Textlänge

Der Aufsichtsrat der Staatsholding ÖBAG hat den bisherigen A1-Vizechef Thomas Arnoldner (49) einstimmig zum neuen Alleinvorstand bestellt. Er tritt sein Amt am 1. Februar 2027 an und löst Edith Hlawati ab. Die ÖBAG verwaltet Bundesbeteiligungen an OMV, Verbund, Post, Telekom Austria, Casinos Austria und den Bundesimmobilien im Wert von rund 30 bis 31 Milliarden Euro. Arnoldner war von 2018 bis 2023 Vorstandschef von A1 Telekom Austria und gilt politisch als ÖVP-nahe.

Dem Beschluss ging laut Berichten ein rund dreimonatiger Prozess mit 46 Bewerbungen voraus; Aufsichtsratschef Günther Ofner erklärte, Arnoldner habe als bester Kandidat abgeschnitten. Laut einem Medienbericht wird seine künftige Vergütung deutlich unter seiner bisherigen A1-Gage von 1,83 Millionen Euro liegen, nachdem der Wirtschaftsminister eine Kürzung angeordnet hatte – diese Zahlen sind bislang nicht durch eine zweite Quelle bestätigt.

In der Wirtschaft gibt es einem Bericht zufolge anonyme Skepsis, ob Arnoldners IT-Hintergrund der ausgeschriebenen industriebezogenen Managementerfahrung entspricht. Reaktionen von SPÖ, Grünen, NEOS und der ÖBAG-Beteiligungen selbst liegen bislang nicht vor.

Was passiert ist

Der Aufsichtsrat der Staatsholding ÖBAG hat Thomas Arnoldner einstimmig zum neuen Alleinvorstand bestellt. Der 49-Jährige tritt sein Amt am 1. Februar 2027 an und löst damit die scheidende ÖBAG-Chefin Edith Hlawati ab. Aufsichtsratschef Günther Ofner erklärte nach der Sitzung, sowohl im Nominierungsausschuss als auch im Gesamtgremium habe Arnoldner unter den Bewerbern am besten abgeschnitten: „Der Beste hat das Rennen gemacht.“ Die ÖBAG verwaltet als Beteiligungsholding der Republik einen der wertvollsten Unternehmensbestände des Landes – mit Anteilen an OMV, Verbund, Post, Telekom Austria und deren Tochter Euro Telesites, an Casinos Austria sowie den Bundesimmobilien, zusammen mit einem Wert von rund 30 bis 31 Milliarden Euro.

Wer ist Thomas Arnoldner

Arnoldner ist derzeit Vizechef der teilstaatlichen A1 Telekom Austria, einem der ÖBAG-Beteiligungsunternehmen selbst. Von 2018 bis 2023 war er Vorstandsvorsitzender des Konzerns, bevor bei einer Neuaufteilung der Rollen Alejandro Plater als Statthalter des mexikanischen Mehrheitseigentümers América Móvil den Chefposten übernahm und Arnoldner zum Vize wurde. Beruflich begann der studierte Betriebswirt 2003 bei Alcatel Austria. Politisch wird ihm eine Nähe zur ÖVP nachgesagt: Er war Vize-Bundesobmann der Jungen Volkspartei, kandidierte 2006 auf der ÖVP-Bundesliste und wird dem Umfeld des früheren Kanzlers Sebastian Kurz zugerechnet; seine Ehefrau war laut profil Landesgeschäftsführerin der Wiener ÖVP. Bei seiner Antrittspressekonferenz bedankte sich Arnoldner ausdrücklich bei Hlawati, von der er „persönlich sehr viel gelernt“ habe.

Auswahlprozess und Gehalt

Dem Beschluss ging laut Berichten ein rund dreimonatiger Bestellungsprozess mit 46 Bewerbungen voraus. Neben Arnoldner waren im Vorfeld unter anderem FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth, der frühere A1-Chef Hannes Ametsreiter und der Ex-OMV-Manager Thomas Gangl als mögliche Kandidaten genannt worden; Gangl soll dabei ursprünglich Ofners Favorit gewesen sein. Laut Kurier wird Arnoldners künftige ÖBAG-Vergütung weniger als die Hälfte seiner bisherigen A1-Gage von 1,83 Millionen Euro (2025) betragen – Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hatte demnach angeordnet, das Gehalt gegenüber jenem von Hlawati (zuletzt 742.500 Euro) um zehn Prozent zu senken. Arnoldner selbst kommentierte das mit den Worten, Geld sei „nicht alles“. Diese konkreten Zahlen stammen bislang aus einem einzelnen Medienbericht und sind nicht durch eine zweite Quelle bestätigt. Der zuständige Minister Hattmannsdorfer bezeichnete die Entscheidung laut profil als „die richtige Entscheidung“.

Was unklar bleibt

Die Ausschreibung für den ÖBAG-Chefposten habe laut Kurier industriebezogene Managementerfahrung vorausgesetzt – eine Bedingung, die bei einem Manager mit IT- und Telekom-Hintergrund wie Arnoldner nicht unumstritten ist. In der Wirtschaft werde die Bestellung deshalb eher skeptisch gesehen, wolle sich aber öffentlich niemand dazu zitieren lassen; Tenor sei, Arnoldner müsse sich die Eignung für die anspruchsvolle Aufgabe erst beweisen. Diese Einschätzung stützt sich bislang ausschließlich auf anonyme Stimmen, die nur über eine Redaktion wiedergegeben werden, eine Stellungnahme der ÖBAG oder Arnoldners dazu liegt nicht vor. Offen bleiben zudem die Reaktionen von SPÖ, Grünen und NEOS sowie der großen Beteiligungsunternehmen selbst, ebenso wie Arnoldners konkrete Pläne für OMV, Verbund, Post und die anderen Beteiligungen. Die Industriellenvereinigung begrüßte die Bestellung in einer Aussendung ihres Präsidenten Georg Knill, ohne dass damit die Kritik aus anderen Teilen der Wirtschaft entkräftet würde.