ÖBB-Chef Andreas Matthä hat sich am Freitagabend in der ORF-Sendung „ZiB2“ für als „maximal unangenehm“ bezeichnete Zugausfälle entschuldigt und erklärt, hundertprozentige Verfügbarkeit sei „eine Illusion“ – insbesondere hitzebedingt werde es immer wieder Ausfälle geben. Zugleich versuchte er laut Bericht, das Stimmungsbild zu korrigieren: Die ÖBB zählten nach wie vor zu den pünktlichsten Bahnen Europas, wobei unabhängige Vergleichsdaten dazu bislang nicht vorliegen. Im selben Interview nannte Matthä Details zur geplanten Konzernreform: Durch den Abbau von Doppelgleisigkeiten rechnet er mit jährlichen Einsparungen von 60 bis 80 Millionen Euro. Kern der Reform ist die Umwandlung der Konzerntöchter ÖBB-Personenverkehr und Rail Cargo Group von Aktiengesellschaften in GmbHs, wodurch die Holding mehr Durchgriffsrechte erhalten soll. Grundlage ist eine geplante Novelle des Bundesbahngesetzes, die sich laut Berichten weiterhin in politischer Abstimmung zwischen den Regierungsparteien befindet; als Reformstart gilt das erste Quartal 2027.
ÖVP-Verkehrssprecher Joachim Schnabel verlangte in einer Presseaussendung, die Reform müsse echten Mehrwert für Fahrgäste und Steuerzahler bringen, und zeigte sich zuversichtlich, dass sie noch heuer politisch fixiert werden kann. Diese Einschätzung stammt von einer Koalitionspartei; Stimmen von Betriebsrat, Gewerkschaft oder Opposition zu Reform oder Entschuldigung liegen bislang nicht vor. Matthä sprach zudem über rückläufige Nahverkehrs-Fahrgastzahlen wegen Streckensperren sowie gestiegene Fernverkehrszahlen seit 2019.
Offen bleiben die genaue Berechnungsgrundlage der Einsparsumme, mögliche Umbaukosten sowie Auswirkungen auf Beschäftigung und Fahrpreise. Neu offen ist zudem, wie viele Ausfälle tatsächlich hitzebedingt waren und welche Daten Matthäs Pünktlichkeits-Selbsteinschätzung stützen. Auch der weitere Gesetzgebungsfahrplan ist noch nicht abschließend terminiert.
Was passiert ist
ÖBB-Chef Andreas Matthä hat sich am Freitagabend in der ORF-Sendung „ZiB2“ bei Anchorwoman Margit Laufer für Zugausfälle entschuldigt, die er selbst als „maximal unangenehm“ bezeichnete. Hundertprozentige Verfügbarkeit sei „eine Illusion“, erklärte Matthä laut Bericht – insbesondere hitzebedingt werde es immer wieder Ausfälle geben. Zugleich versuchte er nach Angaben des Berichts, das öffentliche Stimmungsbild zu korrigieren: Die ÖBB zählten nach wie vor zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Im selben Interview nannte Matthä auch Details zur geplanten Reform des Bahnkonzerns: Durch den Abbau von Doppelgleisigkeiten in der Konzernstruktur rechnet er mit jährlichen Einsparungen von 60 bis 80 Millionen Euro. Hintergrund ist eine geplante Novelle des Bundesbahngesetzes, mit der die derzeit gesetzlich bis in die dritte Ebene festgeschriebene Konzernstruktur der ÖBB verändert werden soll. Matthä sprach von der größten Bahnreform seit mehr als 20 Jahren.
Entschuldigung für Ausfälle und Pünktlichkeitsbilanz
Die Entschuldigung fiel in einen Auftritt, den Matthä laut Berichterstattung nutzt, um „in regelmäßigen Abständen“ in der ZiB2 für Passagierärger über sein Unternehmen Abbitte zu leisten. Konkrete Zahlen dazu, wie viele Ausfälle im laufenden Sommer auf Hitze zurückzuführen waren, oder unabhängige Vergleichsdaten zur europäischen Bahnpünktlichkeit, mit denen sich Matthäs Selbsteinschätzung prüfen ließe, liegen bislang nicht vor. Der laufende Hitzesommer 2026, über den unabhängig berichtet wurde, dass er der heißeste seit Messbeginn war, bildet den Hintergrund für die von Matthä angesprochenen hitzebedingten Ausfälle – ein direkter, mit Zahlen belegter Zusammenhang zwischen einzelnen Störungen und den Hitzeperioden wurde in den vorliegenden Quellen aber nicht hergestellt.
Die geplante Reform im Detail
Kern des Reformvorhabens ist die Umwandlung der Konzerntöchter ÖBB-Personenverkehr und Rail Cargo Group, die derzeit als eigenständige Aktiengesellschaften mit jeweils mehreren tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt werden, in Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Damit soll die Holding direkte Steuerungs- und Weisungsrechte gegenüber den beiden operativen Gesellschaften erhalten, die sie als AGs bislang nicht in diesem Ausmaß hatte. Matthä begründete den Schritt damit, der Vorstand sei „seit 25 Jahren in der gegenwärtigen Struktur kraft Gesetz gefangen“ und brauche mehr Handlungsspielraum, „wie in einem normalen Unternehmen“. Ein entsprechender Gesetzesentwurf liegt laut übereinstimmenden Berichten bereits vor und befindet sich weiterhin in politischer Abstimmung zwischen den Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und Neos. Als Reformstart wird das erste Quartal 2027 genannt, wobei laut einem Bericht auch ein Inkrafttreten bereits Anfang 2027 möglich wäre – noch unter Matthä als Vorstandsvorsitzendem, dessen Mandat bis Sommer 2027 läuft.
Reaktionen und politischer Kontext
Zur Reform hat sich auch der Verkehrssprecher der ÖVP, Joachim Schnabel, in einer Presseaussendung geäußert. Er verlangt, dass die Neustrukturierung spürbaren Mehrwert für Fahrgäste und Steuerzahlerinnen und Steuerzahler bringen müsse, etwa durch schlankere, transparentere Strukturen und klarere Zuständigkeiten, und zeigte sich zuversichtlich, dass die Reform noch heuer politisch auf Schiene gebracht werden kann. Diese Position stammt von einer an der Koalition beteiligten Partei und bildet damit nur eine Perspektive ab; Stellungnahmen von ÖBB-Betriebsrat, Gewerkschaft oder von der Opposition zur Reform – und ebenso zur nun öffentlich gemachten Entschuldigung für Ausfälle – liegen bislang nicht vor. Im Interview ging Matthä außerdem auf sinkende Fahrgastzahlen im Nahverkehr ein, die er vor allem auf Baustellen und Streckensperren – etwa auf der Wiener Stammstrecke – zurückführte, während die Fernverkehrs-Passagierzahlen seit 2019 nach seinen Angaben um 24 Prozent gestiegen seien.
Was unklar bleibt
Offen ist bislang, auf welcher konkreten Kostenbasis die Schätzung von 60 bis 80 Millionen Euro beruht und welche einmaligen Kosten der Umbau selbst verursachen würde. Ebenso fehlen bisher belastbare Angaben dazu, wie sich die neue Struktur auf Beschäftigung, Fahrpreise oder Servicequalität auswirken könnte, und wie Betriebsrat und Gewerkschaft der ÖBB zu der geplanten Umwandlung von Aktiengesellschaften in GmbHs stehen. Neu hinzugekommen ist die Frage, welche unabhängigen Daten Matthäs Aussage stützen oder widerlegen, die ÖBB zählten weiterhin zu den pünktlichsten Bahnen Europas, sowie wie viele der diesjährigen Ausfälle tatsächlich hitzebedingt waren. Auch der genaue weitere Zeitplan der Reform – Begutachtung, Beschluss im Ministerrat und im Parlament – ist noch nicht abschließend terminiert.


