Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt weiter: Ende August 2026 waren laut dem Sozialministerium 311.448 Menschen beim AMS gemeldet, um 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, die Quote liegt bei 7,2 Prozent. Am stärksten betroffen ist Niederösterreich: Dort stieg die Zahl der Arbeitslosen laut übereinstimmenden Berichten von ORF und Kurier binnen eines Jahres um 6,7 bis 6,8 Prozent auf 47.682 Personen, inklusive Schulungsteilnehmern rund 56.400.
Besonders betroffen sind Frauen (+8,4 Prozent) und, laut Kurier, über 50-Jährige (+9,9 Prozent). Der WIFO-Arbeitsmarktökonom Stefan Angel nennt schwache Sachgütererzeugung, Bauwirtschaft und Tourismus als Hauptgründe für die Entwicklung in Niederösterreich; eine Trendwende erwartet er im Jahresverlauf, sofern keine neuen internationalen Krisen dazwischenkommen.
Politisch ist die Verantwortung umstritten: SPÖ-Politiker Sven Hergovich spricht von einem hausgemachten Problem, Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) verweist auf die Bundesregierung. Offen bleibt unter anderem, warum ORF und Kurier zur Dauer des Negativtrends unterschiedliche Monatszahlen (41 bundesweit bzw. 40 in Niederösterreich) nennen.
Was passiert ist
Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt weiter: Ende August 2026 waren laut dem zuständigen Sozialministerium (BMASGPK) 311.448 Menschen beim AMS als arbeitslos gemeldet, um 3,3 Prozent mehr als im August des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote kletterte auf 7,2 Prozent. Gleichzeitig verzeichnete das Ministerium nach eigenen Angaben einen leichten Beschäftigungszuwachs von rund 10.000 unselbstständig Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr.
Am stärksten betroffen ist laut übereinstimmenden Berichten von ORF und Kurier Niederösterreich. Dort waren Ende August 47.682 Menschen arbeitslos gemeldet – ein Plus von 3.043 Personen bzw. 6,8 Prozent binnen eines Jahres. Rechnet man Personen in AMS-Schulungen hinzu, waren rund 56.400 Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher auf Jobsuche, ein Anstieg von 6,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote im Bundesland stieg von 6,3 auf 6,7 Prozent. Damit verzeichnet Niederösterreich den stärksten Anstieg aller Bundesländer, deutlich über dem österreichweiten Schnitt von 3,3 Prozent. Auch die Steiermark meldete im Jahresvergleich einen deutlichen Anstieg von mehr als fünf Prozent, wie ORF Steiermark berichtete.
Frauen und Ältere besonders betroffen
Innerhalb Niederösterreichs zeigt sich ein deutliches Gefälle zwischen den Gruppen: Die Arbeitslosigkeit von Frauen stieg binnen eines Jahres um 8,4 Prozent, bei Männern lag das Plus bei 5,3 Prozent. Nach Kurier-Angaben kamen damit 1.837 arbeitslose Frauen und 1.206 arbeitslose Männer hinzu. Am stärksten betroffen ist die Gruppe der über 50-Jährigen: Hier stieg die Zahl der Arbeitslosen um 9,9 Prozent bzw. 1.562 Personen – dieser Wert stammt bislang nur aus einer Quelle.
Monika Taboga, Leiterin des AMS St. Pölten, erklärte gegenüber ORF, ein Grund für die stärkere Betroffenheit von Frauen sei unter anderem der schrittweise Anstieg des Frauenpensionsalters; zudem seien Frauen stärker in stagnierenden Branchen wie Handel sowie Sozial- und Gesundheitswesen sowie in der Care-Arbeit vertreten. Bei älteren Arbeitslosen setze das AMS auf Ausbildungsangebote, brauche dafür aber auch Unternehmen, die über 50-Jährige einstellen – hier gebe es laut Taboga noch „viel Luft nach oben“. Auch der Lehrstellenmarkt bereitet dem AMS Sorgen: Ende August suchten 1.847 Jugendliche eine sofort verfügbare Lehrstelle, um 11,2 Prozent mehr als im Vorjahr; gleichzeitig ging die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen in Niederösterreich um 27,3 Prozent auf 809 zurück. AMS-NÖ-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern verwies auf die überbetriebliche Lehre: Land, AMS und Sozialpartner stellen ab September 985 Plätze in überbetrieblichen Lehrwerkstätten und Lehrgängen bereit.
Warum gerade Niederösterreich
Als Ursache für die vergleichsweise schwache Entwicklung Niederösterreichs gilt laut WIFO-Arbeitsmarktökonom Stefan Angel vor allem die Performance dreier Branchen: Sachgütererzeugung, Bauwesen und Tourismus hätten in Niederösterreich unterdurchschnittlich abgeschnitten. Bei den Nächtigungszahlen sei Niederösterreich – gemeinsam mit Vorarlberg – im Frühjahr 2026 das einzige Bundesland mit einem Rückgang gewesen. Insgesamt hätten die schwachen Konjunkturdaten aus dem Frühjahr besonders nachgewirkt.
Für den weiteren Jahresverlauf zeigte sich Angel vorsichtig optimistisch: Die Talsohle sei „vorläufig erreicht“, das Konjunkturbild sollte sich verbessern – vorausgesetzt, es kommt zu keinen neuen internationalen Krisen oder Kriegen, die die Lage weiter verschärfen. Diese Einschätzung stammt aus einem einzelnen Interview und ist bislang nicht durch weitere Quellen bestätigt.
Politischer Schlagabtausch
Die Entwicklung ist in Niederösterreich auch politisch umstritten. SPÖ-Landesparteichef und Ex-AMS-Landesgeschäftsführer Sven Hergovich spricht laut ORF und Kurier übereinstimmend von einem „hausgemachten Problem“ beziehungsweise einer „dramatischen Entwicklung“ und wirft der Landesregierung Untätigkeit vor; er fordert ein Konjunkturpaket und verweist darauf, dass andere Bundesländer Rückgänge schafften, während Niederösterreich fast dreimal so stark zulege wie Österreich insgesamt.
Die zuständige Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) weist die Kritik laut ORF zurück. Die schwierige Lage sei „maßgeblich auf die Untätigkeit der Bundesregierung zurückzuführen“, erklärte sie schriftlich und nahm dabei auch Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) in die Verantwortung. Diese wechselseitige Zuschreibung stammt in ihren konkreten Formulierungen bislang nur aus einer Quelle und ist nicht unabhängig eingeordnet.
Was unklar bleibt
Uneinheitlich ist die Angabe zur Dauer des Negativtrends: Der ORF spricht von bundesweit 41 Monaten in Folge steigender Arbeitslosigkeit, der Kurier nennt für Niederösterreich speziell einen seit 40 Monaten ununterbrochenen Anstieg. Ob sich beide Angaben auf denselben Zeitraum beziehen oder unterschiedlich gezählt wurde, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht klären.
Offen ist zudem, wie belastbar die WIFO-Prognose einer Trendwende im Jahresverlauf 2026 ist und welche konkreten Maßnahmen die niederösterreichische Landesregierung als Reaktion auf die Kritik plant. Für die Kernzahlen zu Arbeitslosigkeit und Beschäftigung liegen mit einer Presseaussendung des Sozialministeriums sowie einer Aussendung des AMS Niederösterreich aber Angaben vor, die die Medienberichte in den zentralen Werten stützen.

