Textlänge

Metro hat die operative Kontrolle über sein Russlandgeschäft verloren: Ein Dekret von Präsident Wladimir Putin vom 28. September 2026 stellt die russischen Vermögenswerte des Konzerns unter vorübergehende externe Verwaltung. Laut Metros eigener Mitteilung übernimmt dabei die Firma „UK Torg RUS“ die operative Führung – ein Unternehmen, das nach Konzernangaben dem bisherigen Geschäftsführer von Metro Russland, Johannes Tholey, gehört. Das Eigentum bleibt formal bei Metro, betroffen sind 91 Großhandelsmärkte mit rund 9.000 Beschäftigten. Eine Begründung enthält das Dekret selbst laut Medienberichten nicht.

Kremlsprecher Dmitri Peskow lieferte im Nachhinein eine allgemeine Erklärung: Solche Schritte berücksichtigten die Einstufung von Herkunftsländern als „unfreundlich“ angesichts deren wachsender Verwicklung in den Konflikt um Russland; der Vorgang sei kein Eigentümerwechsel, sondern reversibel. Diese Aussage stützt sich bislang nur auf ein russisches, staatsnahes Medium. Russische Wirtschaftsmedien berichten zudem, UK Torg RUS sei erst rund drei Wochen vor dem Dekret gegründet worden – ob dies gezielte Vorbereitung war, bleibt unbestätigt. Der Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Übernahmen ein, darunter Nestlé und Auchan Anfang September.

Die Maßnahme fällt in eine Phase ohnehin verschärfter deutsch-russischer Beziehungen, wie im bisherigen Bericht zur Leipzig-Drohnen-Affäre dargestellt. Ob sie gezielt als weitere Gegenmaßnahme in diesem Streit zu verstehen ist, lässt sich aus den vorliegenden Quellen jedoch nicht bestätigen: Der Kreml begründet sie allgemein mit dem Kriegskontext und stellt Metro damit neben andere betroffene westliche Konzerne, nicht speziell neben den Leipzig-Fall. Offen bleiben die finanziellen Folgen für Metro, die künftige Rolle Tholeys und ob der Kreml seine Reversibilitäts-Zusage je einlöst.

Neue Verwaltungsfirma statt Metro-Management

Metro hat die operative Kontrolle über sein Russlandgeschäft verloren. Grundlage ist ein am 28. September 2026 veröffentlichtes Dekret von Präsident Wladimir Putin, das die russischen Vermögenswerte des deutschen Handelskonzerns unter vorübergehende externe Verwaltung stellt. Die neue Verwaltungsgesellschaft trägt den Namen „UK Torg RUS“.

Bemerkenswert ist, wem dieses Unternehmen laut Metros eigener Darstellung gehört: dem bisherigen Geschäftsführer von Metro Russland, Johannes Tholey. Der Konzern selbst bleibt nach eigenen Angaben formaler Eigentümer der russischen Tochter, hat aber keinen operativen Zugriff mehr darauf. Betroffen sind 91 Großhandelsmärkte mit rund 9.000 Beschäftigten.

Was Metro selbst dazu mitteilt

Die Einordnung des Vorgangs stützt sich maßgeblich auf eine Mitteilung von Metro AG selbst, veröffentlicht im konzerneigenen Newsroom. Darin bestätigt der Konzern den Kontrollverlust, benennt die Übertragung an UK Torg RUS und weist auf die Verbindung zu Tholey hin. Zu den weiteren finanziellen Folgen für den Konzern äußerte sich Metro zurückhaltend – diese würden derzeit geprüft.

Das Dekret selbst nennt laut übereinstimmenden Berichten von Kurier und ORF keine Begründung für den Schritt. Metro war, anders als viele westliche Unternehmen, nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Land geblieben; der Konzern begründete dies wiederholt mit Rücksicht auf Mitarbeiter und Kundschaft vor Ort.

Kreml liefert nachträglich eine Erklärung

Ohne dass das Dekret selbst Gründe nennt, äußerte sich Kremlsprecher Dmitri Peskow im Anschluss öffentlich zur Logik solcher Maßnahmen: Bei Entscheidungen über externe Verwaltung werde berücksichtigt, ob das Herkunftsland eines Unternehmens als „unfreundlich“ eingestuft ist – vor dem Hintergrund einer aus russischer Sicht wachsenden Verwicklung dieser Staaten in den Konflikt um Russland. Peskow betonte zudem, es handle sich nicht um einen Eigentümerwechsel, sondern um einen grundsätzlich umkehrbaren Vorgang. Diese Einordnung liegt bislang nur über ein russisches, staatsnahes Medium vor und ist nicht unabhängig gegengeprüft.

Der Fall Metro reiht sich in eine Serie ähnlicher Schritte ein: Bereits Anfang September hatte Russland die Vermögenswerte des Schweizer Konzerns Nestlé und des französischen Einzelhändlers Auchan unter staatliche Kontrolle gestellt, russischen Medienberichten zufolge am 17. September zusammen mit den Unternehmen FM Logistic und Lemana Pro. Auch damals wurde die Maßnahme mit „feindseligen Handlungen unfreundlicher Staaten“ begründet. Zusätzlich berichten russische Wirtschaftsmedien, die neue Verwaltungsfirma UK Torg RUS sei erst rund drei Wochen vor dem Metro-Dekret gegründet worden – ein Detail, dessen Bedeutung sich aus den vorliegenden Quellen nicht abschließend einordnen lässt.

Einordnung: Spannungen mit Berlin, aber kein bestätigter Zusammenhang mit Leipzig

Die Metro-Verwaltung fällt in eine Phase ohnehin verschärfter deutsch-russischer Beziehungen. Wie im bisherigen Bericht zur Leipzig-Drohnen-Affäre dargestellt, hatte Berlin Russland zuvor für einen versuchten Drohnenanschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich gemacht und mit Konsulatsschließungen sowie dem Ende des Kulturinstituts „Russisches Haus“ reagiert; Moskau wiederum kündigte eigene Gegenmaßnahmen gegenüber deutschen Einrichtungen an.

Ob die Metro-Maßnahme gezielt als weitere „spiegelbildliche“ Antwort auf diesen Streit zu verstehen ist – eine im bisherigen Bericht offen gebliebene Frage –, lässt sich mit den vorliegenden Quellen nicht bestätigen. Peskow begründet die externe Verwaltung nicht mit dem Leipzig-Fall, sondern allgemein mit der Zugehörigkeit zu „unfreundlichen“ Staaten im Kontext des Ukraine-Kriegs, und reiht Metro damit in dieselbe Kategorie wie zuvor Nestlé, Auchan und weitere Unternehmen aus mehreren westlichen Ländern ein. Der Fall zeigt damit eher ein anhaltendes Muster wirtschaftlichen Drucks auf westliche Unternehmen in Russland als eine erkennbar auf Leipzig zugeschnittene Vergeltungsmaßnahme.

Was noch offen ist

Unklar bleibt, wie sich der Kontrollverlust finanziell auf Metro auswirkt und ob der Kreml seine Ankündigung, den Vorgang „reversibel“ zu halten, jemals einlöst. Auch die Rolle von Johannes Tholey – ob er weiterhin bei Metro angestellt bleibt oder das Russlandgeschäft künftig eigenständig über UK Torg RUS führt – ist nicht geklärt. Ob rechtliche Schritte von Metro folgen und ob die frühe Gründung der Verwaltungsfirma tatsächlich gezielte Vorbereitung war, lässt sich derzeit nicht beantworten.