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Ein Forschungsbericht des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) zeigt deutliche Unterschiede bei der Beschäftigungslosigkeit junger Menschen in Österreich. 27 Prozent der Jugendlichen der ersten Migrationsgeneration – im Ausland geborene junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren – waren zuletzt weder in Beschäftigung, Ausbildung noch Schulung („NEET“). Bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund lag der Anteil bei 8,7 Prozent, bei der zweiten Generation bei 13,3 Prozent.

Laut einer der ausgewerteten Quellen verbleiben rund 61 Prozent der Betroffenen auch zwei Jahre später ohne Job oder Ausbildung, besonders häufig junge Frauen der ersten Generation. Auch nach Herkunft zeigen sich laut dieser Quelle Unterschiede, etwa zwischen jungen Türkinnen und Türken. Diese Detailzahlen liegen bislang nur einfach belegt vor und sind entsprechend vorsichtig zu lesen.

Unklar bleibt unter anderem, aus welchem Jahr die zugrunde liegenden Daten tatsächlich stammen – Quellen nennen sowohl 2021 als auch 2022 –, ebenso wie Politik, Bildungsressorts oder Interessenvertretungen der betroffenen Gruppen auf den Bericht reagieren. Der vollständige IHS-Bericht lag der Redaktion nicht vor.

Was passiert ist

Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) einen Forschungsbericht zu jungen Menschen vorgelegt, die weder in Beschäftigung noch in Ausbildung oder Schulung sind – in der Fachsprache als „NEET“ bezeichnet, für „not in education, employment or training“. Der ÖIF machte die Ergebnisse am 25. September per Presseaussendung öffentlich, mehrere österreichische Medien griffen den Bericht in eigenen Artikeln auf. Im Zentrum steht die Frage, wie stark sich die NEET-Quote junger Menschen zwischen 15 und 24 Jahren je nach Migrationshintergrund und Geschlecht unterscheidet.

Was die Zahlen zeigen

Laut Bericht waren zuletzt 27 Prozent der Jugendlichen der ersten Migrationsgeneration – also im Ausland geborene junge Menschen – weder in Beschäftigung, Ausbildung noch Schulung. Bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund lag der Anteil bei 8,7 Prozent, bei der zweiten Generation, deren Eltern im Ausland geboren wurden, bei 13,3 Prozent. Die erste Generation ist damit rund dreimal so häufig betroffen wie Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Als mögliche Gründe werden in den ausgewerteten Quellen unter anderem Sprachbarrieren, unterschiedliche Bildungswege und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse genannt.

Unterschiede nach Herkunft und Geschlecht

Laut einem Medienbericht mit Zugriff auf den Studientext verbleiben rund 61 Prozent der betroffenen Jugendlichen auch zwei Jahre später noch ohne Job oder Ausbildung. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei jungen Frauen der ersten Generation: Rund drei Viertel von ihnen waren laut dieser Quelle nach zwei Jahren weiterhin ohne Beschäftigung oder Ausbildung, gegenüber rund 44 beziehungsweise 43 Prozent bei jungen Frauen ohne Migrationshintergrund beziehungsweise der zweiten Generation. Auch nach Herkunftsländern zeigen sich laut Bericht deutliche Geschlechterunterschiede: Bei jungen Menschen mit türkischen Wurzeln lag die NEET-Quote bei jungen Frauen bei 33,2 Prozent, bei jungen Männern bei 21,5 Prozent. Bei Jugendlichen aus Afghanistan und Syrien soll der Unterschied zwischen den Geschlechtern deutlich geringer ausfallen. Da diese detaillierten Zahlen bislang nur in einer der ausgewerteten Quellen vollständig vorliegen, sind sie mit der gebotenen Zurückhaltung zu lesen.

Was unklar bleibt

Offen ist zunächst, aus welchem Jahr die zugrunde liegenden Daten tatsächlich stammen: Eine Quelle nennt 2021, eine andere 2022 – die Redaktion kann diesen Widerspruch anhand der vorliegenden Auszüge nicht auflösen. Der vollständige IHS-Forschungsbericht lag der Redaktion nicht vor, ebenso wenig eigene, im Wortlaut dokumentierte Stellungnahmen von ÖIF-Verantwortlichen über die in Medienberichten zitierten Aussagen hinaus. Unklar bleibt zudem, wie der Bericht regionale Unterschiede zwischen Bundesländern oder zwischen Stadt und Land bewertet, welche konkreten Fördermaßnahmen daraus abgeleitet werden sollen und wie Integrationsforschung, Bildungsverantwortliche oder Vertretungen der betroffenen Communities die Ergebnisse einordnen. Solche Reaktionen liegen bislang nicht vor.

Einordnung

Der Bericht liefert eine differenziertere Datengrundlage zur Situation junger Menschen mit Migrationshintergrund am österreichischen Arbeits- und Bildungsmarkt als bisherige Erhebungen, die laut den vorliegenden Quellen zwar die Häufigkeit, aber nicht die Gründe für Beschäftigungslosigkeit abbildeten. Gleichzeitig beruht die öffentliche Debatte bislang praktisch ausschließlich auf der Darstellung des IHS/ÖIF-Berichts selbst sowie darauf aufbauender Medienberichterstattung; eigenständige Einschätzungen etwa von Migrationsforschung außerhalb der Studie, von Bildungsgewerkschaften oder von Interessenvertretungen der betroffenen Gruppen liegen der Redaktion nicht vor. Wie belastbar einzelne Detailzahlen – etwa zu Herkunftsgruppen oder zum Verlauf über zwei Jahre – über die erste Berichterstattung hinaus sind, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen.