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Eine von Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) präsentierte Studie des Österreichischen Integrationsfonds zeigt, dass sich rund die Hälfte der Befragten in Österreich an muslimischen Nachbarn stören würde. Noch größere Ablehnung äußern die Befragten gegenüber Flüchtlingen (63 Prozent) und Roma (53 Prozent). 52 Prozent sehen den politischen Islam als einen der größten negativen Einflussfaktoren auf das gesellschaftliche Zusammenleben, gleichauf mit Kriegen und Terrorismus. Drei Viertel machen sich Sorgen um die „kulturelle Identität“ Österreichs, ein Anstieg gegenüber 57 Prozent 2018 und 70 Prozent 2024 – es ist laut Der Standard die vierte Studie dieser Reihe seit 2018.

Bauer sieht darin ihren harten Integrationskurs bestätigt und fordert weiterhin ein Verbot des „politischen Islam“. Kritik kam von der FPÖ: Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch warf der ÖVP „eigenes Asylversagen“ vor, der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp sprach von einer „Ohrfeige mit Nachhall für die rot-pinke All-inclusive-Willkommenspolitik“. Die Grüne Sigrid Maurer warf der Ministerin laut einem Medienbericht vor, mit der Präsentation Vorurteile gegenüber Muslim:innen zu schüren. Neu hinzugekommen ist eine Stellungnahme der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), die die Ergebnisse als politisches statt migrantisches Versagen deutet und betont, das Problem liege nicht bei den Muslim:innen selbst.

Die erhobenen Kernzahlen gelten als gut belegt, da sie von der präsentierenden Institution selbst stammen und mehrfach unabhängig bestätigt wurden; auch die neuen Reaktionen sind über eine eigene Presseaussendung bzw. wörtliche Zitate direkt belegt. Offen bleiben die genaue Fragenformulierung, eine unabhängige methodische Einordnung sowie Reaktionen von Roma-Vertretungen und weiteren Parteien wie SPÖ und Neos.

Was passiert ist

Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) hat eine Studie des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) präsentiert, die Einstellungen der Bevölkerung in Österreich zu Integration und Zusammenleben abfragt. Zentrales Ergebnis: Rund die Hälfte der Befragten gibt an, sich gestört zu fühlen, hätte sie Muslime als direkte Nachbarn. Noch größere Ablehnung äußern die Befragten gegenüber Flüchtlingen (63 Prozent) und Roma (53 Prozent). Bauer nutzte die Präsentation, um erneut ein von der ÖVP gefordertes Verbot des „politischen Islam“ einzufordern. In den Tagen danach meldeten sich mehrere Seiten mit Reaktionen zu Wort, darunter FPÖ, Grüne und die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ).

Was die Zahlen zeigen

Auf die Frage nach dem größten negativen Einfluss auf das gesellschaftliche Zusammenleben nannten 52 Prozent den politischen Islam – gleichauf mit Kriegen und Terrorismus und knapp hinter „Fake News“ (54 Prozent). Auch „große Migrationsbewegungen“ bereiten laut Umfrage 51 Prozent Sorgen. Drei Viertel der Befragten sorgen sich um die „kulturelle Identität“ Österreichs; dieser Anteil ist laut der Erhebung von 57 Prozent im Jahr 2018 über 70 Prozent im Jahr 2024 auf den aktuellen Wert gestiegen. Rund die Hälfte bewertet den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt als gut, die andere Hälfte als schlecht. Laut einem Bericht von Der Standard handelt es sich um die inzwischen vierte Studie dieser Reihe seit 2018, erstellt unter der Leitung von Meinungsforscher Peter Hajek und Sozialwissenschaftler Rudolf Bretschneider im Auftrag des ÖIF. Erhoben wurden die Daten laut übereinstimmenden Berichten von der Peter Hajek Public Opinion Strategies GmbH bereits Anfang 2026, mit 1.016 Befragten und einer Schwankungsbreite von 3,1 Prozent.

Reaktionen

Ministerin Bauer wertete die Ergebnisse als Bestätigung ihres Kurses: „Deutsch, Arbeit und Werte“ seien die Basis gelungener Integration, die kein freiwilliges Angebot, sondern eine Verpflichtung sei. Aus dem rechten politischen Lager kam dennoch Kritik: FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch warf der ÖVP laut ORF vor, mit der Studie ihr „eigenes Asylversagen“ zu präsentieren, der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp nannte die Studie eine „Ohrfeige mit Nachhall für die rot-pinke All-inclusive-Willkommenspolitik“. Aus dem linken Lager kam laut einem Medienbericht Kritik der Grün-Politikerin Sigrid Maurer, die der Ministerin vorwarf, mit der Präsentation Vorurteile und Ängste gegenüber Muslim:innen zu schüren, statt Integrationsmaßnahmen umzusetzen; diese Aussage liegt bislang nur über eine Sekundärquelle vor. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) reagierte mit einer eigenen Presseaussendung: Sie wertet die Studienergebnisse als Ausdruck eines politischen Versagens der Integrationspolitik, nicht als ein Problem der Muslim:innen selbst. Damit liegt neben der Regierungsperspektive und den Reaktionen von FPÖ und Grünen nun auch eine direkte Stellungnahme der größten muslimischen Religionsgemeinschaft Österreichs vor.

Was unklar bleibt

Aus den vorliegenden Medienberichten geht nicht hervor, wie genau die einzelnen Fragen und Antwortkategorien formuliert waren – ein Punkt, der bei Umfragen zu sensiblen Themen wie Religion und Migration erheblichen Einfluss auf Ergebnisse haben kann. Eine unabhängige, von der präsentierenden Institution losgelöste methodische Einordnung fehlt bislang, ebenso wie Stellungnahmen von Roma-Vertretungen oder anderer betroffener Gruppen. Auch bleibt offen, welche konkreten Gesetzesschritte die Regierung als Nächstes im Zusammenhang mit dem geforderten Verbot des politischen Islam plant und wie die IGGÖ auf einen konkreten Gesetzesvorschlag reagieren würde. Ebenfalls offen: Wie SPÖ und Neos, die bislang nicht mit eigenen Stellungnahmen aufgetreten sind, die Studie bewerten.

Einordnung

Die Studie misst Einstellungen und Wahrnehmungen der befragten Bevölkerungsgruppe, keine objektiven Eigenschaften der genannten Gruppen. Dass die Ergebnisse zeitgleich von der zuständigen Ministerin zur Untermauerung einer bereits angekündigten politischen Forderung genutzt wurden, ist bei der Einordnung mitzudenken – ebenso, dass mit der IGGÖ nun eine Gegenstimme vorliegt, die genau diese Verknüpfung von Umfragedaten und Verbotsforderung als politisches statt migrantisches Problem framt. Die Kernzahlen selbst gelten als gut belegt, weil sie von der präsentierenden Institution stammen und von mehreren unabhängigen Medien übereinstimmend wiedergegeben werden – wie die Ergebnisse zu deuten sind und welche politischen Konsequenzen daraus zu ziehen sind, bleibt Gegenstand der öffentlichen und politischen Debatte.