbeiterkammer für 2026 eine Pensionslücke zwischen Frauen und Männern in Österreich von 39,4 Prozent beziehungsweise 144 Tagen: So viel länger müssen Frauen statistisch auf jene Pensionssumme warten, die Männer bereits am 9. August erreicht haben. Die AK gibt die durchschnittliche Bruttopension von Frauen mit rund 1.614 Euro an, jene von Männern mit rund 2.664 Euro – eine Differenz von rund 1.050 Euro pro Monat. AK-Präsidentin Renate Anderl fordert vor diesem Hintergrund den Ausbau der Kinderbetreuung sowie ein Bonus-Malus-System, das Betriebe zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer anhalten soll.

Eine gemeinsame Aussendung von Städtebund-Frauenausschuss (Elke Hanel-Torsch), AK (Anderl) und ÖGB (Hörmann) bekräftigte am 6. August dieselbe Kennzahl noch einmal. Dass mittlerweile mehrere voneinander unabhängige Akteure – AK, Gewerkschaft vida, die gemeinsame Aussendung Hanel-Torsch/Anderl/Hörmann, FSG/younion und nun sinngemäß auch Pensionistenverband und Seniorenbund – auf dieselbe Größenordnung kommen, spricht für eine belastbare Datenbasis, auch wenn eine vollständig unabhängige, redaktionell nachvollzogene Neuberechnung nicht vorliegt. Ein Kommentar von DER STANDARD greift dieselben Zahlen (rund 1.614 zu 2.664 Euro) auf und bewertet die Lücke als „skandalös“ – eine wertende Einordnung des Kommentators, die die Redaktion hier als dessen Position, nicht als eigene Bewertung wiedergibt.

Niederösterreich: 1.100 Euro Unterschied, Equal Pension Day bereits am 8. August

Neben der bundesweiten AK-Zahl liegt auch eine offiziell von einer Landeskammer selbst veröffentlichte Regionalzahl vor: Laut Arbeiterkammer Niederösterreich beträgt die monatliche Pensionslücke zwischen Frauen und Männern im Bundesland rund 1.100 Euro, was knapp 40 Prozent entspricht. Eine Niederösterreicherin bezieht demnach im Schnitt eine Bruttopension von rund 1.678 Euro, ein Niederösterreicher rund 2.778 Euro. Weil die Lücke in Niederösterreich damit etwas größer ausfällt als der Bundesschnitt, fiel der Equal Pension Day im Bundesland bereits auf den 8. August – einen Tag vor dem österreichweiten Stichtag am 9. August. Zum Vergleich: 2015 lag der niederösterreichische Stichtag noch beim 21. Juli, die Lücke verschiebt sich also langsam nach hinten.

Margareta Selch, Leiterin der AMS-Geschäftsstelle Lilienfeld, ordnet die Ursachen ein: Die Pensionslücke sei die Folge einer vorausgehenden Gehaltslücke, die bereits bei der Berufsorientierung beginne, etwa weil Branchen und Berufe mit hohem Frauenanteil häufig schlechter bezahlt seien. Sie plädiert für frühzeitige Aufklärung, Beratung und Sensibilisierung sowie für strukturelle Rahmenbedingungen wie ausreichende Kinderbetreuung, eine gut ausgebaute Mobilitätsinfrastruktur, vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten und eine faire Aufteilung unbezahlter Betreuungs- und Haushaltsarbeit innerhalb der Familie. AK-Niederösterreich-Präsident und zugleich ÖGB-Niederösterreich-Vorsitzender Markus Wieser fordert konkret die konsequente Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, eine finanzielle Aufwertung frauendominierter Branchen sowie ein gesetzliches Recht auf Vollzeitarbeit.

Die für Frauenagenden zuständige Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) verweist auf die „Betreuungsoffensive“ des Landes sowie auf Initiativen zur Finanzkompetenz und zur Steigerung des Interesses von Mädchen an technischen und handwerklichen Berufen. Zudem erinnert sie an die Möglichkeit des Pensionssplittings für Eltern: Der Elternteil, der die Kinder nicht überwiegend erzieht und erwerbstätig ist, kann demnach für die ersten Jahre nach der Geburt einen Teil seiner Pensionsansprüche auf den betreuenden Elternteil übertragen. Die genauen Modalitäten gehen aus dem vorliegenden Bericht nicht vollständig hervor, da das entsprechende Zitat dort abbricht.

Widersprüchliche Zahlen aus Kärnten

Zur Pensionslücke in Kärnten liegen weiterhin zwei voneinander abweichende Einzelzahlen vor. Eine Presseaussendung beziffert die jährliche Pensionslücke zwischen Frauen und Männern in Kärnten mit rund 13.800 Euro, was einer Lücke von rund 39 Prozent entspricht – umgerechnet rund 1.150 Euro pro Monat. Ein Bericht der Kleine Zeitung nennt dagegen eine monatliche Pensionslücke von 890 Euro, was hochgerechnet rund 10.680 Euro pro Jahr entspräche. Beide Zahlen stammen aus je nur einer Quelle, keine legt ihre Berechnungsgrundlage offen, und die Redaktion kann den Widerspruch zwischen ihnen weiterhin nicht auflösen; er wird hier bewusst benannt statt geglättet.

Laut Kleine Zeitung macht die ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Kärnten, Silvia Igumnov, unfreiwillige Teilzeit und fehlende Kinderbetreuung für niedrige Pensionen und Altersarmut von Frauen in Kärnten verantwortlich. Igumnov ist damit die regionale ÖGB-Frauenvertretung in Kärnten – nicht zu verwechseln mit der bundesweiten ÖGB-Frauenvorsitzenden Korinna Hörmann, die sich in einer eigenen, bereits berichteten Aussendung geäußert hat. Der vollständige Artikeltext mit Igumnovs Begründung liegt der Redaktion nicht vor, weshalb ihre Einschätzung hier nur aus Titel und Kurzzusammenfassung wiedergegeben werden kann.

Wien: geringste Pensionslücke im Bundesländervergleich, wachsender Andrang bei Sozialberatungen

Für Wien liegen konkrete Zahlen vor: Die durchschnittliche monatliche Alterspension liegt dort laut einem ORF-Bericht bei Frauen bei rund 1.834 Euro brutto, bei Männern bei rund 2.527 Euro – eine Differenz von 693 Euro. Damit fällt der Unterschied in Wien deutlich geringer aus als im Österreichschnitt, wo er rund 1.000 Euro beträgt. Unabhängig davon nennt eine Presseaussendung von ABZ*AUSTRIA für Wien einen Pensionslücken-Wert von 27,4 Prozent – rechnerisch derselbe Wert, der sich aus den ORF-Zahlen ergibt (693 von 2.527 Euro). Diese Übereinstimmung zweier unabhängiger Quellen stützt beide Angaben. Laut derselben Presseaussendung weist Vorarlberg mit 46,4 Prozent die höchste Pensionslücke aller Bundesländer auf; diese Zahl liegt allerdings nur einquellig vor und wurde nicht unabhängig geprüft.

Dass sich das Ungleichgewicht im Pensionssystem konkret auswirkt, zeigt sich laut ORF-Bericht in der Nachfrage bei der Caritas-Sozialberatung in der Wiener Mommsengasse. Deren Leiterin Doris Anzengruber berichtet von immer mehr älteren Frauen, die Beratung suchen – oft, weil sie sich den täglichen Lebensbedarf, die Miete oder die laufenden Energiekosten nicht mehr leisten können. Von den rund 11.000 Personen, die pro Jahr bei der Caritas-Sozialberatung Hilfe suchen, sind fast 60 Prozent Frauen. Anzengruber schilderte dazu den Fall einer 70-jährigen Frau, die seit zwei Jahren ohne Heizung und Warmwasser lebt und erst in die Beratung kam, weil sie Angst hatte, die Miete nicht mehr bezahlen zu können. Dieser Einzelfall dient als Illustration der Beratungspraxis und ist nicht unabhängig überprüfbar; die Person bleibt anonymisiert.

Wolfgang Panhölzl, Leiter der Abteilung Sozialversicherung in der Arbeiterkammer Wien, ordnet die strukturellen Ursachen ein: Frauen seien bei Versicherungszeiten benachteiligt, weil sie den Großteil der Care-Arbeit – Kindererziehung und Pflege von Angehörigen – leisten. Beim Einkommen seien sie benachteiligt, weil typische Frauenbranchen wie Handel, Reinigung oder Dienstleistungsberufe wie Friseurinnen schlecht bezahlt seien; hinzu komme eine hohe unfreiwillige Teilzeitquote von Frauen. Kurzfristig fordert die Arbeiterkammer eine bessere Anrechnung der Kindererziehungszeiten in der Pensionsberechnung.

Internationaler Vergleich: Österreich „Vize-Europameister“?

Laut einem Kurier-Bericht, der sich auf einen OECD-Bericht beruft, bildet Österreich im deutschsprachigen Raum das Schlusslicht bei der Gleichstellung im Alter und liegt bei der Pensionslücke weit über dem OECD-Schnitt. Im selben Bericht wird unter Verweis auf Eurostat-Daten festgehalten, dass Österreich im EU-Vergleich nach Malta die zweithöchste Pensionslücke nach Geschlechtern aufweise. Die Redaktion hat den zugrunde liegenden OECD-Bericht beziehungsweise die Eurostat-Daten nicht selbst eingesehen; diese Einordnung ist daher als Wiedergabe eines Medienberichts zu verstehen und nicht als eigenständig geprüfte Kennzahl.

Ebenfalls laut diesem Bericht sind aktuell 28 Prozent der alleinstehenden Pensionistinnen in Österreich armutsgefährdet, gegenüber 14 Prozent bei den Männern. Auch diese Zahl stammt aus der AK-Kommunikation, wie sie in einem Medienbericht wiedergegeben wird, und wurde nicht gegen eine Primärquelle wie Statistik Austria geprüft.

Mattles 45-Jahre-Modell bleibt umstritten – Anderl und Pensionistenverband widersprechen

Kurz vor dem Equal Pension Day hatte Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) eine Debatte über eine grundlegende Pensionsreform ausgelöst: Er schlägt vor, den Pensionsantritt nicht mehr primär am Lebensalter, sondern an der Zahl der geleisteten Erwerbsjahre (45 Jahre) festzumachen. Der Vorschlag traf auf scharfen Widerspruch. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch nannte ihn einen „Schlag ins Gesicht, für jeden, der dieses Land mit seiner Hände Arbeit aufgebaut hat“, und warf Mattle „beispiellose Arroganz und Missachtung der Lebensleistung von Millionen Österreichern“ vor – Zitate, die inzwischen auch durch einen direkt gelesenen Volltextauszug des ORF-Berichts bestätigt sind. Auch die Gewerkschaft vida positionierte sich gegen den Vorschlag: Bundesfrauenvorsitzende Olivia Janisch sprach von Zynismus, weil besonders Frauen wegen Kinderbetreuung und Pflege seltener durchgehende 45 Erwerbsjahre erreichen, und warnte – ohne dass eine solche Absicht offiziell bestätigt wäre – vor einer möglichen Abschaffung von Schwerarbeits- und Korridorpension.

Auch AK-Präsidentin Anderl positionierte sich klar gegen derartige Modelle. Sie verweist darauf, dass die seit Jänner 2024 laufende schrittweise Anhebung des gesetzlichen Frauenpensionsalters auf 65 Jahre aus ihrer Sicht „ernüchternd“ verlaufe: Statt länger im Betrieb gehalten zu werden, steige ihrer Einschätzung nach die Arbeitslosigkeit älterer Frauen. Diese Einschätzung liegt der Redaktion nur über einen Medienbericht vor und wurde nicht gegen AMS- oder Statistik-Austria-Zahlen geprüft.

Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) bezeichnet über die Stimme von Gerstorfer das 45-Jahre-Modell als an der Lebensrealität vieler Frauen vorbeigehend und untermauert dies mit Zahlen: Frauen weisen bei Pensionsantritt im Schnitt nur 450 Versicherungsmonate (rund 37,5 Jahre) auf, Männer dagegen 497 Monate (rund 41,4 Jahre). Ein starres 45-Jahre-Kriterium würde daher viele Frauen entweder in längere Arbeitslosigkeit oder in hohe Pensionsabschläge drängen, ohne die Pensionslücke selbst zu schließen. Der PVÖ fordert stattdessen gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, bessere Beschäftigungschancen für ältere Frauen, stärkeren Pensionsschutz für Kinderbetreuungs- und Pflegezeiten sowie ein Bonus-Malus-System gegen Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt. Wie sich die ÖVP-Bundespartei und die Koalitionspartner SPÖ und NEOS offiziell zu Mattles Vorstoß stellen, geht aus den vorliegenden Quellen weiterhin nicht eindeutig hervor.

Doskozil: Sparen bei Regierungsämtern statt späterem Pensionsantritt

In dieselbe Debatte um ein höheres Pensionsalter hat sich auch SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil eingeschaltet. Ein direkt gelesener Volltextauszug seines Interviews mit der Nachrichtenagentur APA, veröffentlicht von Die Presse, bestätigt die zuvor nur zusammenfassend bekannte Aussage wörtlich: Doskozil hält eine Anhebung des Pensionsantrittsalters für den falschen Ansatz und fordert stattdessen, die Bundesregierung solle bei der eigenen Zahl an Ministerämtern sparen – zehn Regierungsämter würden aus seiner Sicht ausreichen. „Jeden Tag vom Sparen zu reden und dort nicht zu sparen, das ist ein Schlag ins Gesicht jedes einzelnen Steuerzahlers“, so Doskozil. Im selben Interview äußerte er sich auch kritisch zur eigenen Partei, die sich seiner Einschätzung nach „in Richtung Kleinstpartei“ entwickle – ein Aspekt, der über die Pensionsdebatte hinausgeht und hier nur der Einordnung des Zitats dient.

Holzleitner fordert Einigung bei der Lohntransparenz – Koalitionsverhandlungen liegen auf Eis

Neu in die Debatte eingebracht hat sich Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ): Anlässlich des Equal Pension Day forderte sie am 9. August erneut eine rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie. Dass viele Frauen in Österreich deutlich niedrigere Pensionen erhalten, liege ihrer Einschätzung nach neben dem Pensionssystem selbst auch an Benachteiligung am Arbeitsmarkt: Frauen verdienten weniger, übernähmen den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit, arbeiteten öfter in Teilzeit und würden im Alter überdurchschnittlich oft arbeitslos – wodurch auch die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters nicht automatisch zu längeren Erwerbskarrieren führe. „Nur was sichtbar ist, kann auch konsequent bekämpft werden“, begründete Holzleitner ihre Forderung nach „echter Lohntransparenz“.

Ein Gesetzesentwurf zur Umsetzung der eigentlich schon Anfang Juni 2026 ausgelaufenen EU-Frist liegt bereits seit Monaten vor: Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) hatte ihn einen Tag vor Fristende vorgelegt. Von ÖVP und NEOS wird der Entwurf jedoch abgelehnt, eine Einigung der Koalition fehlt weiterhin, die Verhandlungen liegen aktuell auf Eis. Anders als ursprünglich geplant kam im Vorfeld keine Einigung mit den Sozialpartnern zustande; ohne diese will die ÖVP dem Bericht zufolge nicht zustimmen. NEOS und Wirtschaftskammer befürchten eine überbordende Bürokratie durch „Gold-Plating“, also eine Übererfüllung der EU-Vorgaben. Schumann selbst bezeichnete ihren Entwurf dagegen als praxistauglich; auch AK-Präsidentin Anderl hält die Anforderungen im digitalen Zeitalter für leicht erfüllbar. Diese Gegenüberstellung von Positionen stammt aus einem einzelnen, direkt gelesenen Medienbericht; eine eigene Stellungnahme von ÖVP, NEOS oder Wirtschaftskammer liegt der Redaktion nicht vor.

Inhaltlich sieht der von der Arbeitsministerin vorgelegte Entwurf laut demselben Bericht vor, dass Unternehmen ab 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Einkommensberichte erstellen müssen. Geplant ist unter anderem ein Auskunftsrecht über das eigene und das Durchschnittsentgelt von Kolleginnen und Kollegen mit gleicher oder gleichwertiger Tätigkeit. In Stellenausschreibungen muss demnach das Einstiegsgehalt oder dessen Spanne bekanntgegeben werden. Bei mehrmaligen Verstößen gegen die neuen Transparenzpflichten drohen Unternehmen Verwaltungsstrafen von bis zu 60.000 Euro. Ob und wann die Verhandlungen zwischen den Koalitionspartnern wieder aufgenommen werden, ist derzeit offen.

Breite Forderungsfront: von AK bis zur Jungen Industrie und dem Seniorenbund

Neben AK und vida meldeten sich zum Equal Pension Day zahlreiche weitere Organisationen zu Wort. Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler forderte, „bei den Ursachen anzusetzen“, und sieht die aktuellen Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung kritisch – diese träfen ihrer Einschätzung nach vor allem Frauen mit niedrigem Einkommen; auch dieses Zitat ist durch einen direkt gelesenen ORF-Volltextauszug bestätigt. Der SPÖ-nahe Pensionistenverband (PVÖ) hält in seiner ersten Aussendung fest, wer Frauen im Arbeitsleben benachteilige, produziere Altersarmut; die ÖVP-nahe Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) forderte über ihren Vertreter Hafner, Pensionslücken zu schließen und Care-Arbeit partnerschaftlich aufzuteilen. Die Grünen (Disoski) verlangten einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung bereits ab dem ersten Geburtstag sowie den flächendeckenden Ausbau von Betreuungsplätzen. SPÖ-Frauensprecherin Sabine Schatz stellte die Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie in den Mittelpunkt.

PRO-GE, ÖGB und FPÖ meldeten sich am 6. August mit eigenen Aussendungen: PRO-GE-Frauenvorsitzende Elfriede Schober fordert Reformen am Arbeitsmarkt, die rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie und den Ausbau der Kinderbetreuung. ÖGB-Frauenvorsitzende Korinna Hörmann betont, die Pensionslücke beginne „nicht erst im Ruhestand, sondern bereits am ersten Arbeitstag“, und fordert faire Löhne und Arbeitsbedingungen bei einem grundsätzlich funktionierenden Umlagesystem. Ergänzend erklärte ÖGB-Pensionist:innen-Vorsitzende Monika Kemperle, ab dem 9. August erhielten Frauen rechnerisch keine Pension mehr; die Lücke sei kein individuelles, sondern ein gesellschaftlich verursachtes Problem. FPÖ-Frauensprecherin Rosa Ecker kritisiert dagegen, Österreich diskutiere die Pensionslücke seit Jahren mit denselben Zahlen, ohne dass wirksame Maßnahmen folgten – sinngemäß „täglich grüßt das Murmeltier“.

Am 7. August positionierten sich mit FSG und younion (Meidlinger, Slimar-Weißmann, Kniezanrek) weitere gewerkschaftliche Stimmen: Sie ordnen die Pensionslücke ausdrücklich als Ergebnis struktureller Ungleichheit ein, nicht als individuelles Versagen, und fordern konsequentes politisches Gegensteuern gegen Altersarmut von Frauen. Am selben Tag meldete sich auch die Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec zu Wort: Sie fordert automatisches Pensionssplitting mit Opt-out-Möglichkeit, flächendeckende Kinderbetreuung und bessere Karrierechancen für Frauen bis zum gesetzlichen Pensionsalter. Korosec kritisiert, dass sich die Pensionslücke seit 2015 nur um 3,9 Prozentpunkte verringert habe – beim aktuellen Tempo würde es demnach mehr als 100 weitere Jahre dauern, bis der Equal Pension Day auf den 31. Dezember fällt, also die Pensionen ganzjährig gleich hoch wären. Einen Tag später, am 8. August, forderte auch SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Ruth Manninger unter dem Titel „Gleicher Lohn bedeutet mehr Pension“ die rasche Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie sowie mehr Investitionen in den Arbeitsmarkt, insbesondere für ältere Arbeitnehmerinnen, Frauen, Langzeitarbeitslose und Jugendliche; der Redaktion liegt dazu allerdings nur eine Zusammenfassung, kein vollständiger Aussendungstext vor. Am 9. August schlossen sich mit einer eigenen Presseaussendung auch die SPÖ-Europaabgeordneten Bettina Grossmann und Evelyn Regner der Forderungsfront an: Sie plädieren für den konsequenten Ausbau leistbarer Kinderbetreuung, eine faire Aufteilung unbezahlter Care-Arbeit und gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, um die Lohnlücke von heute nicht zur Pensionslücke von morgen werden zu lassen.

Erstmals hat sich mit der wirtschaftsnahen Jungen Industrie auch eine Stimme aus dem Unternehmerlager zu Wort gemeldet, die einen anderen Lösungsansatz vertritt als die überwiegend arbeitnehmer- und sozialpolitisch orientierten Wortmeldungen: Sie sieht den Ausbau der privaten Altersvorsorge (dritte Säule) als schnellsten Weg, die individuelle Pensionslücke zu schließen, und schlägt dafür unter anderem vor, Erträge aus langfristigen Kapitalanlagen von der Kapitalertragsteuer zu befreien. Eine unabhängige Einschätzung, wie stark ein solches Modell die strukturelle, durch Erwerbsunterbrechungen und Teilzeit bedingte Pensionslücke tatsächlich schließen könnte, liegt nicht vor.

Vorgeschichte

Wie im bisherigen Bericht zur Pensionslücke in Oberösterreich dargestellt, macht der jährliche Equal Pension Day seit Jahren auf den geschlechtsspezifischen Unterschied bei den Pensionshöhen aufmerksam; damals ging es um eine regionale, methodisch nicht näher nachvollziehbare Erhebung für Oberösterreich. Mit den nun vorliegenden Zahlen aus Niederösterreich und Wien – teils direkt von Landeskammer beziehungsweise ORF veröffentlicht bzw. wiedergegeben – sowie den weiterhin untereinander widersprüchlichen Zahlen aus Kärnten zeigt sich, dass regionale Einzelerhebungen im Umfeld des Equal Pension Day wiederkehrend auftauchen, in Qualität und Nachvollziehbarkeit aber deutlich variieren. Die bundesweiten AK-Zahlen sind davon unabhängig und beziehen sich auf eine andere Kennzahl (Gesamtösterreich statt Bundesland); die offenen Fragen zur oberösterreichischen Erhebung bleiben durch den aktuellen Cluster unberührt und weiterhin offen. Neu hinzugekommen ist mit der Debatte um die EU-Lohntransparenzrichtlinie ein politischer Lösungsansatz, der die Pensionslücke nicht direkt, sondern über ihre Ursache – die Lohnlücke im Erwerbsleben – adressieren soll; ob und wann die dazu blockierten Koalitionsverhandlungen zu einem Ergebnis führen, bleibt offen.