Der Österreichische Fußball-Bund hat sich am 11. September 2026 nach einer Aufsichtsratssitzung von Sportdirektor Peter Schöttel getrennt. Als Grund nannte der Verband unterschiedliche Vorstellungen zur künftigen strategischen Ausrichtung der Position. Laut APA-Informationen war für die Sitzung ursprünglich ein WM-Bericht Schöttels vorgesehen; erst am Vortag wurde bekannt, dass stattdessen seine Abberufung anstehe und Teamchef Ralf Rangnick – erstmals seit August 2024 wieder – an der Sitzung teilnehmen werde. Am Samstag meldete sich Schöttel selbst erstmals ausführlicher zu Wort: Im Radiointerview mit ORF Burgenland zeigte er sich von der Entscheidung überrascht und sprach von unterschiedlichen Meinungen zu “dem einen oder anderen Thema” in den letzten Wochen. Auf die Frage nach den Gründen sagte er nur, er wisse, “aus welcher Richtung es kommt” – ohne dies näher zu erläutern. Er hätte gerne noch ein zehntes Amtsjahr angehängt, unter anderem um die erhoffte erste WM-Qualifikation des Frauen-Nationalteams zu begleiten.
Schöttel war seit Oktober 2017 im Amt, als Nachfolger von Willi Ruttensteiner. In diese Zeit fielen laut Berichten die erste österreichische WM-Teilnahme seit 1998, zwei EM-Achtelfinal-Einzüge sowie – laut einer Analyse des Kurier – das EM-Viertelfinale des Frauenteams 2022 und der WM-Finaleinzug der U17 im Jahr 2025. Zu den tieferen Hintergründen der Trennung berichtet dieselbe, als Einzelmeinung gekennzeichnete Kurier-Analyse, Schöttel sei bei zentralen Personalentscheidungen wie Rangnicks Vertragsverlängerung zunehmend außen vor gewesen und habe sich zuletzt mit der eigenmächtigen Bestellung und späteren Rücknahme von Alexander Schriebl als Frauen-Teamchef selbst geschwächt. Zu diesen konkreten Punkten hat sich Schöttel in seinem Interview nicht geäußert; die Einordnung bleibt bislang unbestätigt.
Ein Nachfolger wurde weiterhin nicht benannt. Als möglicher Kandidat gilt Sebastian Prödl, aktuell Leiter der Nachwuchs-Nationalteams – nach vorliegender Quellenlage aber nach wie vor nur Spekulation. Für Montag, den 14. September 2026, hat ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll eine Pressekonferenz zum weiteren Vorgehen angekündigt, deren Ergebnis noch aussteht.
Was passiert ist
Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) hat sich am Freitag, dem 11. September 2026, von Sportdirektor Peter Schöttel getrennt. Der Aufsichtsrat des Verbandes traf die Entscheidung im Rahmen einer Sitzung am ÖFB-Campus in Wien und bestätigte sie im Anschluss per Aussendung. Bereits am Donnerstagabend hatten Medien den bevorstehenden Abschied vermeldet. Laut APA-Informationen war für die Sitzung ursprünglich vorgesehen, dass Schöttel selbst einen Bericht zur zurückliegenden WM abliefert; erst im Laufe des Donnerstags erging an die Aufsichtsratsmitglieder die Information, dass stattdessen Schöttels Abberufung bevorstehe und Teamchef Ralf Rangnick an der Sitzung teilnehmen werde – für den Deutschen die erste Teilnahme an einer solchen Sitzung seit August 2024. Im Vorfeld habe es laut Schöttel ein Gespräch mit Aufsichtsratsvorsitzendem Josef Pröll und dessen Stellvertreter Johannes Wutzlhofer gegeben. Als Begründung nannte der ÖFB “unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der künftigen strategischen Ausrichtung und Ausgestaltung der Position”. Pröll dankte Schöttel laut Aussendung für seine Arbeit der vergangenen Jahre. Schöttel selbst reagierte nach Angaben von ORF mit einer kurzen, versöhnlichen Stellungnahme, in der er die Entscheidung zur Kenntnis nehme und sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Direktion Sport für die Zusammenarbeit bedanke.
Schöttels eigene Reaktion
Am Samstag, dem 12. September, äußerte sich Schöttel erstmals ausführlicher selbst – live im “Barbara Karlich Buchklub” auf Radio Burgenland. Die Entscheidung sei für ihn und sein näheres Umfeld sehr überraschend gekommen, sagte er, er sei “gar nicht darauf vorbereitet” gewesen. In den letzten Wochen habe es zwar bei dem einen oder anderen Thema unterschiedliche Meinungen gegeben, welche Themen das konkret waren, ließ er offen. Auf die Frage, ob er sich die Trennung erklären könne, wollte Schöttel nicht näher eingehen – er sagte lediglich, er wisse, “aus welcher Richtung es kommt”. Was oder wen er damit meint, blieb unbeantwortet und lässt sich aus der Aussage allein nicht ableiten; sie sollte nicht vorschnell mit den Angaben aus der weiter unten beschriebenen Kurier-Hintergrundanalyse gleichgesetzt werden, zu deren konkreten Punkten – etwa der Personalie Schriebl oder den Rangnick-Vertragsverhandlungen – sich Schöttel in diesem Interview nicht äußerte. Zumindest ein zehntes Amtsjahr hätte er gerne noch drangehängt, so Schöttel: Er hätte sich gewünscht, die von ihm erhoffte erstmalige Qualifikation des Frauen-Nationalteams für eine WM in Brasilien noch als Sportdirektor zu begleiten. Er bezeichnete die vergangenen neun Jahre insgesamt als sehr erfolgreich.
Hintergründe: Warum musste Schöttel gehen?
Zu den konkreten Gründen der Trennung liegt weiterhin vor allem eine ausführliche Hintergrund-Analyse des Kurier vor, die als Einordnung eines einzelnen Autors gekennzeichnet ist und sich derzeit nicht durch eine zweite unabhängige Quelle im Cluster bestätigen lässt. Sie zeichnet das Bild eines Sportdirektors, der über die Jahre zunehmend an Einfluss verlor: Bei der Vertragsverlängerung von Teamchef Rangnick im Frühjahr 2026 habe Pröll die Gespräche selbst geführt, ohne Schöttel einzubinden. Auch beim A-Nationalteam sei Schöttel zuletzt vor allem präsent, aber nicht gestaltend gewesen; im Nachwuchsbereich sei ihm mit Sebastian Prödl – auf Wunsch Rangnicks – ein eigener sportlicher Leiter zur Seite gestellt worden. Nach dieser Darstellung blieb dem Sportdirektor am Ende vor allem der Frauenfußball als Bereich mit eigenem Gestaltungsspielraum – wo ihm laut Kurier allerdings ein zentraler Fehler unterlief: Die im Jänner 2025 im Alleingang getroffene Bestellung von Alexander Schriebl zum Teamchef musste rund ein Jahr später nach schlechten Ergebnissen und Unruhen im Team wieder zurückgenommen werden. Schöttel selbst hat sich in seinem ersten Interview nach der Trennung zu diesen konkreten Punkten nicht geäußert; ob die Einschätzungen der Kurier-Analyse zutreffen, lässt sich anhand der vorliegenden Quellen weiterhin nicht abschließend beurteilen.
Neun Jahre im Amt
Schöttel, selbst früherer Teamspieler und Teil des österreichischen WM-Kaders von 1998, war zunächst U19-Teamchef beim ÖFB und stieg im Oktober 2017 nach dem Abgang von Willi Ruttensteiner zum Sportdirektor auf – dieser Amtsantritt ist mittlerweile durch zwei unabhängige Berichte sowie durch Schöttels eigene Angaben belegt. In diese knapp neunjährige Amtszeit fielen laut ORF-Bericht die erste WM-Teilnahme des österreichischen Männer-Nationalteams seit 1998 sowie zwei EM-Achtelfinal-Einzüge, 2021 und 2024; laut der Kurier-Analyse kamen das EM-Viertelfinale des Frauenteams 2022 sowie – als bislang größter Nachwuchserfolg – der WM-Finaleinzug der U17 im Jahr 2025 hinzu. Bei der jüngsten WM in Nordamerika qualifizierte sich Österreich laut ORF nach einem 3:1 über Jordanien, einer 0:2-Niederlage gegen Argentinien und einem 3:3 gegen Algerien für das Sechzehntelfinale, schied dort aber gegen den späteren Weltmeister mit 0:3 aus. Schöttels letzte größere Amtshandlung war demnach die Bestellung des Dänen Lars Söndergaard zum neuen Trainer des Frauen-Nationalteams.
Was unklar bleibt
Wer Schöttel als Sportdirektor nachfolgt, hat der ÖFB weiterhin nicht mitgeteilt. In mehreren Berichten wird Sebastian Prödl als möglicher Kandidat gehandelt, unter anderem weil er seit Jahresbeginn 2025 die Nachwuchs-Nationalteams leitet – dabei handelt es sich nach vorliegender Quellenlage aber ausdrücklich um Spekulation, nicht um eine offizielle Nominierung. Offen bleibt auch, wen oder was Schöttel mit seiner Andeutung meinte, er wisse, “aus welcher Richtung” die Trennung komme, sowie ob er sich zu den konkreten Punkten der Kurier-Analyse – etwa Prölls alleiniger Führung der Rangnick-Verhandlungen oder den genauen Umständen der Schriebl-Personalie – noch näher äußern wird. Für Montag, den 14. September 2026, hat ÖFB-Präsident Josef Pröll eine Pressekonferenz zum weiteren Vorgehen angekündigt; deren Inhalt und ein möglicher Zeitpunkt für die Nachfolgeregelung stehen noch aus.
Einordnung
Die Berichterstattung zu dieser Personalentscheidung stützte sich zunächst im Wesentlichen auf die ÖFB-Aussendung sowie Schöttels kurze schriftliche Reaktion darauf. Inzwischen liegen zwei zusätzliche Perspektiven vor: eine deutlich ausführlichere Einordnung der Hintergründe durch den Kurier – weiterhin die Sicht eines einzelnen Autors, gestützt offenbar auf interne Beobachtungen, ohne dass Schöttel darin selbst ausführlich zu Wort kommt – sowie nun Schöttels eigenes erstes Interview, in dem er überrascht wirkt, aber bewusst vage bleibt, wenn es um konkrete Gründe geht. Beide Einzelquellen ergänzen sich nicht zu einem stimmigen Gesamtbild und sollten nicht vermischt werden: Die pointierte Deutung des Kurier, wonach Schöttel sich über Jahre selbst “kleingemacht” habe, ist eine journalistische Interpretation und kein durch mehrere Quellen belegter Fakt; Schöttels eigene Andeutung, er kenne die “Richtung”, aus der die Entscheidung komme, ist ebenso wenig eine Bestätigung dieser Deutung wie ein Widerspruch dazu. Der von Die Presse unter Berufung auf APA wiedergegebene Verfahrensablauf rund um die Aufsichtsratssitzung ist demgegenüber durch eine Nachrichtenagentur gestützt und entsprechend belastbarer einzuordnen.


