Der Rektor der Medizinischen Universität Wien, Markus Müller, warnt vor einem „strategischen Rückschritt“ bei der Finanzierung der österreichischen Universitäten. Sollte die Bundesregierung ihre derzeitigen Pläne für die Leistungsvereinbarungsperiode 2028 bis 2030 beibehalten, würde die Universitätsfinanzierung nach seiner Einschätzung auf das Niveau von Mitte der 2000er Jahre zurückfallen – ein Abweichen von einem seit rund 2010 verfolgten Finanzierungskurs. Das Wissenschaftsministerium muss laut übereinstimmenden Berichten allein 2028 rund 190 Millionen Euro einsparen, zusätzlich sollen Universitäten künftig rund 100 Millionen Euro jährlich an Ärztegehältern selbst tragen, die bisher größtenteils der Bund übernahm. Für die Med-Uni Wien, deren Budget zu 90 Prozent in Personal fließt, ergäbe sich daraus laut Müller ein reales Sparziel von rund 14 Prozent.
Eine endgültige Budgetentscheidung wurde bereits vertagt und muss nun erst nach einer für den Herbst angekündigten Regierungsklausur fallen – gesetzlich vorgeschrieben ist eine Festlegung bis Ende Oktober 2026. Ministerin Eva-Maria Holzleitner hatte Ende Juni ein „moderates“ Plus in Aussicht gestellt, seither gibt es laut Müller keine Konkretisierung. Die Universitätenkonferenz uniko warnte bereits vor einer möglichen Kürzung von bis zu einer Milliarde Euro über den gesamten Finanzierungszeitraum. Wie hoch die tatsächliche Erhöhung ausfällt und was die Regierungsklausur beschließt, ist derzeit offen.
Was passiert ist
Der Rektor der Medizinischen Universität Wien, Markus Müller, warnt vor einem „strategischen Rückschritt“ bei der Finanzierung der österreichischen Universitäten. Sollte die Bundesregierung ihre derzeitigen Pläne für die Leistungsvereinbarungsperiode 2028 bis 2030 beibehalten, würde die Universitätsfinanzierung nach seiner Einschätzung auf das Niveau von Mitte der 2000er Jahre zurückfallen. Das sagte Müller im Gespräch mit der Austria Presse Agentur (APA). Sollte es dabei bleiben, müsse man sich Anfang 2027 mit „gravierenden Effizienzmaßnahmen“ auseinandersetzen, so der Rektor. Über mehrere österreichische Medien – unter anderem Kurier, Kleine Zeitung und Die Presse – wurde die Warnung mit weitgehend übereinstimmendem Inhalt verbreitet, was auf eine gemeinsame Agenturquelle hindeutet.
Die Zahlen hinter der Warnung
Universitäten werden in Österreich zum größten Teil über dreijährige Leistungsvereinbarungen mit dem Bund finanziert. Für die kommende Periode 2028 bis 2030 muss das Wissenschaftsministerium laut übereinstimmenden Berichten allein im Jahr 2028 rund 190 Millionen Euro einsparen. Hinzu kommt eine strukturelle Verschiebung: Universitäten – vor allem jene mit angeschlossenen Kliniken – sollen künftig rund 100 Millionen Euro jährlich an Ärztegehältern selbst aufbringen, die bisher größtenteils der Bund getragen hat. Für die Medizinische Universität Wien wiegt das laut Müller besonders schwer, weil rund 90 Prozent ihres Budgets in Personal fließen – darunter jene rund 1.700 Ärztinnen und Ärzte, die den laufenden Betrieb des Wiener AKH sicherstellen. Nach derzeitigem Stand müsste die Med-Uni Wien real etwa 14 Prozent einsparen; würde man das gleichmäßig über alle Bereiche verteilen, ergäbe sich laut Müller ein Minus von rund 200 Millionen Euro.
Die andere Seite: Ministerium, Zeitplan und Uniko
Eine ursprünglich für den Sommer erwartete Festlegung des Unibudgets wurde bereits vertagt. Nach Protesten gegen einen Entwurf, der nominelle Kürzungen vorgesehen hätte, wird das laufende Budget vorerst fortgeschrieben; die endgültige Entscheidung soll erst nach einer für den Herbst angekündigten Regierungsklausur fallen, muss laut Gesetz aber bis Ende Oktober 2026 stehen. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) hatte Ende Juni ein „moderates“ Plus für die kommende Periode in Aussicht gestellt, seither ist laut Müller nichts Konkretes mehr bekannt geworden. Berichten zufolge schließt Holzleitner eine Erhöhung der Studiengebühren aus, stellte aber auch kein zusätzliches Geld für die Ärztegehälter in Aussicht. Die Universitätenkonferenz (uniko), der Zusammenschluss der heimischen Universitäten, hatte ihrerseits bereits vor einer möglichen Kürzung von bis zu einer Milliarde Euro über den gesamten Zeitraum 2028 bis 2030 gewarnt.
Einordnung
Müller stellt die aktuellen Pläne in einen größeren historischen Bogen: Seit rund 2010 habe es parteiübergreifend die Strategie gegeben, die österreichische Universitätsfinanzierung auf ein international konkurrenzfähiges Niveau zu bringen – ein Kurs, der nach seiner Darstellung erst seit Kurzem Wirkung zeigt. Die jetzt diskutierten Kürzungspläne würden aus seiner Sicht von diesem 15 Jahre verfolgten Weg abweichen. Für Medizin-Universitäten kommt laut Müller ein „Spezialproblem“ hinzu: Sie tragen neben Lehre und Forschung auch die operative Verantwortung für Universitätskliniken wie das Wiener AKH, was Einsparungen dort besonders unmittelbar auf die Patientenversorgung durchschlagen lassen könnte. Eine eigenständige Einschätzung dazu, wie realistisch Müllers Befürchtungen sind oder wie das Ministerium seine eigene Budgetlogik begründet, liegt derzeit nicht in ausführlicher Form vor.
Was unklar bleibt
Offen ist vor allem, wie hoch das von Holzleitner in Aussicht gestellte „moderate Plus“ tatsächlich ausfallen wird und was die für den Herbst angekündigte Regierungsklausur konkret beschließt. Unklar bleibt auch, welche „gravierenden Effizienzmaßnahmen“ die Medizin-Universität Wien im Fall anhaltender Kürzungen ab Anfang 2027 konkret plant, und wie andere Universitäten und ihre Rektorate die Lage einschätzen. Müller bezeichnete laut Kurzzusammenfassungen der Quellen auch Diskussionen über eine Reduktion von Studienplätzen als „absurd“ – nähere Details dazu liegen in den vorliegenden Quellen nicht vor. Eine ausführliche, direkte Stellungnahme des Wissenschaftsministeriums zu Müllers Warnung selbst wurde in der vorliegenden Recherche nicht gefunden.

