Österreich muss aufgrund der 2024 beschlossenen EU-Renaturierungsverordnung bis September 2026 einen nationalen Plan zur Wiederherstellung geschädigter Naturflächen vorlegen. Moore spielen dabei eine zentrale Rolle: Laut Moorinventar des Umweltbundesamtes umfassen sie in Österreich rund 44.000 Hektar, wovon mehr als 90 Prozent durch Entwässerung als geschädigt gelten.
Um Behörden, Gemeinden und Landwirten die Entscheidung für eine Renaturierung zu erleichtern, sind neue Hilfsmittel entstanden. Der Tiroler Biologe Hermann Sonntag hat mit dem FabLab Tirol das digitale Demonstrationsmodell „PEAT 3“ entwickelt, das Moorwachstum und -degeneration anschaulich zeigt und nach eigenen Angaben bereits mehrfach verkauft wurde. Andreas Bohner von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein bringt im September eine Broschüre heraus, die das Renaturierungspotenzial landwirtschaftlich genutzter Moorböden einschätzen helfen soll.
Offen bleibt, wie ambitioniert der Wiederherstellungsplan letztlich ausfällt und wie stark die neuen Tools tatsächlich genutzt werden. Eine Perspektive betroffener Landwirte oder Grundbesitzer fehlt in der bisherigen Berichterstattung.
Was passiert ist
Österreich steht vor einer EU-rechtlichen Frist: Bis September 2026 muss die Republik im Rahmen der 2024 beschlossenen EU-Renaturierungsverordnung einen nationalen Wiederherstellungsplan für geschädigte Naturflächen vorlegen. Moore nehmen darin eine Schlüsselrolle ein, weil sie zu den am stärksten geschädigten Ökosystemen des Landes zählen. Vor diesem Hintergrund sind in den vergangenen Jahren mehrere Hilfsmittel entstanden, die Behörden, Gemeinden und vor allem Landwirtinnen und Landwirten die Entscheidung für oder gegen eine Renaturierung erleichtern sollen – ein digitales Demonstrationsmodell aus Tirol und eine Fachbroschüre aus der Steiermark.
Was die Quellen zeigen
Laut Moorinventar des Umweltbundesamtes umfassen Moore in Österreich rund 44.000 Hektar Fläche. Mehr als 90 Prozent davon gelten durch Entwässerung, meist für landwirtschaftliche Nutzung, als geschädigt. Intakte Moore gelten als wichtige Kohlendioxidspeicher; durch Entwässerung verlieren sie diese Funktion und setzen gespeichertes CO2 frei. Der Tiroler Biologe Hermann Sonntag, früherer Geschäftsführer des Naturparks Karwendel, gilt als früher Verfechter der Moor-Renaturierung in der Region und wird von der APA als Beispiel dafür angeführt, wie Wiederherstellung in der Praxis gelingen kann. Im Karwendelgebiet konnten laut Bericht bereits zahlreiche Renaturierungsverträge mit Landwirten abgeschlossen werden – auch dank des Engagements der zuständigen Behörde vor Ort.
Die neuen Tools
Sonntag hat gemeinsam mit dem FabLab Tirol ein zweiteiliges, transportables Demonstrationsmodell namens „PEAT 3“ entwickelt: Ein Modellkörper zeigt, wie ein Moor wächst und Wasser sowie einen dichten Untergrund benötigt, der zweite zeigt ein degeneriertes Moor, aus dem Wasser rasch verloren geht, sowie Möglichkeiten, dieses Wasser zurückzuhalten. Das Modell soll Laien, aber auch politischen Entscheidungsträgern die Grundlagen der Moor-Funktion vermitteln. Nach eigenen Angaben Sonntags wurde es bereits mehr als 15-mal im deutschsprachigen Raum verkauft und bei Vorträgen bis Hamburg eingesetzt; eine Weiterentwicklung namens „PEAT 4“ sei bereits in Arbeit. Für landwirtschaftlich stärker genutzte, organische Böden – bei denen Sonntag zufolge Renaturierungsverträge schwieriger zu erzielen sind – hat Andreas Bohner von der Abteilung Umweltökologie der HBLFA Raumberg-Gumpenstein in der Steiermark eine bebilderte Broschüre verfasst. Sie soll im September ausgeliefert werden und Entscheidungsträgern sowie Landwirten helfen, das Renaturierungspotenzial ihrer Flächen einzuschätzen.
Was unklar bleibt
Wie umfassend und verbindlich der österreichische Wiederherstellungsplan im September tatsächlich ausfallen wird, ist aus den vorliegenden Quellen nicht ersichtlich. Ebenso offen bleibt, wie viele Bundesländer, Gemeinden oder Landwirte die beiden vorgestellten Tools in der Praxis nutzen werden und ob die Broschüre der HBLFA fristgerecht erscheint. Zur Verkaufszahl und Verbreitung von „PEAT 3“ liegt bislang nur die Selbstauskunft des Entwicklers vor, eine unabhängige Bestätigung fehlt. Auch eine Einschätzung von Landwirtschaftsvertretungen oder Grundbesitzern, die von möglichen Nutzungsauflagen betroffen wären, findet sich in der aktuellen Berichterstattung nicht.
Einordnung
Die Geschichte reiht sich in eine seit 2024 laufende Debatte über die Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung in Österreich ein, die zuletzt wiederholt als bürokratisch anspruchsvoll und politisch sensibel beschrieben wurde, etwa mit Blick auf die Balance zwischen Naturschutzzielen und landwirtschaftlicher Nutzung. Die hier vorgestellten Tools sind kein Ersatz für den Wiederherstellungsplan selbst, sondern Vermittlungs- und Beratungsinstrumente, die die Umsetzung auf lokaler Ebene erleichtern sollen. Ob sie tatsächlich zu mehr abgeschlossenen Renaturierungsverträgen außerhalb bereits aktiver Regionen wie dem Karwendel führen, lässt sich derzeit nicht beurteilen.

