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In Belgrad hat am 5. September 2026 zunächst eine Gedenkzeremonie für den verstorbenen bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladić stattgefunden, an der rund 300 Menschen teilnahmen – darunter Angehörige, Ex-Militärs sowie der serbische Justizminister Nenad Vujić und Republika-Srpska-Präsident Siniša Karan. Mladić war am 27. August 2026 in Den Haag gestorben, wo er eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermordes verbüßte; das UNO-Tribunal hatte ihn für den Genozid von Srebrenica 1995 mit mehr als 8.000 Toten verantwortlich gemacht. Am 7. September 2026 wurde er auf dem Belgrader Friedhof Topčider mit militärischen und laut serbischen Stellen auch staatlichen Ehren beigesetzt: Eine Ehrenformation begleitete den Sarg, Soldaten feuerten Salutschüsse ab, mehrere tausend Menschen nahmen teil.

Die EU-Spitzen Ursula von der Leyen und António Costa bezeichneten die Beisetzung als „schockierend“ und im Widerspruch zu den Werten von Serbiens EU-Beitrittsweg. Die EU-Kommission prüft nun mögliche Konsequenzen, darunter einen Stopp von Fortschritten im Beitrittsverfahren und ein mögliches Einfrieren von Unterstützungszahlungen; eine für den Sommer geplante Wiederbelebung der Verhandlungen gilt laut einem Diplomaten vorerst als ausgeschlossen. Präsident Aleksandar Vučić selbst blieb der Beisetzung fern – er empfing zeitgleich den usbekischen Präsidenten – und bezeichnete die Kritik von EU-Kommissarin Marta Kos als „dumm“.

Offen bleibt, ob die EU-Kommission konkrete Maßnahmen beschließt und wann, wie bosnische Behörden und Srebrenica-Opferverbände offiziell reagieren und wie die Zeremonie protokollarisch exakt einzuordnen ist.

Was passiert ist

In Belgrad hat am 5. September 2026 zunächst eine Gedenkzeremonie für den verstorbenen bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladić stattgefunden, an der rund 300 Menschen teilnahmen – darunter Familienangehörige, zahlreiche frühere Militärs sowie der serbische Justizminister Nenad Vujić und der Präsident der Republika Srpska, Siniša Karan. Mladić war am 27. August 2026 im Gefängniskrankenhaus in Den Haag gestorben, wo er eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermordes verbüßte; das UNO-Tribunal hatte ihn für seine Verantwortung am Genozid von Srebrenica 1995 mit mehr als 8.000 Toten verurteilt. Am darauffolgenden Montag, dem 7. September 2026, wurde Mladić auf dem Belgrader Friedhof Topčider beigesetzt.

Die Beisetzung in Belgrad

Serbische Stellen hatten im Vorfeld volle militärische und staatliche Ehren angekündigt. Laut Berichten, die sich auf serbische Medien stützen, begleitete eine militärische Ehrenformation den Sarg, Soldaten feuerten Salutschüsse ab, und mehrere tausend Menschen nahmen an der Zeremonie teil – internationale Berichte sprechen von bis zu rund 8.000 Trauergästen, wobei eine unabhängig verifizierte Zählung nicht vorliegt. Wie genau die Zeremonie protokollarisch einzuordnen ist, wird unterschiedlich beschrieben: Während serbische Regierungsvertreter von vollen militärischen und staatlichen Ehren sprachen, ordnen manche internationale Berichte sie enger als reine militärische Ehrung ein.

EU-Spitzen empört, Kommission prüft Konsequenzen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme vom 8. September 2026, die Bilder der Beisetzung seien „schockierend“ gewesen. Mladić sei ein verurteilter Kriegsverbrecher gewesen, verantwortlich für Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit; die offizielle Unterstützung und die Anwesenheit ranghoher serbischer Amtsträger bei der Beisetzung seien zutiefst bedauerlich und stünden im Widerspruch zu den Werten, auf denen Serbiens Weg in die Europäische Union beruhe. Nach Angaben eines Sprechers der EU-Kommission werden mögliche nächste Schritte geprüft: Diplomaten zufolge könnte Serbien vorerst Fortschritte im Beitrittsverfahren verwehrt werden, denkbar seien zudem finanzielle Konsequenzen wie das Einfrieren laufender Unterstützungszahlungen. Eine im Sommer 2026 angedachte Wiederbelebung der Beitrittsverhandlungen über die Öffnung von Verhandlungscluster 3 gilt laut einem Diplomaten vorerst als ausgeschlossen. Konkrete Beschlüsse hat die Kommission nach eigenen Angaben noch nicht gefasst. Serbien ist seit 2012 EU-Beitrittskandidat, seit 2014 laufen offiziell Verhandlungen.

Vučić weist Kritik zurück

Präsident Aleksandar Vučić selbst nahm an der Beisetzung nicht teil – er begründete dies mit einem zeitgleichen Besuch des usbekischen Präsidenten Schawkat Mirsijojew in Belgrad. Die Absage des für Mittwoch vor der Beisetzung geplanten Besuchs von EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos, die ihren Verzicht mit der „Glorifizierung“ eines Kriegsverbrechers begründet hatte, bezeichnete Vučić als „ausgesprochen kurz, aber dumm wie üblich“. Bereits zuvor hatte Vučić die internationale Kritik an den angekündigten Ehrungen als unbegründet zurückgewiesen; der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O’Flaherty, hatte serbische wie bosnisch-serbische Stellen aufgefordert, einer Verherrlichung des Kriegsverbrechers entgegenzutreten.

Wer war Ratko Mladić

Der frühere Armeechef der bosnischen Serben war vom internationalen UNO-Kriegsverbrechertribunal wegen Völkermordes verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Mladić die Verantwortung für den Genozid von Srebrenica im Juli 1995 trug, bei dem bosnisch-serbische Milizen unter seinem Kommando mehr als 8.000 Menschen, überwiegend Männer und männliche Jugendliche, ermordeten. Er saß seit seiner Verurteilung in Den Haag in Haft und starb dort im Alter von 84 Jahren.

Was unklar bleibt

Offen ist, ob und welche konkreten Maßnahmen die EU-Kommission über die derzeitige Prüfung hinaus tatsächlich beschließt – etwa einen formalen Stopp von Beitrittsfortschritten oder das Einfrieren bestimmter Zahlungen – und in welchem Zeitrahmen dies geschehen könnte. Reaktionen bosnischer Behörden oder von Srebrenica-Opferverbänden auf die Beisetzung liegen in den vorliegenden Quellen weiterhin nicht vor. Auch die exakte protokollarische Einordnung der Zeremonie – volles Staatsbegräbnis oder engere militärische Ehrung – wird in den Berichten nicht einheitlich beschrieben.